Klein Rönnau

Schwefelfraß in der Wassermühle

Durch die schwefelhaltige Luft sind die Kupferrohre im Keller der alten Wassermühle schwarz oxidiert.

Durch die schwefelhaltige Luft sind die Kupferrohre im Keller der alten Wassermühle schwarz oxidiert.

Klein Rönnau. Je tiefer man in den Keller der Alten Wassermühle hinabsteigt, desto beißender und unangenehmer wird der Geruch, der an „Stinkbomben“ aus Schülertagen erinnert. In einem Kellerraum befindet sich eine Klappe. Unter ihr liegt der Entwässerungsschacht für das historische Gebäude, das um die Jahrtausendwende umfangreich saniert wurde.

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Auch der Entwässerungsschacht aus Beton wurde damals erneuert und zur besseren Haltbarkeit mit einer isolierenden Kunststoffschicht überzogen. Im Schacht laufen sechs Drainageleitungen zusammen, die das Wasser unter der Alten Wassermühle aufnehmen. Mit Hilfe zweier Pumpen wird dieses Wasser in die Rönnau abgeführt. Derzeit ist nicht nur der Mühlenteich bis zum Rand voll, auch die Drainagerohre leiten ohne Unterbrechung Massen an Wasser ab.

Der Beton hat sich zersetzt und scheint sich aufzulösen

Das viele Wasser dürfte nicht das Problem sein, wohl aber der Schwefelgehalt, der nicht nur zu riechen, sondern auch deutlich zu sehen ist. „Hier ist alles voller Ablagerungen“, sagt Gemeindearbeiter Wladimir Gorbunev und zeigt auf den Rand der Metallklappe, an dem sich gelbe Kristalle abgesetzt haben. Direkt daneben klaffen bereits dicke Löcher im Beton. „Er hat sich förmlich zersetzt. Er bröckelt und scheint sich ganz aufzulösen“, sagt Bürgermeister Dietrich Herms, der zusammen mit dem Gemeindearbeiter mit besorgtem Blick in den Schacht schaut. Darin sieht es nicht besser aus. Das, was mal Beschichtung war, haftet schon lange nicht mehr am Beton. Teilweise ist sie noch zu sehen, teilweise aber hat sie sich ganz in die Rönnau verabschiedet.

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Doch nicht nur am Schacht hat das schwefelhaltige Wasser seine Spuren hinterlassen. Auch die in dem Raum verlaufenden Kupferrohre zeigen inzwischen deutliche Spuren. Ob mit einer Kunststoffdämmung ummantelt oder nicht: Sämtliche Leitungen sind tiefschwarz oxidiert. „Ein Heizungsinstallateur hat uns gesagt, dass das nicht schlimm sei. Zumindest könnte den oxidierten Kupferrohren nichts mehr passieren“, erzählt der Bürgermeister. Dennoch habe man bei Reparaturarbeiten kein Kupfer, sondern Edelstahl verwendet, das nicht oxidieren könne.

Ist die Segeberger Sole schuld?

Für Dietrich Herms ist die Ursache für das stinkende Wasser klar: „Das haben wir der Segeberger Sole zu verdanken“, sagt der Bürgermeister, der an zwei Versuche Klein Rönnaus erinnert, eigene Trinkwasserbrunnen zu bohren. „Beide Male haben wir die Segeberger Sole angebohrt. Seitdem bekommen wir unser Trinkwasser aus Bad Segeberg.“

Untersucht worden ist das Wasser aus den Drainagerohren noch nie. Dennoch geht die Gemeinde davon aus, dass es sich um saubereres Wasser handelt, das tagtäglich in die Rönnau abgepumpt wird. „Im Sommer, als der Wasserpegel extrem niedrig war, stand Wasser in einer Senke im Zulauf. Dort haben Fische gelebt, und sogar eine Teichmuschel ist dort entdeckt worden. Von der ist bekannt, dass sie nur in absolut sauberem Wasser lebt“, sagt Herms.

Wie es nun weitergehen soll, weiß auch er nicht. „Wir haben schon den Wege-Zweckverband hier gehabt. Der wiederum hat einen Kunststoffbauer hinzugezogen. Eine Lösung haben sie aber auch nicht“, bedauert er. Auch der Architekt, der für die Sanierung der Mühle verantwortlich war, habe sich den Entwässerungsschacht angesehen. „Auch er hatte keine Idee, was zu tun ist“, so Herms. Das größte Problem sieht er in dem vielen Drainagewasser. „Bei laufendem Betrieb kann man den Schacht nicht erneuern. Natürlich könnte man die Drainageleitungen verschließen, aber Wasser sucht sich bekanntlich seinen Weg. Was kann da alles passieren?“

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Wasser stoppte Salzabbau

Die Segeberger Sole gehört mit einem Salzgehalt von 26 Prozent zu einer der stärksten Salz-Verbindungen Deutschlands. Zum Vergleich: Die Nordsee hat einen Salzgehalt von drei Prozent. Der Bergkontrolleur C.F. Magnus hatte 1806 das erste Mal Hinweise auf ein ergiebiges Salzsteinlager unter dem Kalkberg gefunden. In den kommenden Jahrzehnten folgten Bohrungen und der Abbau des Salzes.

1871 jedoch zerplatze der Traum vom weißen Gold, nachdem Wasser in den Schacht eingedrungen war. Weitere Stollen scheiterten ebenfalls an den Wassermassen. pd

Petra Dreu

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