Bad Segeberg

Segebergs Seen: „mäßig“ bis „schlecht“

Aus der Luft ein Idyll – aber bei der ökologischen Qualität schneidet der Große Segeberger See nur „mäßig“ ab. Im Vergleich zu anderen Seen im Kreis ein „Spitzenwert“.

Aus der Luft ein Idyll – aber bei der ökologischen Qualität schneidet der Große Segeberger See nur „mäßig“ ab. Im Vergleich zu anderen Seen im Kreis ein „Spitzenwert“.

Bad Segeberg. Während der Große Segeberger See und der Stocksee auf der fünfstufigen Skala noch mit einer Drei, also einer „mäßigen“ Bewertung abschneiden, erreichen der Neversdorfer See, der Seedorfer See sowie der Wardersee nur „unbefriedigende“ Bewertungen. Bornhöveder und Mözener See fallen sogar in die niedrigste Kategorie Fünf – „schlecht“. Kriterium dafür ist vor allem die problematische Nährstoffsituation der Gewässer. Einträge aus der Landwirtschaft oder Abwässer aus Siedlungen sorgen dafür, dass der Nährstoffgehalt in den Seen steigt, Algen sich ausbreiten und heimischen Wasserpflanzen das Sonnenlicht entziehen.

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Eine Vegetationsstudie zum Bornhöveder See aus dem Jahr 2016 stellt zum Beispiel „nur noch eine rudimentäre Gewässervegetation mit punktuellen Restvorkommen“ fest, die nach der vorherigen Untersuchung aus dem Jahr 2010 sogar noch weiter zurückgegangen ist. Im Vergleich dazu werden dem Großen Segeberger See in Sachen Vegetation „weitgehend stabile Verhältnisse“ bescheinigt, der mit 13 nachgewiesen Pflanzenarten, von denen jeweils zwei bundes- und landesweit als gefährdet gelten, auch noch relativ artenreich sei. Bis 2027 könne der Große Segeberger See seine ökologische Stufe sogar auf „gut“ verbessern. Ob das beim Bornhöveder See auch gelingen kann, zweifeln die Experten des Ministeriums jedoch an. Nach Wasserrahmenrichtlinie der EU ist Deutschland aber verpflichtet, seine Gewässer bis zum Jahr 2027 in einen „guten“ ökologischen Zustand zu bringen. Ähnlich wie bei der Luftreinheit drohen ansonsten Strafzahlungen.

Deshalb passiert bereits einiges, wie das Beispiel von Neversdorfer und Mözener See zeigt. Gewässerpflegeverband Mözener Au, Fischereigenossenschaft und Eigentümergemeinschaft haben sich die ökologische Sanierung der beiden Seen auf die Fahnen geschrieben. Aus Mitteln des Landes und der EU wurden in den vergangenen Jahren unter anderem Flächen entlang der Zuflüsse aufgekauft, um Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft zu verringern. Das sei in den vergangenen Jahren zwar schon gut gelungen, sagt Claus Fahrenkrog, Vorsitzender des Gewässerpflegeverbandes Mözener Au und Leiter der Gesamtmaßnahme. Tatsächlich messbare Erfolge gebe es aber kaum. „Ein großes Problem sind nämlich noch die Altlasten“, erklärt Fahrenkrog. Denn die Verschlechterung der Gewässerqualität sei keineswegs ein neues Phänomen, sondern entwickele sich bereits seit gut 100 Jahren. Durch Abwasser- und Düngeeinträge aus vergangenen Jahrzehnten gebe es in den Seen große Schlammablagerungen, die stetig Phosphate freisetzen und den See überdüngen. Welche Maßnahmen dagegen helfen können, ob zum Beispiel eine künstliche Sauerstoffzufuhr eine Lösung sei, werde noch weiter untersucht.

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Carsten Pusch, Leiter der Landesstelle Wasser beim Naturschutzbund (Nabu), zweifelt daran, dass das Ziel eines guten ökologischen Zustands für alle Binnengewässer bis 2027 zu erreichen ist. Von den 62 nach WRRL berichtspflichtigen Seen in Schleswig-Holstein erfülle gegenwärtig nur der Selenter See im Kreis Plön diese Bedingungen. „Wegen der engen Frist besteht aber ein großer Druck, sodass jetzt tatsächlich viel passiert und verschiedene Akteure miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Pusch. Es bleibe aber „spannend“, wie sich die Dinge entwickeln, wenn in einigen Jahren tatsächlich Strafgelder gezahlt werden müssen.

Während die Überdüngung von Seen und Flüssen bereits vielerorts intensiv bekämpft werde, gebe es jedoch eine weitere Baustelle, die bislang noch nicht so stark in den Fokus gerückt sei: die Belastung der Gewässer mit Medikamentenrückständen und Hormonen. „Das ist ebenfalls ein Riesen-Problem, das uns in den kommenden Jahren noch sehr stark beschäftigen wird.“

Badewasser

Für die Qualität des Badewassers werden andere Kriterien herangezogen als für die ökologische Qualität. Hier zählt die Belastung des Wassers mit Keimen, die der menschlichen Gesundheit schaden können. Während zum Beispiel der Bornhöveder See bei der ökologischen Qualität mit „schlecht“ bewertet wird, gilt die Qualität des Badewassers – wie im übrigen an allen anderen Badestellen im Kreis Segeberg auch – gegenwärtig als „ausgezeichnet“.

Oliver Vogt

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