Rohlstorf

Unterkunft in Warder wird zum Schulungszentrum

Mülltrennung ist schon eine kuriose Sache: Sozialpädagogin Sina Koch von den Johannitern gibt Kurse zum Thema Wohnen.

Mülltrennung ist schon eine kuriose Sache: Sozialpädagogin Sina Koch von den Johannitern gibt Kurse zum Thema Wohnen.

Rohlstorf. .“ Die Erfahrung habe gezeigt, dass der Schritt von Sammelunterkünften ins reale Leben nur schwer klappt: „Wir nehmen uns die Chance, Integration besser vorzubereiten“, sagt die Leiterin der Unterkunft, Christina Bloch. Das Kompetenzzentrum soll gegensteuern, speziell beim Thema Wohnen. Flüchtlinge lernen, was ein Mietvertrag ist und was in einer Hausordnung steht, wie man heizt und lüftet, wo man Energie sparen kann. Warum es Nachzahlungen gibt und welcher Müll in welche Tonne kommt. Am Ende gibt es ein Zertifikat. „Die Bescheinigung ist ein gutes Argument bei den Vermietern“, weiß Jana Kirschbaum von der Diakonie Altholstein. Sie hilft, Wohnungen zu finden und betreut dann beide Seiten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Innerhalb von sechs Monaten soll der Schritt gelingen. Seit Januar sind 17 Personen umgezogen. „Es ist ganz gut Bewegung drin“, sagt Christina Bloch. „Wir haben den Vorteil, dass wir die Bewohner gut kennen. Wir sind gut vernetzt und können eine Betreuung besser gewährleisten, als wenn die Menschen dezentral untergebracht wären.“ Gleichzeitig gebe es genug Rückzugsmöglichkeiten zum Lernen. Und manch ein Flüchtling bleibt auch nur kurz: „Was sie können, wird unterschätzt. Wir haben Ärzte, Ingenieure und Apotheker. Die kommen auch nicht wieder“, sagt Matthias Hoge, Migrationsbeauftragter beim Jobcenter.

Die Befürchtungen, die Unterkunft könne überfüllt werden oder für Ärger sorgen, waren unbegründet. Rückblick: 2015 war die Lage brisant. Vor dem Winter musste für viele ankommende Flüchtlinge eine Bleibe gefunden werden. Der Kreis hatte den „Gasthof am See“ samt Grundstück und Inventar für 1,4 Millionen Euro gekauft und umgebaut. Debattiert wurde über Monate. Die Rohlstorfer hatten befürchtet, dass die geplante Anzahl von 100 Menschen deutlich überschritten werden könnte. Denn so war es in der Landesunterkunft in Boostedt geschehen. Die Gemeinde Rohlstorf wollte statt des Kreises den Gasthof kaufen, um nur die Hälfte der Flüchtlinge unterzubringen. Daraus wurde schließlich nichts. Am Ende hatte sich der Helferkreis schneller gebildet, als Flüchtlinge kamen: Im April 2016 zogen die ersten Menschen ein. Spielzimmer und Nähzimmer wurden eingerichtet, Lebensmittel gesammelt und Projekte gestartet. Voll belegt war die Gemeinschaftsunterkunft nie; die maximale Auslastung lag im Mai 2017 bei knapp 70 Personen. Zwei Jahre nach dem ersten Aufschrei gab es erneut Unmut in der Gemeinde, weil die Unterkunft nicht geschlossen, stattdessen Pläne für ein Kompetenzzentrum entwickelt wurden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die ganze Aufregung habe sich inzwischen gelegt, sagt Bürgermeister Dirk Johannsen. „Wir sind zufrieden. Insgesamt ist alles gut abgelaufen, die Menschen sind friedlich und es gibt keinen Stress“, resümiert er. Er sagt aber auch, dass sich erst noch herausstellen müsse, ob sich die Nutzungsänderung für die Gemeinde rechnet. „Wir hoffen, dass wir dadurch finanziell nicht schlechter gestellt sind.“

 Von Irene Burow

Mehr aus Segeberg

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.