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Baupläne Bahnhaltepunkt

Wahlstedt: Politik will Gewerbe- und Industriegebiet

Das geplante Gewerbe- und Industriegebiet stößt nach wie vor auf Widerstand bei den Bürgern, dennoch empfiehlt der Ausschuss für Stadtentwicklung der Stadtvertretung einstimmig die Pläne.

Das geplante Gewerbe- und Industriegebiet stößt nach wie vor auf Widerstand bei den Bürgern, dennoch empfiehlt der Ausschuss für Stadtentwicklung der Stadtvertretung einstimmig die Pläne.

Wahlstedt. „Artenschutz statt Umweltschmutz“, „Bienen schwärmen – Fabriken lärmen“, „Industrie am Wohngebiet – Dat is Schiet“: Mit markigen Sprüchen haben sich die „Initiative Wahlstedt“, einige Unterstützer und Bürger vor der Begegnungsstätte postiert. Einmal mehr wollen sie vor der Sitzung der Stadtvertreter am 12. November auf sich und ihre Kritik am geplanten Gewerbe- und Industriegebiet am Bahnhaltepunkt (Bebauungsplan 32) aufmerksam machen.

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Erfolglos. Das Votum der Politik im Ausschuss für Stadtentwicklung ist ein paar Stunden und eine hitzige Diskussion später deutlich: Ja, die Pläne sollen weiter vorangebracht werden. Derzeit sei man dabei, die Abwägungen nach der ersten Auslegung aufzulisten und zu bearbeiten, so Bauamtsleiter Torsten Maaß. Er macht damit deutlich, dass die Pläne erst danach, also 2019 in einer bearbeiteten Fassung, in die relevante Einwände eingeflossen sind, „wohl erneut ausgelegt werden.“

Verwaltung und Politik setzen auf Wachstum mit mehr Gewerbesteuereinnahmen und eine Zunahme von Arbeitsplätzen. „Die brauchen wir, damit Wahlstedt auch für junge Familien interessant bleibt“, argumentiert die Wählergemeinschaft (WfW). Der Ausbau der Autobahn und die Nähe zur A 21 bedeute einen großen Vorteil für eine mögliche Ansiedlung, den es rechtzeitig zu nutzen gelte, unterstrich Bürgermeister Matthias Bonse (CDU): „Sonst bekommen wir irgendwann tatsächlich die Industrie, die kein anderer will.“

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"Gegen Gewerbe hat niemand was, aber Lärm, Licht und Schmutz eines Industriegebietes, das geht zu Lasen der Bürger", sagt Heike Griese.

"Gegen Gewerbe hat niemand was, aber Lärm, Licht und Schmutz eines Industriegebietes, das geht zu Lasen der Bürger", sagt Heike Griese.

Die Argumentation von Verwaltung und Politik konnte ebenso wenig bei den meisten Bürgern, die um die Lebensqualität in der Stadt bangen, punkten, wie die mantraartig wiederholte Zusicherung, dass keine Entscheidung zum Nachteil der Stadt gefällt werde. Die Bürger sind misstrauisch: „Der Verkehr an der Kieler Straße ist jetzt schon enorm und er soll dann von 6500 auf 9500 Fahrzeuge, davon 25 Prozent Lkw, steigen. Dazu kommt, dass man bei Ostwind schon den Lärm aus der Holsteinstraße hört. Das wird dann noch mehr“, kritisiert Rolf Homfeldt. Licht-, Lärm- und Schmutzimmissionen sind die Hauptargumente der Gegner.

„Wachsen zum Nachteil der Bürger: Wir wollen das nicht“, sagt Heike Griese. Unverständlich für die Gegner ist, dass das Glas-Recycling-Werk, der Schrottplatz mit seiner geplanten Erweiterung und anderes an der Holsteinstraße nicht in das Lärmschutzgutachten eingeflossen sind. Sauer macht sie auch, dass eine Abstimmung auf der Einwohnerversammlung Ende August deutlich gegen Industrie ausgefallen ist und keine Berücksichtigung findet. „Wir wollen sie mit unserem Aufstand für unsere Probleme sensibilisieren. Wenn die Bevölkerung sich wünscht, bestimmte Dinge auszuschließen, sollten sie darauf eingehen“, mahnt Wolfgang Joseph. Und Eva Holm sieht das Vertrauen der Bürger in die Arbeit von Politik und Verwaltung als bedroht an: „Beleben sie den Bahnhaltepunkt, wie sie es mal vorhatten, aber verzichten sie auf Industrie.“

Wahlstedts Gemarkung hat 88,5 Hektar Industriegebiet und 7,5 Hektar Innenstadt-Gewerbeflächen (Stand 2017). Nach den aktuellen Plänen, sollen rund 20 Hektar einer insgesamt 32 Hektar großen Fläche Richtung Autobahn 21 dazukommen. Sieben Hektar davon sollen als Industriegebiet ausgewiesen werden. Für das Vorhaben müssen mehr als 900 Meter Knick gerodet und 54 prägende Bäume gefällt werden. Im Gegenzug sollen 770 Meter Knick im Westen des Plangebiets neu angelegt und 20 Bäume gepflanzt werden. Zudem hat die Stadt Grund bei Klein Gladebrügge gekauft, um hier Ausgleichsflächen zu schaffen.

Heike Hiltrop

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