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Ukraine-Hilfe

Beherzte Reinfelderin startet Benefizaktion für geflüchtete Ukrainerinnen

Magdalena von Ostrowski (r.) und Jacqueline Hübert-Papalia stapeln Kisten mit gespendeten Hilfsgütern.

Magdalena von Ostrowski (r.) und Jacqueline Hübert-Papalia stapeln Kisten mit gespendeten Hilfsgütern.

Reinfeld.Zerbombte Häuser, verängstigte Menschen: Die Bilder vom Krieg in der Ukraine haben auch Magdalena von Ostrowski ins Mark getroffen. Im blanken Entsetzen über das Leid, das die Menschen dort erleben, mochte die Reinfelderin aber nicht verharren. Als Frau der Tat rief die Chefin der Reinfelder Tagespflege „Fliedergrün“ kurzerhand eine Hilfsaktion für Ukrainer ins Leben, die ihr Land in Panik verlassen mussten und inzwischen im benachbarten Polen Unterschlupf gefunden haben. Viele von ihnen sind nahezu mittellos und ihre Gastgeber oftmals nicht in der Lage, sie mit dem Nötigsten auszustatten.

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Etliche Kleinkinder ganz auf sich gestellt

Ein kurzes Video brachte das Ganze ins Rollen. „Eine Freundin hier aus Reinfeld hat es mir weitergeleitet. Ihr Bruder, Rafal Tomala, betreibt ein Hotel mit 150 Betten in Warschau und hat Geflüchtete aufgenommen, die noch im letzten Moment über die Grenze gekommen sind“, berichtet Magdalena von Ostrowski. Der Film, den sie auf ihrem Handy abspielt, zeigt eine Gruppe von 30 Kleinkindern, die im Hotel wohnen – entweder begleitet von ihrer Mutter oder auch völlig auf sich gestellt. Die Väter haben sie außer Landes in Sicherheit bringen wollen, um anschließend zurückzukehren und gegen das russische Militär zu kämpfen. „Über Nacht wurde ein weiteres Baby im Nachbarhotel aufgenommen, das auf der Flucht geboren wurde. Die Leute fliehen zu Fuß mit Plastiktüten, obwohl sie schon nicht mehr können. Sie wollen weg von der Grenze. Als ich das hörte, dachte ich: ,So geht das nicht’.“

Von Kleidung über Windeln bis Generator

Der Reinfelderin war gleich klar, dass nicht nur die Versorgung innerhalb der Ukraine, sondern auch im Aufnahmeland Polen auf Dauer zum Problem werden würde und Hilfe dringend geboten sei. Prompt teilte ihr Rafal Tomala mit, dass die Lebensmittelgeschäfte und andere Läden in der Stadt binnen 24 Stunden ausverkauft waren. Also setzte Magdalena von Ostrowski alle Hebel in Bewegung und startete die Benefizaktion. Über Facebook rief sie zu Spenden auf. Die Palette der dringend benötigten Dinge ist weit gespreizt. So fehlt es nicht nur an Kinderkleidung, Babynahrung und Spielzeug, sondern auch an Matratzen, Decken, Hygiene-Artikeln, Binden, Windeln, Schlafsäcken und Taschen. Ein Problem stellt auch die Kommunikation der Geflüchteten zu ihren Familien in der Ukraine dar, da die Akkus der Handys nicht endlos lange halten und ein gleichzeitiges Aufladen schwierig wird. Deshalb versucht Magdalena von Ostrowski auch, mit Benzin betriebene Stromgeneratoren zu akquirieren.

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Spendenkonto beim Personen-Spürhunde-Verein

Auch Geldspenden für die Geflüchteten aus der Ukraine werden entgegengenommen. Dafür stellt der Personen-Spürhunde-Verein Schleswig-Holstein (PSHSH) aus Bad Segeberg seine Konto-Nummer bei der VR-Bank zur Verfügung: IBAN DE79 8306 5408 0005 2087 85 unter dem Verwendungszweck „Reinfeld hilft Kids in Warschau“. Vereinschef Holger Froede ist ebenso wie Magdalena von Ostrowski in der Pflege tätig.

Sachspenden können in der Tagespflege „Fliedergrün“ in Reinfeld, Ahrensböker Straße 12, an Werktagen von 7 bis 16 Uhr abgegeben werden.

„Und nicht zu vergessen Schnelltests und Mund-Nasen-Schutz. Nicht auszudenken, wenn im Hotel noch Corona ausbrechen würde“, sagt die Leiterin zweier Tagespflegestellen in Reinfeld. Zum Glück verfügt sie über gute Kontakte zu Sanitätshäusern und Apotheken. Da auch Lebensmittel in Warschau langsam knapp werden, hat sie auch Supermärkte angeschrieben und dort um Spenden gebeten. Inzwischen hat das Netzwerk 20 Partner, die sich an der Aktion beteiligen.

Spedition Bode ist mit im Boot

Doch wie gelangen die kostbaren Güter an ihren Bestimmungsort? Auch dafür hatte die findige Reinfelderin eine Lösung. Sie bat Spediteur Kai Bode um Unterstützung und dieser ließ sich nicht lange bitten. „Ich habe noch niemanden gesprochen, den diese menschliche Katastrophe kalt lässt. Im Grunde fühlt sich ja jeder Demokrat durch den Krieg bedroht. Selbstverständlich stellen wir etwas von unserer Kapazität bereit“, sagt der Firmenchef. Die Spedition wird je nach Umfang der abgegebenen Hilfsgüter einen oder mehrere 25-Tonner auf die Reise gen Polen schicken. In jeden Sattelzug passen 33 Paletten. Auch Fuhrunternehmer Stefan Meining aus Lübeck, dessen Trucks zuweilen im Auftrag von Bode fahren, ist mit im Boot.

Marc (l.) und Kai Bode und der befreundete Spediteur Stefan Meining (r.) aus Lübeck taxieren schon mal die ersten Kisten, die in die Ukraine transportiert werden sollen.

Marc (l.) und Kai Bode und der befreundete Spediteur Stefan Meining (r.) aus Lübeck taxieren schon mal die ersten Kisten, die in die Ukraine transportiert werden sollen.

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Bitte nur Kartons, keine Plastiktüten

Da die Sammelaktion schon die Runde gemacht hat, geben viele Reinfelder ihre Spenden inzwischen direkt in der Spedition am Standort im Gewerbegebiet ab. „Es wäre toll, wenn die Leute keine Plastiktüten, sondern Kartons benutzten und den Inhalt sortierten. Sonst müssen wir das noch alles erledigen“, sagt Bode. Ihm zufolge ist auch die Hilfsbereitschaft innerhalb der Belegschaft überwältigend. „Sie würden gern mit der ganzen Manpower hinfahren und abladen helfen. Aber wie wir erfahren haben, steht dafür schon eine ganze Feuerwehrabteilung in Warschau bereit“, sagt er.

Das Spendenkarussell dreht sich unterdessen noch weiter. Bode selbst ließ seine Beziehungen spielen und fragte an, ob die Schwartauer Werke und die GB Foods Deutschland GmbH bereit wären, sich mit der Lieferung von Lebensmitteln einzubringen. „Sie haben sofort zugesagt, etwas zu spenden“, teilt der Firmenchef mit.

Vater Albrecht Werner gründete „Pro Asyl“

Im Büro der Pflegestelle "Fliedergrün" steht derweil das Telefon nicht still. Die Organisation des großen Projektes läuft auf vollen Touren. "Bisher haben wir so etwas noch nicht gemacht. Seit gestern Mittag sind wir Profis", sagt Magdalena von Ostrowski lachend. Ihr war es nicht zuletzt wichtig, allen hilfsbereiten Stormarnern eine verlässliche Anlaufstelle zu bieten. "Ich stehe hier und zeige mein Gesicht, sodass jeder nachvollziehen kann, wohin die Spende geht", sagt die 36-Jährige. Für sie und ihre Kolleginnen soll das soziale Engagement keine Eintagsfliege bleiben. Schon jetzt sei beschlossene Sache, einen Verein zu gründen, der Notleidenden hilft – unabhängig von der Staatsangehörigkeit oder Herkunft. Damit tritt Magdalena von Ostrowski übrigens in die Fußstapfen ihres 2020 gestorbenen Vaters Albrecht Werner, der den Verein "Pro Asyl" gegründet hatte. Der Überfall der russischen Armee auf die Ukraine am 24. Februar ist dafür offenbar ein doppelt starkes Signal gewesen. "Es ist der Geburtstag meines Vaters", sagt sie.

Von Dorothea von Dahlen

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