LN-Aktion Hilfe im Advent

Trittauer Tafel stößt an ihre Grenzen

Margret Paustian (v.l.), Ingrid Fischer, Evelyn Glißmann und Rainer Demuth: "Die Trittauer Tafel ist auch ein sozialer Treffpunkt."

Margret Paustian (v.l.), Ingrid Fischer, Evelyn Glißmann und Rainer Demuth: "Die Trittauer Tafel ist auch ein sozialer Treffpunkt."

Trittau. Die Trittauer Tafel deckt seit 25 Jahren hungrigen Bedürftigen den Tisch: 1997 wurde sie – damals noch als Stormarner Tafel – gegründet und arbeitet seit 2000 als Trittauer Tafel. Der Vorsitzende Rainer Demuth ist seit fünf Jahren dabei, die stellvertretende Vorsitzende Ingrid Fischer seit 14 Jahren. „Angefangen hat die Tafel, weil es darum ging, Lebensmittel zu retten“, erklärt Demuth. Mittlerweile steht die Hilfsbereitschaft im Vordergrund, denn viele Kunden der Tafel können von dem, was sie haben, nicht satt werden. Insbesondere der Krieg in der Ukraine hat die Zahl der Bedürftigen sprunghaft anwachsen lassen.

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Helfer-Gen liegt im Blut

Für sie sammeln die 46 Helfer Spenden, holen mit einem Transporter Lebensmittel in 25 Geschäften ab, sortieren Gemüse, Kartoffeln, Brot oder Molkereiprodukte von einer regionalen Molkerei ein, befüllen Kühlschränke, packen Kisten und geben das Essen einmal in der Woche an die Kunden aus. „Es macht Freude, den Tafelgrundsatz zu leben, Nahrungsmittel zu retten und die Freude und Dankbarkeit in den Gesichtern zu sehen“, fasst Demuth zusammen. Genauso schön sei es, in einem Team zu arbeiten, das sich gut verstehe und bei dem alles reibungslos laufe. „Wir sind wie eine große Familie“, bestätigt Ingrid Fischer. „Uns liegt das Helfergen im Blut“, erklärt Demuth, der 35 Jahre lang ehrenamtlich in der Kirchengemeinde aktiv war. Ingrid Fischer war früher in der Drogenhilfe aktiv und freut sich, mit der Tafel-Arbeit eine neue sinnvolle Aufgabe gefunden zu haben.

Mit den Jahren hat sich die Klientel verändert: Durch die Flüchtlingswelle 2015 und den Ukrainekrieg in diesem Jahr sind neue Bevölkerungsgruppen zu den Tafelkunden dazu gekommen; die Kunden sind international mit unterschiedlichen Bedürfnissen. „Muslime essen zu 90 Prozent kein Schweinefleisch, deshalb suchen wir nach Alternativen“, sagt Demuth. Zweimal im Jahr wird alles für den Grillabend angeboten, und da gibt es dann alternativ auch Würste aus Geflügelfleisch. Verständigen können sich die Helfer mit den Kunden per Übersetzer-App, denn kyrillische Schrift lesen oder Farsi sprechen kann hier keiner. Zum Service gehört es auch, dass jede Woche zehn Kisten mit Lebensmitteln für Menschen gepackt werden, die nicht mehr zu Fuß gehen können. „Da liefern wir die Lebensmittel nach Hause.“

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Ingrid Fischer und Rainer Demuth vor der Trittauer Ausgabestelle.

Ingrid Fischer und Rainer Demuth vor der Trittauer Ausgabestelle.

Helfer müssen flexibel sein

"Flexibilität gehört dazu", erklärt Demuth, "viele Dinge funktionieren auf Zuruf." Doch die Helfer spüren, dass sie bei Arbeitsbelastung, Kundenmenge und Lebensmitteln an ihre Grenzen stoßen. "Wir haben derzeit einen Aufnahme-Stopp bei den Kunden", bedauert Demuth, "Raum und Waren geben es nicht her, dass wir noch mehr Menschen versorgen können." Auch so schon seien manche Lebensmittel knapp. "Zucker, Mehl, Nudeln, Öl – solche grundsätzlichen Sachen fehlen", sagt Demuth. Manchmal gebe es Spenden mit dem Verwendungszweck Zukauf, aber eigentlich dürften sie keine Lebensmittel dazu kaufen. "Nur, wenn der Spender das ausdrücklich wünscht." Doch Geldspenden ohne Zweckbindung sind genauso willkommen.

Energiepreise haben sich verdoppelt

„Die Gemeinde stellt uns mietfrei die Räume zur Verfügung“, erläutert Demuth, „wir müssen aber Gas, Strom, Wasser und Benzin bezahlen.“ Dabei hätten sich die Ausgaben mittlerweile verdoppelt, was die Finanzen des Vereins stark belaste. „Wenn man sonst 20 000 Euro Unkosten hatte, sind es jetzt 40 000 Euro, das macht sich bemerkbar.“ Zumal der Transporter in die Jahre gekommen ist und dringend ersetzt werden müsste. Immerhin hätten sie über den Bundesverband seit einem Jahr industrielle Luftreiniger in den Räumen. „Das erhöht die Sicherheit für alle.“ Denn die Tafel sei mehr als eine Essensausgabe. „Für viele ist die Trittauer Tafel auch ein sozialer Treffpunkt. Da unterhält sich jeder in seiner Sprache.“

Ingrid Fischer und Rainer Demuth geben Backwaren aus, die zuvor in verschiedenen Geschäften gesammelt wurden.

Ingrid Fischer und Rainer Demuth geben Backwaren aus, die zuvor in verschiedenen Geschäften gesammelt wurden.

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Wunschbaum der Sparkasse

Zu Weihnachten gibt es eine besondere Kooperation mit der Sparkasse Holstein: „Dort ist ein Wunschbaum aufgestellt, an den Kinder ihre Wunschzettel hängen können.“ Für jedes wird ein kleines Geschenk im Wert von 15 Euro besorgt und dann über die Tafeln verteilt.

Von Bettina Albrod

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