Auch Bruder und Vater gestorben

Jetzt hat auch Neele Ewald aus Hamberge den Kampf gegen den Krebs verloren

Neele Ewald (9) hat den Kampf gegen den Krebs am Mittwoch verloren.

Neele Ewald (9) hat den Kampf gegen den Krebs am Mittwoch verloren.

Hamberge. Dass dieser schwere Tag kommen würde, wussten Freunde und Unterstützer der Hamberger Familie Ewald, deren Schicksal seit drei Jahren Menschen in ganz Deutschland und darüber hinaus bewegt. Doch als es dann soweit war, war es plötzlich und unerwartet. Zwei Jahre nach ihrem Bruder Jonas und ihrem Vater Sebastian hat auch Neele Ewald (9) den Kampf gegen den Krebs verloren. Sie starb am Mittwoch, 6. Juli, am Vormittag im Universitätsklinikum Lübeck, in das sie nur wenige Stunden zuvor mit Atemproblemen eingeliefert worden war.

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Das Leid dieser Familie macht sprachlos: Kurz nach Weihnachten 2019 starb der zehnjährige Jonas an einem Hirntumor, sein an Lungenkrebs erkrankter Vater Sebastian folgte ihm am 2. März 2020. Während er im Sterben lag, wurde bei Ehefrau Stefanie Ewald Brustkrebs diagnostiziert. Nur drei Tage nach dem Tod ihres Mannes begann ihre eigene Chemotherapie. Sie besiegte den Krebs nach Chemo und Brustamputation, lebte aber seitdem mit der Angst, auch ihre Tochter Neele zu verlieren.

Sebastian Ewald und Stefanie Ewald mit Jonas (10), Neele (6) und Lenja (9 Monate) 2019 auf einem Benefiz-Fußballturnier zugunsten der Familie.

Sebastian Ewald und Stefanie Ewald mit Jonas (10), Neele (6) und Lenja (9 Monate) 2019 auf einem Benefiz-Fußballturnier zugunsten der Familie.

Mit zwei Jahren kam der erste Krebs

Neele war mit zwei Jahren erstmals an Krebs erkrankt, der damals geheilt werden konnte. Wie ihr Vater und ihr Bruder litt auch Neele Ewald an dem Gendefekt „Li-Fraumeni-Syndrom“, bei dem sich schadhafte Zellen ungehindert im Körper vermehren können. Im Oktober 2020 erkrankte Neele erneut. Diesmal war es, wie bei ihrem Bruder Jonas, ein Hirntumor. Hochaggressiv und inoperabel. Die Ärzte gaben dem kleinen Mädchen ohne Behandlung nur noch wenige Wochen.

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Li-Fraumeni-Syndrom

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 2100 Kinder und Jugendliche im Alter unter 18 Jahren an Krebs. Inzwischen ist bekannt, dass Krebserkrankungen in dieser Altersgruppe bei etwa zehn Prozent der Patientinnen und Patienten aufgrund einer bekannten erblichen Veränderung auf dem Boden eines „Krebsprädispositionssyndroms“ entstehen, das Krebs in seiner Entstehung und seinem Wachstum begünstigt.

Mediziner der Klinik für pädiatrische Hämatologie und Onkologie an der Medizinischen Hochschule Hannover haben auf der Internetseite www.krebs-praedisposition.de Informationen zu 57 verschiedenen Syndromen zusammengestellt und jedes sowohl für Mediziner als auch für Patienten aufbereitet.

Während einige Krebsprädispositionssyndrome mit äußerlichen Auffälligkeiten einhergehen, ist das beim relativ häufigen „Li-Fraumeni-Syndrom“ (LFS, nach seinen Entdeckern Frederick Li und Joseph Fraumeni benannt) nicht der Fall. In diesem bestimmten Fall ist das Gen „TP53“ beschädigt, von dem jeder Mensch zwei Kopien (eine der Mutter und eine des Vaters) in sich trägt. Es hat die Aufgabe, Zellen mit falschen genetischen Informationen zu kontrollieren und sie entweder zu reparieren oder zu zerstören. Ist nur eine TP53-Kopie beschädigt, können sich fehlerhafte Zellen unkontrolliert vermehren, durch die Krebs entsteht.

Bereits in der Kindheit und im jungen Erwachsenenalter ist das Risiko, an Weichteil- und Knochentumoren, Blutkrebs, Hirntumoren, Tumoren der Nebenniere und bei jungen Frauen auch an Brustkrebs zu erkranken, deutlich erhöht. Bis zum 18. Geburtstag haben bereits 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine Krebserkrankung entwickelt, bis zum 70. Lebensjahr sind nahezu alle Menschen mit LFS von mindestens einer Krebserkrankung betroffen.

Die Medizin geht davon aus, dass einer von 5000 Menschen eine Mutation des TP53-Gens in sich trägt. Die wenigsten jedoch wissen von ihrem Li-Fraumeni-Syndrom.

Die Chemotherapie setzte dem Mädchen zu, das so stolz auf seine langen blonden Haare war. Aber der Tumor konnte lange Zeit klein gehalten werden, wodurch Stefanie Ewald, Neele und Nesthäkchen Lenja (3) viele schöne Momente und Zeit zum Abschied gegeben wurden.

Das lange Hoffen auf ein Wunder

Getragen wurde die Familie von einer bespiellosen Anteilnahme nicht nur von Freunden und Bekannten in Hamberge und Lübeck, sondern auch von unzählige Menschen aus der gesamten Bundesrepublik, die den Begriff "Wunderneele" geprägt und mit Aktionen wie "Wunderneeles Aventskalender" sowie auf der Spendenplattform "Gofundme" Geld für die Familie gesammelt hatten. Unter dem Stichwort "Familie Ewald braucht Euch!" kamen bis Mittwoch von fast 12 000 Einzelspendern mehr als 400 000 Euro zusammen.

Als zusätzlich zu Neeles Hirntumor ein bösartiger Knochenkrebs ihrem jungen Körper zusetzte, schwanden jedoch alle Hoffnungen auf ein Wunder. Die Palliativmedizin konnte zuletzt nur noch helfen, Neele die größten Schmerzen zu nehmen. Am 26. Juni konnte die Familie dem todkranken Kind einen langgehegten Wunsch erfüllen – ein letzter Ritt auf einem Pony.

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Zwei Lichtblicke für Stefanie Ewald

Stefanie Ewald, die auch in den sozialen Medien immer offen mit dem Schicksal ihrer Familie umgegangen ist, bleibt der Trost, dass Neele nun keine Schmerzen mehr hat und dass sie – wie Stefanie Ewald dort schreibt – wieder mit ihrem Bruder und ihrem Vater vereint sei. Wie eine Freundin von Stefanie Ewald bestätigt hat, gibt es zwei Lichtblicke: Ihre jüngste Tochter Lenja hat das Li-Fraumeni-Syndrom nicht geerbt, und Stefanie Ewald hat einen neuen Partner gefunden, der sie mit durch diese schwere Zeit tragen wird.

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