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Ahrensburg

Zwei Jahre und drei Monate Haft nach Unfall

Die Autobahn 1 glich einem Trümmerfeld. Mehrere Rettungswagen und Notärzte waren vor Ort.

Die Autobahn 1 glich einem Trümmerfeld. Mehrere Rettungswagen und Notärzte waren vor Ort.

Ahrensburg.Im Verfahren gegen einen 43-jährigen Autofahrer aus Winsen an der Luhe hat das Schöffengericht in Ahrensburg den Angeklagten am Dienstag schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Die Fahrerlaubnis wird eingezogen und darf nicht vor einer Frist von drei Jahren wieder erteilt werden. Zudem muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen.

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Das Schöffengericht Ahrensburg

Das Schöffengericht Ahrensburg

Angeklagter hatte Fahren unter Alkohol und Unfall gestanden

Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn gestanden, im Januar 2017 mit mehr als 2,3 Promille Alkohol im Blut auf der A 1 bei Bad Oldesloe mit seinem Wagen bei Tempo 170 ein Auto gerammt zu haben und danach weiter gefahren zu sein. Kurz darauf raste ein zweites Auto in die Unfallstelle. Zwei Männer, die neben dem unbeleuchteten Unfallfahrzeug standen, starben. Die Anklage wirft dem 43-Jährigen unter anderem fahrlässige Tötung, Unfallflucht und Trunkenheit im Verkehr vor. Vor den Plädoyers sollen zunächst weitere Zeugen und ein Gutachter gehört werden.

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Nach dem Beitrag des Sachverständigen an diesem zweiten Verhandlungstag, der seinerzeit an der Unfallstelle war und akribisch alle Spuren gesichert und den Unfall aufgenommen hatte, waren Staatsanwaltschaft, Verteidiger und die beiden Nebenklägervertreter mit ihren Schlussvorträgen an der Reihe. Weitere Zeugen hatte der Richter und stellvertretender Direktor des Amtsgerichts, Ulf Thiele, nicht mehr geladen.

Opfer wurden beim Unfall über die Fahrbahn katapultiert

Vor den Plädoyers verlas der Vorsitzende die Ergebnisse der Obduktion der beiden tödlich verunglückten Männer. Beide Männer waren bei dem Unfall über die Gegenfahrbahn katapultiert worden und trugen laut Bericht der Rechtsmedizin viele Frakturen und innere Verletzungen davon. Letztlich sind sie noch an der Unfallstelle an ihren massiven und multiplen Verletzungen verblutet.

Richter Ulf Thiele hatte Fragen an den Angeklagten. Der gab an, nach dem Unfall mit seiner Verlobten nicht über den Unfall gesprochen zu haben. Vielmehr habe er versucht, selbst mit der Situation klar zu kommen. Vor seiner Fahrt habe er zwei Flaschen Rotwein getrunken, weil er Streit mit seiner Verlobten gehabt habe.

Er sei seit etwa vier Jahren Quartalstrinker, gab er gegenüber dem Gericht an. Im Jahr 2016 habe er einen dreimonatigen Alkoholentzug stationär gemacht und sei bis heute noch in psychologischer Behandlung. Ebenso werde er von seinem Hausarzt betreut und auf seine Alkoholkrankheit kontrolliert. Sein Anwalt legte ein entsprechendes Attest vor. Auch eine Bescheinigung über eine Schwerbehinderung von 50 Prozent wegen Alkoholkrankheit, seelischer Leiden und Wirbelsäulenschäden legte der Verteidiger vor.

Sein Arbeitgeber wisse weder von seinen Alkoholproblemen noch von dem Grad seiner Schwerbehinderung, gab der Angeklagte sehr kleinlaut zu. Wenn er Alkohol getrunken habe, habe er sich entweder Überstunden freigenommen oder sich krank gemeldet, damit das bei seinem Arbeitgeber nicht auffallen konnte. Ob der Arbeitgeber Kenntnis von dem Unfall oder dem jetzigen Verfahren habe, sagte der Angeklagte nicht.

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Staatsanwalt forderte zwei Jahre und sechs Monate Haft

Staatsanwalt Florian Büchmann forderte in seinem Schlussvortrag zwei Jahre und sechs Monate Haft als Gesamtstrafe. „Sanktionen ja, Bewährung nein“, forderte hingegen Nebenklägeranwalt Henning Jansen. Sollte das Gericht auf eine Bewährungsstrafe erkennen, forderte er dauerhafte Sanktionen bezüglich der Alkoholkrankheit des Angeklagten. Seine Kollegin Gergana Hüttmann legte das Strafmaß in die Hände des Gerichtes, forderte aber eine weitere Sperrfrist für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis von noch drei Jahren. Zudem solle der Angeklagte die Kosten der beiden Nebenkläger übernehmen.

Verteidiger Jan Langhans machte deutlich, dass gegen den Autofahrer, der den zweiten Unfall verursacht hatte, bei dem dann die beiden Männer über die Fahrbahn katapultiert wurden und dann starben, noch nicht einmal ein Verfahren eröffnet worden sei. Mit einer Verurteilung seines Mandanten zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung wäre niemandem geholfen. „Ich beantrage eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Der Angeklagte bedauerte in seinem Schlusswort noch einmal die Tat und entschuldigte sich für sein damaliges Verhalten, mit dem er den Familien der Getöteten unsagbar viel Leid zugefügt habe.

Jens Burmester

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