„Es lebe der König!“: der Erfolg der Sky-Serie „Succession“

Die Protagonisten der Sky-Serie „Succession".

„I fucking win!“, sagt Logan Roy. „Ich gewinne, verdammt!“ Und das, nachdem er seine Söhne und seine Tochter zuvor als „Fußgänger“, „Heuchler“ und Schlimmeres bezeichnet hat. Und seinem Sohn Roman, der ihm gegenüber wagte, das Wort „Liebe“ in den Mund zu nehmen, mit einem Satz voller Hass konterte. Mit Pistolen seien seine Kinder gerade zu ihm vorgedrungen, und als sie festgestellt hätten, dass ihre Pistolen doch nur Würstchen gewesen seien, käme nun die Liebe ins Spiel.

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Auf dem lauschigen italienischen Landsitz des Techmilliardärs Lukas Matsson (Alexander Skarsgard) hat Roy sein Imperium für eine Unsumme verkauft – an seinem Nachwuchs vorbei, der feststellt, dass das sicher geglaubte Veto nicht möglich ist. Fassungslosigkeit im Gesicht von Tochter Siobhan (Susan Snook). Und Logan: „I fucking win!“ Roy steht für König. Der König hat immer gewonnen.

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Sein Darsteller Brian Cox diesmal auch. Der vierschrötige schottische Schauspieler mit den markanten Gesichtsnarben und der beeindruckenden Liste von 235 Rollen (seit 1965 auf der Medienwebsite imdb.de) hat mit HBOs „Succession“, bei Sky streambar, einen späten Volltreffer gelandet. Binnen dreier Staffeln ist „Succession“ (dt. Nachfolge) zu einer der beliebtesten Serien der Welt geworden.

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Auch diese Gestalten schließt man in sein strapazierfähiges Zuschauerherz

Die Saga um das gigantische Medienimperium eines Mannes aus kleinen kaledonischen Verhältnissen erzählt dabei im Grunde nur eine weitere Familiengeschichte aus der Welt der Superreichen – im Grunde nichts anderes als es bei „Dallas“ mit den Ölbaronen der Familie Ewing war. Nur dass der 75-jährige Brian Cox kein comichafter „Har! Har!“-bellender Patriarch der Discounterdespotenmarke J. R. ist und seine Familienbande nicht mit einigen netten Mitgliedern beim Publikum um Zuneigung buhlen darf. Keine Miss Ellie, kein Bobby, keine Pam. Logan Roy ist ein Haifisch mit blutigmäuligen Haifischkindern. Und man hat auf wundersame Weise schon nach wenigen Episoden auch diese sagenhaft normalitätsfremden Antimenschen in sein strapazierfähiges Zuschauerherz geschlossen.

Kennengelernt haben wir die Figur Logan, deren Geschichte nach diversen Aussagen von Serienschöpfer Jesse Armstrong eben doch nicht auf der des wirklichen, ebenfalls als unausstehlich geltenden Medienmoguls Rupert Murdoch gründet, in einer heiklen Situation. In den ersten Minuten der ersten Folge hörte man den massigen Mann ächzen und seufzen und mit vorsichtigen Schritten ein nächtliches Zimmer durchmessen. Dann geht das Licht an, und Logan ist gar nicht auf der Toilette, hat aber schon mit dem Stehpinkeln begonnen. Gegen Ende der ersten Episode scheint er erst komplett verwirrt zu sein, bricht dann zusammen und liegt an Schläuchen im Krankenhaus.

Erst dachte man, Brian Cox sei nur ein Lockvogel

Man dachte da, Cox‘ Auftritt wäre wieder mal so eine Locknummer mit einem vertrauten Darsteller, dessen Figur dann früh abtritt – wie Sean Bean als Nord-Lord Eddard Stark, der schon in der ersten Staffel des Fantasyepos „Game of Thrones“ unter das Beil des Henkers geriet. Aber Logan erhob sich vom Krankenlager und wurde wieder ganz der Alte – ein Firmenimperator, der keine Freundschaft kennt und sogar Söhne opfert. Am Ende der dritten Staffel wirkt Logan vitaler denn je. Ein Macher eben. Und machen macht jung.

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„Succession“ ist ein „success“ bei Zuschauern, die einfach gern in ihnen verschlossene Welten blicken. Und vor allem bei den Kritikern, die sie in die Top Ten der BBC-Liste mit den 100 größten Fernsehserien des 21. Jahrhunderts wählten. Dort steht „Succession“ auf Platz zehn – die einzige Serie in diesen Höhen, die bislang noch nicht abgeschlossen ist. Vor ihr liegen „The Wire“ auf Platz eins und danach „Mad Men“ (2), „Breaking Bad“ (3), „Fleabag“ (4), „Game of Thrones“ (5), „I May Destroy You“ (6), „The Leftovers“ (7), „The Americans“ (8) und „The Office“ (9), hinterdrein folgen auch noch viele Großkaliber – unter anderem „Chernobyl“ (15), „The Crown“ (16), „Sherlock“ (25) und „The Good Wife“ (33).

Man vertraut unter Rezensenten offenbar darauf, dass Serienschöpfer Armstrong („Peep Show“) seine Schöpfung nicht an irgendein Geht-so- oder Geht-gar-nicht-Finale verschleudert, wie das die „Game of Thrones“-Herren Benioff und Weiss taten, deren letzte Staffel zwar noch große Bilder enthielt, aber doch einige enttäuschend brachiale und unplausible Handlungs- und Figurenentwicklungen. Scham falle – wo wir gerade dabei sind – auch auf George R. R. Martin, der sich seine immer noch ausstehenden „Lied von Eis und Feuer“-Romane sonst wohin stecken kann.

Starke Charaktere bekommen elaborierte Dialoge

Ein Grund für den Erfolg – die Dialoge sind großartig: Für die dritte Staffel gab es vom britischen „Telegraph“ fünf Sterne und den Satz „Jede Zeile ist ein Juwel“. Alle „Shakespearschen und Murdoch‘schen Obertöne sind noch intakt“, meinte Brian Lowry von CNN. Auch die Charaktere sind verführerisch: „Nach einem schrecklichen Jahr voller Gekämpfe, voller Unglück und Krankheit ist es irgendwie gerade ein Vergnügen, Zeit mit einigen der übelsten und narzisstischsten Menschen zu verbringen, die je zu Papier gebracht wurden“, schrieb Philippa Snow von „The Independent“ zur aktuellen Staffel.

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Die wir noch einmal kurz vorstellen möchten: Kendall Roy (Jeremy Strong) der an Daddys 80. Geburtstag glaubte, neuer Imperator zu werden an des Imperators Statt und der am empfindlichsten von Logans Entschluss getroffen war, noch fünf, vielleicht sogar zehn Jahre im Amt zu bleiben (spektakulär ist Kens Wutausbruch in Daddys Badezimmer mit ohnmächtigem Wattestäbchenverbiegen). Roman Roy (ein hinreißender Kieran Culkin), der zwar Vorwitz und Wagemut besitzt, aber auch ein Kindskopf ist, was einer Nachfolge im Waystar-Imperium im Wege steht. Siobhan „Shiv“ Roy (Sarah Cook) verfügt zwar über alle Machtinstinkte, ist aber eine Frau. Connor Roy (Alan Ruck), der Halbbruder des vorgenannten Trios, zieht das Leben auf seiner Ranch den Geschäften des Vaters vor, ist zugleich aber notorisch gekränkt über den ihm beigemessenen Außenseiterstatus. Und – last, but not least – Tom Wambsgans („Ripper Street“-Star Matthew Macfadyen), Shivs späterer Ehemann, der seinen Neigungen zu falschem Lachen, betont schlechten Scherzen und –zuletzt – Verrat nachgeht.

Es gab Unterricht im Verhalten der Superreichen

Um authentisch zu wirken, wurde für „Succession“ ein Berater eingestellt, der den Schauspielern das Verhalten und Innenleben superreicher Menschen erklärte. Dass sie keine Geduld haben. Dass sie zynisch reagieren, wenn der potenzielle Schwiegersohn sie darauf hinweist, dass die von ihm zum 80. Geburtstag überreichte Armbanduhr von dem superexklusiven Hersteller namens „XY“ kommt – weil sie sich nicht an materiellen Dingen freuen können.

Oder dass sie immer aufrecht aus einem Hubschrauber steigen, statt geduckt, weil sie – anders als ein Einmal-im-Leben-Passagier, keine Angst haben, der noch kreisende Rotor könne sie enthaupten. Leute wie die Roys bewegen sich eben tagtäglich mit Hubschraubern fort, sie sind für sie so selbstverständlich wie die U-Bahn oder der Bus für normale Menschen.

Auf 35-Millimeter-Filmmaterial gelingen Bilder von Kinoformat

Eine immer wieder auftauchende, berauschend coole Kameraeinstellung ist denn auch die Dreierformation der schwarzen Roy-Helikopter, die zwischen Wolkenkratzern synchron fliegen. Ja, bildschön ist „Succession“ obendrein noch. Was Adam McKay zu danken ist, dem Regisseur der ersten Episode, dessen Kometensatire „Don‘t Look Up“ jüngst bei Netflix startete. Er setzte durch, dass „Succession“ auf 35-Millimeter-Material gedreht wurde statt digital, was der Serie über Geld und Geldmenschen die nötige Grandezza verleiht.

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Und was sogar Geldmenschen vor den Bildschirm lockt: Mick Jaggers Ex, die seit 2016 mit Rupert Murdoch verheiratete Jerry Hall, hat sich als großer Fan von „Succession“ geoutet. Und Elisabeth Murdoch, Tochter des Medienmoguls, fühle sich dem Charakter der Roy-Tochter Siobhan verbunden, war zu hören. Auch sie dürften gespannt sein, wie es nach dem dramatischen Ende von Staffel drei weitergeht.

„Ich bin kein guter Mensch“, hörte man da den jungen Löwen Ken in der bislang letzten Folge, wie ein Kind im Staub der Toskana sitzend, sagen. „Es ist so verdammt einsam. Ich bin total auseinander.“ Der einstige Prinz ist zerbrochen.

Es lebe der König!

„Succession“, bislang drei Staffeln, 29 Folgen, von Jesse Armstrong. Mit Brian Cox, Kieran Culkin, Sarah Snook, Jeremy Strong, Hiam Abbass, Matthew Macfadyen (streambar bei Sky)

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