Das gab’s noch nie in Mittelerde

Frauenpower im Fantasyland: Die Serie „Die Ringe der Macht“ ist ein Fest starker Weiblichkeit

Hauptfigur der neuen Serie: Galadriel (Morfydd Clark) will nicht eher ruhen, bis sie Sauron in die Knie gezwungen hat. In der am 2. September bei Prime Video startenden Fantasyserie „Der Herr der Ringe – Die Ringe der Macht“ spielen Frauen die Hauptrollen – anders als in bisherigen Tolkien-Verfilmungen.

Hauptfigur der neuen Serie: Galadriel (Morfydd Clark) will nicht eher ruhen, bis sie Sauron in die Knie gezwungen hat. In der am 2. September bei Prime Video startenden Fantasyserie „Der Herr der Ringe – Die Ringe der Macht“ spielen Frauen die Hauptrollen – anders als in bisherigen Tolkien-Verfilmungen.

In Mittelerde machten bislang stets die Mannsbilder Rabatz. Bei J. R. R. Tolkien sowieso, der seine Geschichten und Mythen über Mittelerde noch in einer stark patriarchalisch strukturierten Gesellschaft schrieb. Aber auch in den Verfilmungen machten hauptsächlich Kerle von sich reden. Die starke, die Geschehnisse der „Der Herr der Ringe“-Filme mitprägende Galadriel (Cate Blanchett), Elbenfürstin der Noldor und Teleri, spielte in den Verfilmungen von Peter Jackson zwar eine äußerst eindrucksvolle Rolle, war aber nicht Teil der Mission „Ring ins Feuer“.

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Arwen (Liv Tyler), die Tochter von Elrond, des Herrn von Bruchtal, beschwor zwar eine Flut aus Wasserpferden herauf, die die berittenen Ringgeister hinwegspülten. Aber auch sie war nicht unter den „Gefährten“. Und Eowyn (Miranda Otto) war wohl eine bewundernswerte Schildmaid unter den Reitern Rohans, die dann auch den Nazgúl-Chef auf den Pelennor-Feldern tötete. Gemessen an der Gesamtzeit der drei Filme indes zählt auch ihr Part zu den Nebenrollen.

Die Missionen der Jackson-Trilogien übernahmen Kerle

Neun Kerle – vier Hobbits, zwei Menschen, ein Elb, ein Zwerg und Zauberer Gandalf – fügten sich zur rein männlichen „fellowship of the ring“ der drei „Herr der Ringe“-Filme (2001–2003), die dem schrecklichen Sauron die Stirn bot. Noch weit viriler: In den drei „Hobbit“-Filmen (2012–2014) führte ein maskuliner Hobbit die Unglückszahl von 13 Zwergen an, um den bärtigen Bergwerkern beim Rückgewinn ihres Königreich des Einsamen Bergs und ihres vom Drachen Smaug bewachten Schatzes zu helfen. Wiewohl laut Auskunft des „Gefährten“-Zwergs Gimli (John Rhys-Davies) auch Zwerginnen bärtig sind, war Bilbos Schar unzweifelhaft ausnahmslos männlich konnotiert.

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Wohl um ein wenig Frauenpower ins Spiel zu bringen, erfand man die pfeilflinke Elbin Tauriel (Evangeline Lilly), deren am Ende traurige Liebesgeschichte mit Zwerg Kili (Aidan Turner) auch für eine mögliche Versöhnung zwischen den einander nicht wohlgesinnten Völkern Mittelerdes stand. Dennoch war die „Hobbit“-Trilogie eine zutiefst unfeminine Angelegenheit.

Unbestrittene Heldin von „Die Ringe der Macht“: Galadriel

Ganz anders präsentiert sich nun die neue Streamingserie „Der Herr der Ringe – Die Ringe der Macht“, die am morgigen Freitag bei Amazon Prime Video startet. Mit einer Kindheitsszene, die den acht Episoden der ersten Staffel voransteht, wird sogleich die von der liebreizenden Morfydd Clark gespielte Galadriel als Hauptfigur eingeführt. Nicht nur füllt die spätere Herrin von Lothlórien die neue Geschichte mit melancholischen Sätzen („Wir dachten, unser Licht würde nie erlöschen“; „Wir hatten kein Wort für Tod“), auch greift sie zum Schwert, um Mittelerde gegen den Valar Melkor aka Morgoth zu verteidigen.

Als der Krieg vorüber, ihr Bruder tot, das Böse besiegt ist, folgt sie Melors Azubi Sauron, den sie noch am Leben wähnt und den sie bis ans Ende der Welt verfolgen will. Jung-Galadriel ist Tatkraft pur, während die Elbenmänner Elrond (Robert Aramayo), Galadriels Vertrauter, und Hochkönig Gil-Galad (Ben Walker) den nicht auffindbaren Sauron einen guten Mann sein und zurückgelehnt die lang ersehnten Friedensglocken läuten lassen wollen.

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Die aufsässige Galadriel soll für ihre Großtaten mit einem Ticket ohne Rückfahrkarte nach Valinor entsorgt werden. Mit der Entscheidung, die sie daraufhin fällt, stellt sie sich unzweifelhaft in den Mittelpunkt der neuen Saga, die auf den Anhängen Tolkiens zum „Herrn der Ringe“ und den Schriften im „Silmarillion“ beruht.

Ein Mädchen, das anders ist als alle Hobbits

Auch bei den Hobbits wird es diesmal feminin. Hier ist die von allen Nori genannte Elanor Brandyfoot (Markella Kavenagh) die zentrale Gestalt. Während die nomadischen, ihre Ruhe liebenden Harfüße (der größte und – vielleicht – auch älteste der drei Hobbitstämme) still im Verborgenen leben wollen, drängt es die Teeniefrau in die weite Welt. Sie will mehr kennenlernen als das enge Zuhause und sticht so mit ihrem „unhobbitischen“ Verhalten aus der Masse ihres Volks heraus. Nori ist furchtlos, wissbegierig und lästig und folgt eines Tages einer seltsamen Lichterscheinung am Himmel.

Was sie dabei entdeckt und wie sie mit dieser Entdeckung umgeht, qualifiziert auch sie zweifellos dazu, eine zentrale Rolle in der gesamten Serie „Die Ringe der Macht“ einzunehmen.

Durchsetzungsstarke Zwergin, furchtlose Menschenfrau

Bei den Zwergen im ewigen Stein sind zwar offiziell Könige und Prinzen am Ruder. Aber in der Ehe von Durin IV. (Owain Arthur), dem Thronfolger von Khazad-dum, hat eindeutig Prinzessin Disa (Sophia Nomvete) das Sagen. Klar, Zwergenkerle bestreiten die Muskelwettbewerbe in den Minen, sie lassen donnernd-dramatische Worte fallen, mackern herum wie eine amerikanische Harley-Davidson-Gang. Aber die goldäugige Disa hat eine Stimme, die selbst Aretha Franklin begeistern würde, und mit der widerspricht sie so lange, bis der knorrige Knurrgatte Ruhe gibt. In der zweiten Folge gibt sie gleich mal eine Kostprobe ihrer Durchsetzungskraft. Das lässt für die kommenden Episoden (und Staffeln) Großes erwarten.

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Sie hat das letzte Wort in Khazad-Dúm: Prinzessin Disa (Sophia Nomvete) und ihr Gatte, Prinz Durin IV. (Owain Arthur). (Amazon Studios via AP)

Sie hat das letzte Wort in Khazad-Dúm: Prinzessin Disa (Sophia Nomvete) und ihr Gatte, Prinz Durin IV. (Owain Arthur). (Amazon Studios via AP)

Die klassischste Frauenrolle in der Serie hat – einstweilen – die menschliche Heilerin Bronwyn (Nazanin Boniadi), deren Dorf von Elben beaufsichtigt wird, damit sich seine Bewohner nicht erneut mit dem Bösen verbandeln. Die alleinerziehende Mutter des Jungen Theo (Tyroe Muhafidin) erscheint als Grundsteinlegerin für ein Multikulti-Mittelerde, denn alles läuft auf eine Beziehung mit dem melancholischen schwarzen Elbenwächter Arondir hinaus. Allerdings fällt Bronwyn keineswegs in Ohnmacht, wenn Monster ihre Wege kreuzen. Eine Frau mit Verstand, Herz und Mut: Sollte es im Verlauf der Serie zu einer „Gefährtinnen“-Konstellation kommen – Bronwyn wäre an Bord.

Ein „Game of Thrones“-Autor ist im „Ringe“-Team

Ob die neuen „Herr der Ringe“-Macher Patrick McKay und JD Payne, beide aus dem US-Bundesstaat Virginia, von der anderen großen Fantasy-Saga „Game of Thrones“ (2011–2019) gelernt haben? Immerhin befindet sich mit Bryan Cogman einer der „GoT“-Autoren im Team. In der HBO-Serie nach den „Lied von Eis und Feuer“-Romanen George R. R. Martins wurde ja von Beginn der acht Staffeln an auf eine weibliche Hauptfigur gesetzt.

Daenerys Targaryen (Emilia Clarke), die verfolgte Ahnin der lange dominanten, indes vertriebenen Herrscherdynastie auf dem Fantasykontinent Westeros, beließ es nicht dabei, sich in die Rolle einer vom eigenen Bruder an einen Barbarenhäuptling verkauften Braut zu fügen. Als Drachenreiterin und unbestechliche Gerechte wurde sie der unerreichte Liebling der „GoT“-Fan-Heerscharen auf der ganzen Welt, bis sie zum Schluss von den Serienschöpfern David Benioff und D. B. Weiss, die es leider allzu eilig hatten, zu „Star Wars“-Machern zu werden, Hals über Kopf und völlig unpassend an den sogenannten Targaryen-Wahnsinn verraten wurde.

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„GoT“ hatte reihenweise unvergessliche Frauengestalten

Auch sonst hatte „GoT“ bezwingende Frauenrollen: Lena Headey spielte die zunehmend böser werdende Hochadelige und spätere Königin Cersei Lennister. Arya Stark (Maisie Williams) und später auch ihre anfangs gezierte Schwester Sansa (Sophie Turner), Töchter des hingerichteten Nordherrschers Eddard Stark, erlebten Unüberlebbares und wuchsen zu bedeutenden Heldinnen der Serie. Nicht zu vergessen Brienne von Tarth (Gwendoline Christie), die als Ritterin wagemutiger und vor allem edler war als alle gleichermaßen gerüsteten Typen in Westeros.

Mächtig war die Zauberin Melisandre (Carice van Houten), streng und unerbittlich Catelyn Stark, die Herrin von Winterfell (Michelle Fairley), keck und flink mit dem Bogen das Wildlingsmädchen Ygritte (Rose Leslie) und es besteht auch kein Zweifel, dass Asha Graufreud (Gemma Whelan) die Härteste unter den rauen Leuten von den Eiseninseln war. Last, but not least seien noch die lächelnde Intriganz von Margaery Tyrell (Natalie Dormer) und ihrer dialogscharfen Großmutter Olenna erwähnt. Mit jener Rolle rundete die als Emma Peel in der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ (1965–1968) bekannt gewordene Diana Rigg ihre Karriere superb ab.

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Von „GoT“ lernen heißt siegen lernen. Angeblich soll es erstmals in einer auf Tolkien gründenden Geschichte auch Orkinnen geben. Man ist gespannt. Und findet nur schade, dass im Zweiten Zeitalter alles so wunderbar fraulich wirkt, während im Dritten Zeitalter, in dem Peter Jacksons Filmtrilogien spielen, die Emanzipation wieder stark auf dem Rückmarsch ist.

Wie wär’s mit einer Zauberin in „Die Ringe der Macht“?

Was in „Die Ringe der Macht“ noch fehlt? Eigentlich nur noch eine Gandalfine. Oder dass sich Sauron am Ende als Frau herausstellt. Offiziell gilt der anfangs als Mairon bekannt gewordene Heerführer Melkors ja als Mann. Aber wir lassen uns gern überraschen. In den Verfilmungen war Sauron bislang nur in Rüstung und Helm zu sehen oder aber körperlos als böses, allsehendes Auge. Alles ist möglich im neuen Mittelerde der Frauenpower. Auch der liebe Gott wurde stets als Mann beschrieben.

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Bis er in Kevin Smiths Fantasyfilm „Dogma“ (1999) dann plötzlich aussah wie Alanis Morissette.

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