Für die Jukebox zu Hause

Neue Alben von OK Kid, Husten, Arcade Fire, Florence & The Machine, Rolling Stones und anderen

Euphorisierende Songs: Heute (13. Mai) veröffetlicht Florence Welch das neue Album „Dance Fever“ ihrer Band Florence & The Machine,

Morgen steigt das große Fest der Musik. Tja, und trotz des offiziellen Hamsteraufrufs, sich für 14 Tage zu bevorraten – Chakalaka-Chips gabs noch im Supermarkt. Aus den Tüten wird morgen abend beim ESC die Luft rausgelassen. Der Song „Stephania“ vom ukrainischen Kalush Orchestra erfreut mit dem Tirili einer jethrotulligen Querflöte und wird – so tippt nicht nur mein Kollege und ESC-Experte Imre – auch der Song-Contest-Sieger der Herzen sein. So ist es diesmal wie in der Bundesliga alle Jahre – die eigentliche Preisfrage ist, wer Zweiter wird hinter Bayern München. Unser Herzenssong ist der von dem Typen, „der seine Schultern an den Sternen“ reibt – Sam Ryder aus Britannia, dessen im Falsett gesungener „Space Man“ ein wenig an Elton Johns „Rocket Man“ erinnert. Die Herzensplatten dieser Woche folgen hier.

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Husten – der wohlige Bandpop des Gisbert zu Knyphausen

Lieder von Gisbert zu Kyphausen kann man fühlen, riechen, schmecken. Die Ballade „Am Ende der Stadt steht ein gelbes Haus“ ist wieder so ein herrlich begehbares Lied, man bleibt staunend vor dem „Spiegel“ stehen, „dem keiner mehr glaubt“. Das Haus mit der freundlichen Farbe ist der Gegenentwurf zur giftigen Draußenwelt, da würde man auch gerne mal hin derzeit, und wenn der letzte Ton verklungen ist und die Platte am Ende, drückt man auf Repeat und legt wieder mit dem kammermusikalischen „Weit leuchten die Felder“ los, das mit einem Herzschlag als Rhythmus und seufzenden Streichern beginnt und von einem angeworfenen Defibrillator erzählt und dem Licht einer Nahtoderfahrung. Gisbert zu Knyphausen, der Ungekrönte unter den deutschen Liedermachern, Moses Schneider (Produzent unter anderem von Tocotronic) und Tobias Friedrich (bekannt auch als Der dünne Mann) erzeugen nach vier EPs auf ihrem ersten Album regelrecht Sehnsucht nach Husten.

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So heißt etwas ungesund die 2016 gegründete Band, die den allerwohligsten deutschsprachigen Indiepoprock anbietet, der derzeit zu haben ist. Im schrammelnden Midtempostück „Manchmal träum ich von Träumen“ vergleicht Knyphausen manche Tage mit einem schlechten Gedicht, das er trotzdem mit allen Ungereimtheiten hören wolle, „denn noch das furchtbarste Gedicht ist ein Gedicht“. Der Marschbeat von „Ja im Sinne von Nein“ macht Tanzlust. Und das traurigschöne „Dasein“, das Knyphausen mit Sophie Hunger zu einer dunkel twangenden Gitarre singt, ist so eins von den zauberischen Duetten, die man sich nach dem Abstellen des Defibrillators als Soundtrack für den eigenen Weg ins Licht wünscht, dann, wenn man selbst nicht mehr da ist.

Husten – „Aus allen Nähten“ (Kapitän Platte)

Auf dem Hausboot von OK Kid geht das Abschiedsfest schief

Ein Junggesellenabschied auf dem „Hausboot am See“ – ein Idyll à la Peter Fox liefert der OK-Kid-Song aber nur zu Beginn: Viel Bier, viel Wodka, rote Gauloises – eine Feier auf die alte Freundschaft soll steigen. Und: Leinen los! George Michael und The Smiths werden an Bord gespielt, und dann erinnert der Protagonist des Songs daran, dass Smiths-Sänger Morrissey eben auch ein Rassist sei. Es wird im Folgenden ein Fest der zerbrechenden Gewissheiten, ein Song darüber, dass Musik und Alkohol nicht ausreichend Gemeinsamkeit stiften können, wenn‘s in Sachen Weltanschauung auseinanderdriftet und der gute Kumpel plötzlich der Ausgrenzung und dem Fremdenhass das Wort redet. „Die Sonne geht unter und wir alle mit“ leitet Jonas Schubert in dieser Rap-Ballade schließlich zu einem Gewaltausbruch über, der an die Ermordung des Schwarzen George Floyd in Philadelphia erinnert: „I can‘t breathe …“

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Die bürgerliche Mitte wird weiter von Rechts vereinnahmt (auch wenn‘s jetzt in Schleswig-Holstein schiefging für die AfD) – das ist auch beim „Drei“ betitelten vierten Longplayer der vor 16 Jahren in Gießen gegründeten Band ein Album durchwirkendes Thema. Im zeitgeistigen Elektropopstück „Kein Mensch“ (mit jazzigem Saxofonsolo) bricht sich der ganze Zorn auf jene Zeitgenossen Bahn, bei denen die Angst vor Wohlstandseinbußen jedwede Empathie für jene Menschen auflöst, für die es um die pure Existenz geht, der Zorn auch auf die, die den Klimawandel ignorieren und auf die, denen in der Pandemie die eigene Freiheit vor dem Leben der anderen geht. Da kann Schubert nicht mehr und wird grob: „Wenn das, was ihr seid, wirklich Mensch sein soll / will ich keiner mehr sein“. Und: „Was ist das, was ich tue, eigentlich wert?“ fragt er in „Frühling Winter“. Naja: Viel, sehr viel sogar.

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OK Kid – „Drei“ (OK Kid Records)

Die Gebrüder Landreth entdecken den Soul

„Drive All Night“ ist so ein Lied, das Mann in sentimentaler Stimmung über die Liebste schreibt: Dass er, wenn er mit ihr Händchen hält, mühelos und ermüdungsfrei durch die ganze Nacht fahren könnte. Textlich ist es keine allzu tiefe Schürferei, das übliche „würden wir ewig leben / wäre das immer noch nicht genug Zeit“ oder „wenn da Dunkelheit ist / dann scheinst du, Honig (im Sinn von Liebling)“. Perfekt für drei Minuten (Alternative) Country, dem die Bros. Landreth seit 2013 zugerechnet werden. Aber mit seinem sphärischen Intro und dem E-Gitarrensolo ist der Sechsminüter (leichte melodische Ähnlichkeit zu U2s „I Still Haven‘t Found ...“) eine ähnliche Brücke in eine mögliche musikalische Zukunft wie es einst „Hotel California“ für die Eagles war. Die Brüder Joey (Gitarre, Gesang) und David Landreth (Bass, Gesang) und ihre Begleitmusiker aus dem kanadischen Winnipeg veröffentlichen nach „Let It Lie“ (2013) und „`87″ (2019) ihr drittes Album „Come Morning“ ist eine pure Schönheit, eine Scheibe für die Hoffnung, ein Sinnieren über den immer möglichen Neubeginn. Der Morgen nach der bangen Nacht ist für jeden etwas anderes, für die Landreths die Zeit nach dem Alkohol, dem sie abgeschworen haben.

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Musikalisch haben die Brüder beide Hände am Lenkrad. Noch so ein aus der Reihe fallender Edelsong ist „Corduroy“ mit warmen Backgroundgesängen, einem Rockgitarrensolo am Ende, das einen an Steely Dan denken lässt. Vom schlendernden Opener „Stay“ bis zur Abschlussballade „Back To Thee“ fällt die Liebe der Landreths zum Soul auf, zu Falsettgesängen und dezenten Grooves. Ferner eine Liebe zu allerhand Sounds, die auch einen zarten Countrysong wie „Shame“ zu etwas Besonderem machen. Klingt die Sologitarre da nicht verflixt nach Mark Knopfler?

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The Bros. Landreth – „Come Morning“ (Birthday Cake Records)

Sie können auch funky – Die Black Keys bitten zum Tanz

Auch die Black Keys herzen heuer die Black Music. War es auf dem letzten, erst vor exakt 364 Tagen erschienenen Album „Delta Kream“ der Blues (und Country), dem sie frönten, so sind Dan Auerbach und Patrick Carney auf „Dropout Boogie“ im Boogie Wonderland des Funk angekommen – groovender als beim Song „It Ain‘t Over“ waren die Alternative (Blues-)rocker aus Akron, Ohio, jedenfalls nie. In „For the Love of Money“ steckt zwar auch der gute alte Blues, verkratzt eine Gitarre den Song fuzzy, aber man will dazu tanzen – und als Tanzbodenmagneten sind uns die beiden neu. „How Long?“ – man will sich reinhängen.

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Rock‘n‘Roll? Gibt‘s auch. „Burn The Damn Thing Down“ und „Your Team Is Looking Good“ sind grollende, cool-monotone Rumpelrocker, die ein bisschen an ZZ Top erinnern. Deren Gitarrist Billy Gibbons ist Gast auf der Bluesrockwalze „Good Love“. „Didn‘t I Love You?“ wird der Hörer zum Schluss zu einem knarzenden Blus befragt. Nun, wir haben uns doch überhaupt nicht beschwert.

The Black Keys – „Dropout Boogie“ (Nonesuch Records)

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Delbert McClinton versteht sich als Retter alter Songs

Was man von Delbert McClinton weiß? Dass er John Lennon auf einer Englandtour mit Bruce Channel die Harp gelehrt haben soll, was oft zu lesen war und was – das soll hier erwähnt sein – gar nicht stimmt. Ferner, was wahr ist, dass er in äußerst unregelmäßigen Abständen einige großartige Platten herausgebracht hat – voran das R‘n‘B-Goldstück „Plain‘ From The Heart“ (1981), aber trotz mächtig Talent als Sänger, Musiker und Songwriter nie den verdienten Sprung nach oben schaffte. Mit „Outdated Emotion“ erfüllt sich der inzwischen 81-Jährige Sänger aus Fort Worth, Texas, einen persönlichen Wunsch und nimmt seine Lieblingssongs auf. Und obwohl man weder von „Long Tall Sally“ (Little Richard) noch von „Stagger Lee“ (bekannteste Adaption von Lloyd Price) noch eine weitere Rock‘n‘Roll-Version gebraucht hätte, muss man doch einräumen, dass der alte Herr seine Sache gut macht.

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Blues mit Druck („The Sun Is Shining“, „I Ain‘t Got You“, „Ain‘t That Loving You“) oder lässig-jazzig zum Fingerschnippen („Connecticut Blues“, „Hard-Hearted Hannah“) und einiges an Country („Move It on over“, „Two Step Too“) liefert der Mann, dessen Stimme wahlweise nach coolem Kater oder Straßenköter klingen kann. McClinton swingt sich mit versierten Begleitmusikern durch Amos Milburns Säufermondballade „One Scotch, One Bourbon, One Beer“ und serviert Hank Williams‘ „Jambalaya“ nach der traditionellen Cajun-Rezeptur. Die hehre Mission: Er will mit seinen Aufnahmen das Überleben dieser Songs sichern: „Es gibt eine ganze Generation, vielleicht zwei Generationen, die diese Musik nicht kennt.“ Mit diesem Text wollen wir dabei helfen, denn es gibt auch ein, zwei Generationen die den McClinton nicht (mehr) kennen.

Delbert McClinton – „Outdated Emotion“ (Hot Shot Records)

Die Waterboys auf der Suche nach der Rose

„Wo werde ich wandern, mich wundern? / Niemand kann das wissen / Aber wohin ich auch gehe, bin ich / auf der Suche nach einer Rose.“ Auf Englisch klingen diese Zeilen, mit denen der Schotte Mike Scott 1990 das Album „Room to Roam“ seiner Waterboys eröffnete, noch viel zauberhafter und romantischer. Vieles ist in die „Search of A Rose“ hineindeutbar, aber vor allem verweist sie auf den perfekten Song, den romantische Musiker immer zu finden hoffen. Ob Scott ihn für „All Souls Hill“, dem neuen Werk der 1983 in Edinburgh gegründeten, in jüngeren Jahren wieder enorm fleißigen Band, gefunden hat?

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Ein Jahr vor dem 40. Jahrestag kehrt Scott nicht wirklich zu den Rockleisten der Waterboys zurück. Auf dem neuen Album, das ohne seinen langjährigen Weggefährten, den Fiedler Steve Wickham, entstand, behält er weiterhin elektronische Elemente der Blues- und R&B-verschriebenen vorangegangenen Albumtrilogie „Out of All This Blue“ (2017). „Where The Action Is“ (2019) und „Good Luck, Seeker“ (2020) bei. Der Titelsong klingt wie ein Bond-Song, das politische „The Liar“, eine verspätete (oder verfrühte) Anti-Trump-Tirade wie noch einer, „Here We Go Again“ (mit der Behauptung „it‘s all the same song“) wie ein rumpeliger Bond-Song à la Bob Dylan und das halb gesprochene „Hollywood Hills“ wie von ein von einem ramponierten Muli gezogener Dylan-Song (klingt jetzt nicht so, ist aber als Kompliment gemeint). Hier lässt der große, im Vorjahr verstorbene Saxofonist Pee Wee Ellis sein Instrument noch einmal strahlen. Im schlendernden Cover des Countryfolkklassikers „Passing Through“ stellt sich Scott dann an die Seite des von einem Polizisten getöteten George Floyd und lässt sich dabei von einem Gospelchor begleiten. Neun Minuten über eine Welt, deren Menschen einander Wölfe sind – eine langstielige, durchaus dornenreiche Rose.

The Waterboys – „All Souls Hill“ (Cooking Vinyl/The Orchard/Indigo)

Das dezente Tanzfieber von Florence + The Machine

„Free“ heißt der wildherzige Song und ist eine rasante, flüsternde Elektroachterbahn. In den wildesten Auf-und-Ab-Zeiten des Lebens, so versichert die Sängerin sind es die Musik und der Beat, die im Moment, in dem sie sich in Tanz verwandeln, frei machen. Volle Energie! „Klug zu sein, hat mich nie weit gebracht“, klagt Florence Welch und „ich bin immer vor etwas weggerannt“. Aber jetzt nicht mehr. Jetzt. Nicht. Mehr. Und im Video wird die 35-Jährige von einem wieder mal hinreißend stoischen Bill Nighy, dem Weihnachtsrocker aus „Tatsächlich ... Liebe“, unterstützt, der ihre Angst verkörpert.

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Dass das Leben ein zuweilen nicht zu ertragendes Wechselbad ist, tritt schon im ersten Song „King“ zutage. Die Küchentischthemen („Kind oder nicht?“, „Ende der Welt nah?“, „Kunst – wirklich so viel wert?“) wechseln bis zur Bedeutungslosigkeit. Am Ende aller klassischen weiblichen Rollen und zugewiesenen Plätze aber sei sie König, das sagt Florence all den männlichen Sollipsisten der Welt, die „in den Krieg ziehen müssten, um Material für Songs zu finden“. „Dance Fever“ heißt das fünfte Album von Florence & The Machine, und ja, man kann sich prima bewegen zu „My Love“ und „Choreomania“ und auch sonst. Aber man fühlt sich von Produzent David Bayley nie dazu gezwungen. Der Groove ist unaufdringlich, die Beats sind wie Butter, bei der Stimme denkt man an die Bittersüße einer Emmylou Harris. Schöne Songs, wahre Euphorisiaka.

Florence + The Machine – „Dance Fever“ (Universal)

Arcade Fire über das Zeitalter der Beklemmung

Das Zeitalter der Verängstigung, der Beklemmung besingt Win Butler im Opener „Age of Anxiety I“ gerade zur rechten Zeit. Nie war es wichtiger, dieses in unruhigen Zeiten beruhigende Gefühl von Gemeinschaft, und Arcade Fires Album stiftet dem Hörer genau das. Es heißt „We“, basiert auf einem 100 Jahre alten dystopischen Roman des russischen Autors Jewgenij Samjatin und ist für uns gemacht, eins zum Hören und Tanzen, eins über die Sehnsucht nach Erleuchtung und die apokalyptischer denn je anmutenden Zeiten. Es ist nicht die Rückkehr zu synthetikfreier Musik, aber das Elektronische ist wirkungsvoller gesetzt als zuletzt. Butler und seine Ehefrau Régine Chassagne werfen zu „Rabbithole“, dem zweiten Teil von „Age of Anxiety“, die Disco wieder an, die sie auf „Reflektor“ (2013) eröffnet hatten.

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Wie klassische Progrockbands von Pink Floyd über Yes bis zu Marillion teilen Arcade Fire 18 Jahre nach dem Debüt die Songs dieses Lebensmittealbums in mehrere „Kapitel“ auf. Die Uptempo-Hymne „The Lightning“, das folkig anhebende, elektronisch sich fortsetzende „Unconditional“ (mit Peter Gabriel als Gastsänger) haben je zwei Parts, das bombastisch eröffnende, schwelgerisch beatleske mit einem heiser flüsternden Saxofon geschmückte „End of the Empire“ über die amerikanische Götterdämmerung gar vier. Komponiert wurde die ganze Majestät mit ihrem akustischen Kumulusgewölk und der gelegentlichen Windstille von den beiden Songwritern daheim in New Orleans an der Gitarre und dem Klavier. Das Ergebnis wünscht man sich – anders als es bei den beiden Vorgängern der Fall war – auf der Bühne zu sehen, wo man „We“ von A bis Z lauthals mitsingen wird.

Arcade Fire – „We“ (Columbia)

In der Zeitmaschine mit den Rolling Stones

Seite drei des Doppelalbums „Love You Live“ (1977) der Rolling Stones wurde im El Mocambo aufgenommen, Torontos legendärem Latin-Live-Schuppen. Dort gaben die Briten im Frühjahr 1977 unter dem Fake-Bandnamen The Cockroaches zwei Clubkonzerte. Jetzt gibt es den kompletten zweiten Auftritt vom 5. März (dazu drei Aufnahmen vom ersten Gig tags zuvor) für zu Hause. Überraschend ist die Setlist nicht, aber immerhin erfreut sich der Hörer einer Liveversion von „Route 66″, dem ersten Song auf dem allerersten Album der Stones. Und Big Maceo Merriweathers „Worried Life Blues“ war ebenfalls im Programm damals. Wer auf Liveproben von ihm Jahr darauf erschienenen (großartigen) „Some Girls“-Album wartet, der geht leer aus. Überraschend aber findet sich eine sehr lange Version von „Worried About You“, das erst 1981 auf „Tattoo You“ herauskam, dem letzten der wahrhaft großen Stones-Alben.

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Dafür wird einiges von „Black and Blue“ gereicht, der damals aktuellen Studioscheibe, auf der Mick Jagger, Keith Richards & Co. mit funkigen Strukturen und Reggae rüberkamen. Der Großteil der Songs entstammt den Alben seit „Beggar‘s Banquet“ (1968), mit denen man zur führenden Rockband der Siebzigerjahre aufstieg. Wer sich seufzend der Pop-Stones erinnert, die von 1964 bis 1967 in Konkurrenz zu den Beatles getreten waren, wird mit „Let‘s Spend The Night Together“ abgefertigt. Eine „Give the people, what they want“-Band mit verlässlichem „Satisfaction“ vor den Zugaben waren die Rolling Stones damals noch nicht.

The Rolling Stones – „El Mocambo 1977″ (Rolling Stones Records/Universal)

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