Bei „Markus Lanz“

Precht und Welzer attackieren Studio-Gäste: „Macht keinen Sinn, mit Ihnen zu reden“

"Es macht keinen Sinn, mit Ihnen zu reden", fuhr Richard David Precht die "Spiegel"-Journalistin Melanie Amman an.

"Es macht keinen Sinn, mit Ihnen zu reden", fuhr Richard David Precht die "Spiegel"-Journalistin Melanie Amman an.

Es sind Vorwürfe, mit denen die Leitmedien in Zeiten der Krise häufig konfrontiert werden: vermeintlich einseitige Berichterstattung und unausgewogene Meinungsmache. Der Philosoph Richard David Precht und der Sozialpsychologe Harald Welzer haben über ihre Diskurswahrnehmung nun ein Buch geschrieben: Es trägt den Titel „Die vierte Gewalt – Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist“ und wird seit Tagen – wie könnte es anders sein? – kontrovers diskutiert.

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Auch die RND-Hauptstadtkorrespondenten Andreas Niesmann und Steven Geyer debattierten mit dem Autoren-Duo in ihrem Podcast „Geyer & Niesmann“ über ihre Thesen. In dieser Woche setzen sie die Diskussion in der zweiten Folge zum Thema fort.

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In der Donnerstagsausgabe der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ sorgten die Thesen aus dem Buch abermals für heftige Diskussionen. Dabei gerieten selbst die eigentlich guten Freunde Precht und Lanz zeitweise aneinander.

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Doch bevor es so weit kam, waren es zunächst einmal die eingeladenen Journalisten, Melanie Amann vom „Spiegel“ und Robin Alexander von der „Welt“, die ihren Berufsstand verteidigten: „Wir plappern der Regierung nach, wir sind zu nah an der Regierung“, griff Alexander zwei der im Buch geäußerten Vorwürfe auf, um sie anschließend zu widerlegen. Doch noch ehe er seine Argumente zu Ende führen konnte, wurde er von Precht bereits korrigiert: „Nee, steht nicht im Buch“, sagte der. Vielmehr hätten sich Journalisten und Politiker nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine innerhalb sehr kurzer Zeit „auf ein Narrativ geeinigt“. Dies sei „ein ganz feiner Unterschied, auf den es ankommt“.

Precht beklagt die „unglaubliche Einhelligkeit“ in der deutschen Presselandschaft

Alexander ließ jedoch nicht locker. Ein anderer Vorwurf laute, Journalisten trieben die Regierung durch Moralisieren zu Dingen, die eigentlich gar nicht gut seien: „Ich glaube, beide Dinge schließen sich denklogisch aus“, meinte der „Welt“-Reporter. „Entweder haben wir uns mit Scholz geeinigt, oder wir treiben Scholz zu etwas, was er gar nicht will.“ Precht hielt dagegen: „Wir haben nicht gesagt: Die Medien setzen sich mit der Regierung zusammen und dann klüngelt man mal: Was nehmen wir denn für ein Narrativ und worauf einigen wir uns?“ Stattdessen beschreibe das Buch „einen sozialpsychologischen Prozess in einer Situation, wo niemand genau weiß, was man denn als Nächstes tun soll“.

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Dabei käme es - so Precht weiter - „relativ schnell zu einer Angleichung der Positionen in der Politik und in den Medien“. Es gehe auch nicht darum, „dass man jede Position der Ukraine übernimmt“. Die Presse habe aber „die meisten Forderungen der Ukrainer im Hinblick auf Lieferung schwerer Waffen ziemlich eins zu eins übernommen“. Es gebe eine „unglaubliche Einhelligkeit“ in der deutschen Presselandschaft und „ein enormes Übergewicht einer bestimmten Positionierung“, das werde „die empirische Medienforschung deutlich beweisen“.

Der „Spiegel“-Journalistin Melanie Amann fehlte jedoch eben jene empirische Forschung: Die Autoren hätten „nicht systematisch ausgewertet, wie wir über den Krieg berichtet haben“, sondern nur „beschrieben, wie sie wahrnehmen, wie wir über den Krieg berichtet haben“, kritisierte sie. Das Buch, so monierte sie weiter, sei wie „ein geschriebener Podcast, in dem mal dargestellt wird, wie die Welt so wahrgenommen wird“. Empirische Untersuchungen zur Ukraine-Berichterstattung seien erst noch in Arbeit, sie würden im Dezember erscheinen, verteidigte sich Welzer, woraufhin Amann süffisant kommentierte: „Hätte man abwarten können, muss man aber nicht.“

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„Es macht keinen Sinn, mit Ihnen zu reden“

Der Ton wurde im Verlauf der Sendung immer gereizter: „Welt“-Vize Robin Alexander kritisierte den Vorwurf der „Selbstangleichung“ der Medien, wie es in der Presseankündigung zum Buch hieß: Als Gegenbeispiel benannte er vier unterschiedliche Meinungsstücke aus seinem Blatt. „Sie haben aus 1.000 Artikeln vier Ausnahmen gefunden und sind auch noch stolz darauf“, ätzte Precht. Dann geriet auch noch der Gastgeber Markus Lanz ins Visier: „Das Argument, es würde so divers argumentiert, haben wir in allen Redaktionen so auch gehört“, sagte Welzer: „Nur was im Ergebnis hinterher rauskommt, ist leider viel weniger divers, als es notwendig wäre.“ Skeptiker gegenüber Waffenlieferungen seien in Talkshows stets in der Minderheit gewesen.

Lanz sah die Schuld dafür jedoch bei anderen: „Es gab diesen offenen Brief in der Emma: 26 Erstunterzeichner. Wir haben elf davon angefragt.“ Doch nur fünf hätten zugesagt. „Warum wohl?“, entgegnete Precht: „Weil sie wissen, dass sie als Einziger in dieser Runde sitzen gegen drei oder manchmal vier andere und diese Position verteidigen müssen.“ Der Rechtsphilosoph Reinhard Merkel habe „ungefähr 50 bis 60 Prozent Redeanteil“ in seiner Sendung bekommen, hielt Lanz mit einem Beispiel aus seinem eigenen ZDF-Talk dagegen. „Haben Sie die Sendung mal angeguckt?“, warf Welzer ein und trieb den Gastgeber an den Rand der Verzweiflung: „Was heißt, hab‘ ich die Sendung gesehen, ich war dabei!“, wies Lanz auf Offensichtliches hin. Das sei „kein guter Ausgangspunkt, um etwas zu beobachten“, entgegnete der Sozialpsychologe.

Am Ende schien niemand so richtig glücklich mit dem Verlauf der Sendung zu sein: „Es macht keinen Sinn, mit Ihnen zu reden“, fuhr etwa Richard David Precht die Journalistin Melanie Amman rüde an: „Sie behaupten mit einer beharrlichen Penetranz Dinge, die gar nicht im Buch stehen.“

RND/Teleschau

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