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Samurai mit Lichtschwert: „Star Wars: Visions“ verpasst den Jedi-Rittern einen Anime-Look

Untypisch für einen Jedi: Der geheimnisvolle Fremde in „Das Duell“ hat ein Lichtschwert mit roter (böser) Klinge.

Der erste Blick der Kamera gehört wie immer dem Sternenhimmel. Dann senkt sie sich auf einen zerklüfteten Mond, der fast den Grat einer Bergkette zu streifen scheint. Ein Dorf wird sichtbar, ein Mann steigt aus den Hügeln hinab. Noch könnte diese Szenerie überall spielen. Doch der Wanderer wird von einem bliependen Robot begleitet, dessen Mülleimergestalt auch unter dem Strohhut eine R2-Einheit erkennen lässt. Wir sind in „Star Wars: Visions“ – einem Projekt, mit dem Lucasfilm die japanischen Wurzeln der Film- und Seriensaga ehrt.

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Sieben Animestudios haben bis zu 20 Minuten lange Animationsfilme gedreht. Den aufregendsten, der zugleich am realistischsten unter den Neunen anmutet, gibt es gleich zu Beginn. Das Studio Kamikaze Douga erzählt in „Das Duell“ eine Geschichte, wie sie einst dem japanischen Regiemeister Akira Kurosawa eingefallen sein könnte. Ein Fremder kommt in eine märchenhaft alt wirkende japanische Siedlung.

Kommt ein geheimnisvoller Fremder ins Dorf …

Dem Äußeren nach ist der Mann ein Samurai, im Kontext der „Star Wars“-Saga ist er wohl ein Jedi. Dafür spricht auch der Knauf eines Lichtschwerts, das er mit sich führt. Doch als er es führen muss, schnappt ein roter Strahl aus dem Heft – die Klingenfarbe der dunklen Seite der Macht. Der Fremde ist, was Fremde in solchen Geschichten sein müssen: geheimnisvoll.

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Schwarz-weiß ist diese kleine Geschichte über den Beistand des Kriegers für die friedlichen Dorfleute gegen eine räuberische Übermacht – durchwirkt von kleinen Farbtupfern, die von den diversen Lichtquellen gesetzt werden. Imperiale Truppen rollen in einem gepanzerten Fahrzeug durch die Stadt, um Steuern einzutreiben, angeführt werden die Steuereintreiber von einer Sith-Lady, die ihrem Widersacher tatsächlich auf hochhackigen Schuhen entgegentritt.

Ein Lichtschwert im Geisha-Stil

„Es ist lange her, dass ich einen Jedi getötet habe“, ruft die Kriegerin (vielleicht etwas voreilig) und vermag ihre Lichtklinge ganz spektakulär achtfach zu teilen, sodass sie anmutet wie der rotierende Schirm einer Geisha – nur viel viel tödlicher. Natürlich siegt in den Sternenmärchen das Gute. Gefragt nach seinem Namen, schweigt der Ronin, der „Umherwandernde“, wie ihn ein Dorfbewohner anspricht. Er zieht weiter, wahrscheinlich in andere Täler mit ähnlichen Problemen. Unruhige Zeiten …

Die Kampfszenen hier erinnern an das klassische japanische Martial-Arts-Kino der Sechzigerjahre und sind zugleich klassische „Star Wars“-Choreografien. Die Geschichten sind im Kern ernst, doch nicht ohne Witz. In „Akakiri“ aus dem Haus Science Saru sind zwei clownesk kichernde Bauern die Lachnummern an der Seite des Jedi Subaki, der Unterstützung sucht für seinen Kampf gegen die Sith Masaga. Wobei ihm schließlich auch die beiden vermeintlichen Trottel helfen.

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Japanisch sind in diesen Streifen nicht nur die Landschaften und ihre Vegetation, nicht nur die Architektur, die Kleidung, das Gebaren der Charaktere. Sogar die Filmmusik mischt klassische Star-Wars-Klänge der John-Williams-Schule mit japanischen Instrumenten und Chorstimmen.

Und mit Rock ’n’ Roll. Die ungewöhnlichste Story unter den neun „Visions“ ist die „Tatooine Rhapsody“ aus dem Tokioter Studio Colorido. Erzählt wird die Geschichte der Rockgruppe Starweaver, deren Bassist von der Bühne weg verhaftet wird. Nach der Musketier-Losung „Einer für alle und alle für einen“ beschließt die Band, ihren gefangenen Mann im Stadion von Tatooine freizurocken. Und am Ende wippen sogar der hundsgemeine Despot Jabba der Hutte und sein unbestechlicher Kopfgeldjäger Boba Fett im Rhythmus. Mit dem Auftritt der beiden Kultfiguren aus der Ur-Filmtrilogie docken die „Visions“ am Kanon an.

Toshiro Mifune, Japans Samuraistar aus den Kurosawa-Meisterwerken, hatte damals in den Siebzigerjahren gleich zwei Rollenangebote von George Lucas abgewiesen. Weder den Altjedi Obi Wan noch den Generalissimus der dunklen Seite, Darth Vader, wollte er spielen, weil er „Star Wars“ schlichtweg für Kinderkram hielt. Alle heutigen japanischen Kreativen von „Visions“ sind einhellig beseelt von der Liebe zur Kinderkramwelt von Luke Skywalker und bezeugen zugleich die Phasen und Stile des japanischen Anime. Davon würde man gern mehr sehen.

Möge die Macht mit ihnen sein.

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„Star Wars: Visions“, Staffel 1, neun Episoden, von diversen Animestudios (ab 22. September bei Disney+)

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