„Buba“-Hauptdarsteller im Interview

Schauspieler Bjarne Mädel: „Manchmal fühle ich mich auch schlecht“

Der Schauspieler Bjarne Mädel schlüpft wieder in die Rolle des Buba. (Archivbild)

Der Schauspieler Bjarne Mädel schlüpft wieder in die Rolle des Buba. (Archivbild)

In der Erfolgsserie „How to Sell Drugs Online (Fast)“ spielte Bjarne Mädel bereits die Rolle des Buba – die aber ein unschönes Ende nahm. In „Buba“ (ab 3. August bei Netflix), einem Prequel zur Serie, darf er nun erneut in die Figur schlüpfen. Darin wird die Geschichte von Buba erzählt, dem von seiner Großmutter eingebläut wurde, dass für alles Gute, was er erlebt, ihm etwas Schlimmes geschieht. Weshalb er sein Negativkonto immer füllt, um nicht überraschend etwas Schreckliches zu erleben.

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Ihre Figur Buba gleicht gute Gefühle immer mit schlechten aus. Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass wenn es richtig gut läuft, es nicht ewig so weitergehen kann?

Das Gefühl kenne ich sehr gut. Man weiß ja, dass in jedem Leben statistisch gesehen immer mal wieder eine Katastrophe passiert. Wenn ich also zu lange unbeschadet durchs Leben laufe, denke ich tatsächlich manchmal: Jetzt passiert bestimmt bald irgendetwas Schlimmes. Ich habe in den letzten Jahren beruflich extrem viel Glück gehabt. Da denke ich dann auch: Wann bricht das denn nun alles zusammen?

Glauben Sie an sowas wie Karma?

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Ja, ein bisschen. Das ist jetzt eine sehr spezielle Geschichte, aber ich habe einen Freund aus der Schulzeit, der findet immer vierblättrige Kleeblätter und schenkt mir seit Jahren welche davon zum Geburtstag. Er hat mir in einem Jahr mal seine gesamte Ernte geschenkt, das waren 67 Stück. Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein einziges gefunden, aber ich kriege die immer von meinem Freund Hansi Engfeld. Und seitdem habe ich das Gefühl, dass ich eigentlich gar kein Pech mehr haben kann.

„Happy Ends gibt‘s nur bei Disney“, sagt Buba. Schauen Sie lieber Filme mit Happy End oder ohne?

Ich finde Happy Ends wahnsinnig langweilig. Filme, die gut ausgehen, bleiben mir meistens nicht im Gedächtnis. Das ist dieses typische Sonntagabend-„Tatort“-Krimi-Phänomen: Nach 90 Minuten wurde der Täter gefasst und alle sind erleichtert und glücklich. Aber wenn er mal nicht gefasst wird, bleibt es eben viel mehr im Gedächtnis. Deshalb finde ich ein offenes Ende spannender. Bubas Ende hatten wir ja aber schon in der Serie „How to Sell Drugs Online (Fast)“erzählt. Da war klar, dass wir jetzt beim Film so aufhören müssen, dass wir direkt in die Serie überleiten können.

War es dadurch anders, das zu spielen?

Es war interessant zu überlegen, wie man Bubas Reise erzählt. Wird er von einem quasi guten Menschen zu einem gewalttätigen, merkwürdigen Charakter? Oder ist das schon von Anfang an in ihm angelegt, ist er zu Beginn noch eher weich und wird durch die Geschehnisse immer härter? Das war spannend, da das richtige Level zu finden, dass es nicht zu vorhersehbar ist. Rein äußerlich wollten wir natürlich den Wiedererkennungswert haben für die Leute, die Buba so mochten, wie sie ihn in „How to Sell Drugs Online (Fast)“ kennengelernt haben. Daher haben wir uns dafür entschieden, dass er genauso aussehen soll wie in der Serie.

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First Look zum Netflix-Film "Buba". Bjarne Mädel (l.) übernimmt die Titelrolle, Georg Friedrich (r.) spielt seinen Bruder.

Buba (Bjarne Mädel, links) und sein Bruder (Georg Friedrich).

Wie war es, wieder in diese altbekannte Rolle zu schlüpfen nach ein paar Jahren?

Das war spannend. Die Rolle von Buba ist zwar sehr präsent in der Serie, aber ich hatte damals insgesamt nur sieben Drehtage in den sechs Folgen. Das ist keine Rolle wie der „Tatortreiniger“, den ich ein paar Jahre lang gespielt habe. Wenn man da nach einer Pause zu neuen Episoden wieder zurückkommt, reicht einem das Kostüm und die Maske und man ist sofort wieder in der Figur. Aber bei Buba hatte ich gar nicht so viel Unterbau, auf den ich zurückgreifen konnte. Ich musste die Rolle ja aber auch nicht eins-zu-eins fortsetzen, weil die Geschichte vor der Serie spielt. Insofern hatte ich genug Freiraum, die Figur jetzt zu gestalten.

Zu „How to Sell Drugs Online (Fast)“ gibt‘s auch schon die passende Doku „Shiny Flakes“. Wie haben Sie die verfolgt?

Die habe ich natürlich geguckt. Zur Premiere damals und an einem Drehtag war der echte Drogendealer, der Vorbild für die Serie war, auch anwesend bzw. am Set. Der sah auf den ersten Blick ganz sympathisch aus, aber schleppt glaube ich eine recht anständige Hybris mit sich rum, ist stolz auf seine spezielle Drogenkarriere. Es ist merkwürdig, ihn als originales Vorbild einer Serie zu „feiern“. Das ist ein Krimineller, der aus seinem Kinderzimmer Drogen verkauft hat. Aber für die Serie war es natürlich eine super Geschichte, dass es das wirklich gegeben hat.

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Wie fanden Sie die Doku?

Ich war erstaunt, wie viel in der Serie authentisch war. Dass der die Drogen einfach in die Deutsche Post gegeben hat, ist wirklich absurd. Er dachte, er wird nie erwischt, ist viel schlauer als alle anderen. Es ist auf jeden Fall ein spannender Lebenslauf. Ich wäre mit 15 oder 16 Jahren nicht auf sowas gekommen.

Zurück zu Buba: „Familie kannst du dir aussuchen“, sagt der, nachdem sein Bruder ihn enttäuscht hat. Wie sehen Sie das?

Eigentlich sind Freunde die Familie, die man sich aussucht. Die richtige Familie ist ja nicht immer gut oder glücklich zusammengestellt. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Aber es gibt auch Leute, bei denen das nicht so gut läuft. Dann sind die Freunde eben der Halt, die „Familie“. Und die ist oft genauso wichtig oder sogar wichtiger fürs Leben als die, in die man hineingeboren wird.

Wie wichtig ist Ihnen generell Familie?

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Meine Familie ist leider etwas verstreut. Mein Vater und meine Schwester leben in Amerika, da kann man sich nicht so oft sehen. Es ist auch nicht immer leicht, den Kontakt zu guten Freunden zu halten. Aber ich merke, je älter ich werde, wie wichtig mir diese sehr guten Freunde sind. Man hat beim Film durch die verschiedenen Projekte natürlich extrem viele Bekannte. Aber die richtig guten engen Freunde, die kann man an einer Hand abzählen.

Buba bezeichnet sich auch als glücklichen Menschen, obwohl er viel Mist erlebt. Würden Sie das über sich genauso sagen?

Ich bin auf jeden Fall ein Mensch, der sehr viel Glück hat.

Und empfinden Sie dieses Glück auch als solches?

Ja, oft schon, aber das ist ja leider nicht immer deckungsgleich. Von außen betrachtet könnte man denken: „Der hat tolle Rollenangebote, tolle Kolleginnen, einen tollen Beruf, keine Schulden. Der müsste ja von morgens bis abends eigentlich nur Luftsprünge machen.“ Aber manchmal fühle ich mich eben auch schlecht, obwohl es dafür eigentlich keinen triftigen Grund gibt. Das macht es dann noch schlimmer, weil ich denke, dass ich gar nicht das Recht habe, unglücklich zu sein. Es gibt andere Gegenden in der Welt, in denen Leute nun wirklich Gründe haben. Bei solchen Gedanken schäme ich mich dann, wenn ich mein Glück, das ich ja habe, nicht so empfinden kann. Aber es gibt eben Leute, die sind glücksbegabt, und andere vielleicht nicht so. Ich kann aber sagen, dass ich mich oft sehr wohl fühle, weil ich etwas machen darf, das mich komplett erfüllt. Ich gehe morgens extrem gern zur Arbeit.

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