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Schurke mit sympathischen Skrupeln – die neue „Star Wars“-Serie „Das Buch von Boba Fett“ bei Disney+

Auf dem Thron des Hutten Jabba: Der neue Herrscher Boba Fett (Temuera Morrison) will alles besser machen als sein verbrecherischer Vorgänger.

Die wohl furchterregendste Vorstellung, die den Zuschauer in der ersten „Star Wars“-Trilogie befiel, war die des angeblich 1000 Jahre dauernden Sterbens im Bauch des Sarlacc, eines unvorstellbaren Wesens, das nur sein Maul im Wüstensand des Planeten Tatooine offenbarte und das seine Opfer in einem Prozess unsäglicher Qualen über endlos lange Zeit am Gerade-mal-so-Leben hielt.

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Der Antiheld hatte das Unüberlebbare überlebt

Auch wenn die Millenniumsdauer dieses Leidens mythisch behauptet und wissenschaftlich unbewiesen blieb und seine berühmteste „Mahlzeit“ sich ja schließlich für den Schurken Jabba, den Hutten, engagiert hatte, empfand man Mitleid mit Boba, als er – durch eine Fehlzündung seines Jetpacks – im Film „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) in den gruseligen Schlund stürzte. In der „Star Wars“-Serie „The Mandalorian“, die eine Handvoll Jahre nach dem Ende des üblen Imperiums spielte, war Boba Fett dann wieder da, tauchte in die Geschichte seines Jägerkollegen Din Djarin und des niedlichen, höchst gefährdeten Baby-Yoda ein. Er hatte das Unüberlebbare überlebt. Unglaublich!

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Und so erzählt die  „Star Wars“-Serie „Das Buch von Boba Fett“ bei Disney+, wie der König des galaktischen Fangenspielens mit seinen Bordmitteln aus dem unentrinnbaren Verdauungssystem des innerirdischen Zahnmonstrums entkam und eine Odyssee auf sich nehmen musste, die ihn schließlich auf Jabbas verwaisten Thron brachte.Noch zeigt sich nicht, worauf die Boba-Saga hinauslaufen soll

Die Serie ist unterhaltsam, gewiss, wenngleich zu Anfang kaum erkennbar wird, worauf alles hinauslaufen wird. Einstweilen vertraut man auf die Namen der Produzenten. Dave Filoni leistet seit der Animationsserie „The Clone Wars“ (2008–2020) beste Arbeit für George Lucas‘ Supersaga. Die Serien „The Mandalorian“ (seit 2019) und „The Bad Batch“ (seit 2021) boten gar ein erzählerisches Niveau, welches das der letzten Kinotrilogie (2015–2019) bei Weitem übertraf. Jon Favreau, Regisseur der ersten beiden „Iron Man“-Filme und als Schauspieler bezaubernd in seinem Film „Kiss The Cook: So schmeckt das Leben“ (2014), ist ebenfalls seit „The Clone Wars“ erfolgreich in „Star Wars“-Diensten.

Die ersten Bilder zeigen die vertrauten Rundtürme von Jabbas Palast in der Sonne. In einem gläsernen, sarkophagähnlichen Tank schläft Boba Fett in einem heilenden Fluidum und träumt, wie er dem Sarlacc entkam, wie ihn die Jawas, die kleinen Müllsammler von Tatooine, die man seit dem ersten „Star Wars“-Film von 1977 kennt, seiner Rüstung beraubten, und wie er in seiner alten, schmutzigen Unterwäsche in die Gewalt der nomadenhaften Tusken-Räuber geriet, deren Freund, Helfer und Ehrentuske er wird. Der Zuschauer träumt sich mit dem Antihelden durch eine Serie von zuweilen komischen Demütigungen und Prügeleien. Auch wenn Boba für kurz die Flucht gelingt, gibt es keinen sicheren Hort im endlosen Sand. Boba Fett nimmt den harten Weg zum Erfolg.

Moral ist keine Währung in den Städten von Tatooine

In der zweiten Erzählebene, der Gegenwart kurz nach der Zerstörung des zweiten Todessterns, versucht Boba, als neuer Herrscher von Jabbas Beritt zu punkten. „Jabba herrschte durch Furcht“, erklärt er seiner Kollegin und Weggefährtin Fennec Shand (Ming-Na Wen), „ich habe vor, durch Respekt zu herrschen.“ Aber Moral ist keine Währung in den Städten von Tatooine. Der Bürgermeister von Mos Espa schickt seinen blasierten Majordomus, der von Boba Tribut fordert, statt welchen zu entrichten. Dass er sich in den Straßen der Stadt zu Fuß statt in einer Sänfte fortbewegt, lässt Boba ebenfalls schwach und angreifbar erscheinen. So wird er prompt angegriffen. Andere, dunklere Kräfte scheint es ebenfalls nach der Herrschaft über den Planeten zu gelüsten.

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Boba muss sich in beiden Erzählsträngen Respekt – eben doch durch Gewalt – verschaffen. Ein raffinierter Handlungstwist bleibt dagegen zu Beginn aus, man soll sich offenbar erst mal von Ikonischem erfüllen lassen. Der Held selbst ist die Oberikone.

Warum man diesem Kerl gleich eine Serie (von den vielen, die noch kommen sollen) widmet? Nun – Boba Fett ist wer. Er ist Klon und Ziehsohn von Jango Fett, dem Kopfgeldjäger, von dem einst das Klonkriegerheer gezogen wurde, das durch Intrige und Verrat in die Dienste der Dunklen Seite der Macht umgeswitcht wurde.

In den Filmen der ersten Trilogie war Boba ein großartiger Schurke, der bei nur wenig Leinwandzeit und beinahe „Terminator“-mäßiger Wortkargheit maximalen Eindruck machte. Der über die generelle Publikumsfaszination für Bösewichte und über seinen coolen, Spartaner-mäßigen Helm und seine grün-orange, abgetragene Rüstung zum Fanliebling wurde. Geschuldet der Begeisterung von George Lucas für (Italo-)Western, wurden die Kopfgeldjäger Jango und Boba zu „Revolverhelden“ im Weltraum der märchenhaften Galaxis „far, far away“.

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Wohl werden wir in weiteren Flashbacks (noch einmal) erleben (und hier kreuzt sich dann die Serie mit „The Mandaloian“), wie der derzeit dürftig bekleidete Boba diese eindrucksvolle Rüstung zurückbekam. Aber natürlich interessiert vor allem, wie der Sinneswandel eines Mannes zustande kam, dessen Zunft selbst die Schergen Darth Vaders als „Abschaum“ betrachteten und der eine hasserfüllte Feindschaft zu Millennium-Falke-Pilot Han Solo zu hegen schien. Was hat den Antihelden mit seinen neuen, sympathischen Skrupeln erfüllt? Wir werden auch das todsicher erfahren. Und wir erinnern uns, dass auch die erste Folge des „Mandalorian“ wenig von der Majestät verriet, die diese Serie bald schon offenbaren sollte.

Einstweilen schicken wir schöne Grüße: Möge die Macht mit Favreau und Filoni sein!

Angaben: „Star Wars: Das Buch von Boba Fett“, erste Staffel, sieben Episoden, von Jon Favreau, Dave Filoni, Robert Rodriguez, Kathleen Kennedy und Colin Wilson, mit Temuera Morrison, Ming-Na Wen (streambar bei Disney+, jeden Mittwoch eine neue Episode)

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