Neue Serie

„She Hulk: Die Anwältin“ bei Disney+: Die giftgrüne Superheldin

Bruce Banner und Tatiana Maslany als Jennifer „Jen“ Walters in „She Hulk“.

Bruce Banner und Tatiana Maslany als Jennifer „Jen“ Walters in „She Hulk“.

Superkräfte sind trotz häufiger werdender Ausnahmen noch immer weitgehend Männersache. Hier und da gibt es zwar kurvenreiche Supermodels im Kreise muskulöser Superhelden. Abseits von „Black Widow“ und „Wonder Woman“ firmieren sie allenfalls als Quotenfrauen unter „X-Men“ oder „Avengers“. Da ist es mal erfrischend, wenn Marvel seinem Personal eine Titelsuperheldin verpasst, deren Teint, Manieren und Wuchs alles andere als anziehend wirken. Jennifer Walters ist giftgrün, unbeherrscht, riesengroß und wird ums weibliche Personalpronomen ergänzt zur „She-Hulk: Die Anwältin“ (streambar ab 18. August bei Disney+).

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Gespielt von Tatiana Maslany („Orphan Black“) entwickelt sie sich schließlich von der Topjuristin zur Superheldin, und das geht so: Nachdem Jen zu Beginn der ersten von neun Folgen einen Autounfall hat, kommt ihr Blut mit dem des Beifahrers Bruce Banner (Mark Ruffalo) in Berührung. Besser bekannt als Hulk infiziert er seine Cousine dabei mit einer Art Mutantenvirus und erteilt ihr fortan auf einer idyllischen Südseeinsel Nachhilfe in Sachen Impulskontrolle, die bereits Hunderte von Comics und Filmen gefüllt hat.

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Neu geschaffene Abteilung zur Superheldenverteidigung

Anders als He-Hulk bringt She-Hulk ihre Zweitpersönlichkeit jedoch problemlos mit der ersten in Einklang und kann somit weiterarbeiten – wenigstens bis zum neuen Fall. Denn beim Plädoyer zerstört ein kostümiertes Wesen – im Marvel-Kosmos offenbar völlig normal – den Gerichtssaal und es kommt, was kommen muss: Jen mutiert, macht die Feindin unschädlich und bewirkt damit zweierlei: Ihr Alter Ego wird weltberühmt und sie selbst gefeuert, weil Freaks in Robe angeblich dem Ruf ihrer Kanzlei schaden. Und nicht nur dieser.

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Bei der Suche nach einer neuen Stelle hagelt es Absagen – bis sie in einer neu geschaffenen Abteilung zur Superheldenverteidigung landet. Einstellungskriterium: Jen soll als She-Hulk vor Gericht erscheinen. Spätestens hier wird die Serie auf Disney+ origineller als andere mit Superheld(inn)en jeder mentalen Verfassung – was auch am weiblichen Produktionsteam um Showrunnerin Jessica Gao liegen dürfte: Als ausgewiesene Feministin will die Titelfigur der Regisseurinnen Kat Coiro und Anu Valia keinesfalls auf Attribute abseits ihrer juristischen reduziert werden.

Selbst eine Superheldin mit Superpower stößt an gläserne Decken

Genau das aber geschieht, wenn ein grüner Koloss mit Traummaßen Prozesse wie den für Emil Blonsky alias Abomination (Tim Roth) führt, der einst beinahe ihren Vetter ermordet hatte, dafür gerade im Hochsicherheitsgefängnis von L.A. sitzt und mit Jens Hilfe Bewährung kriegen soll. Abgesehen von ihrer familiären Befangenheit kriegt es die Anwältin folglich mit dem Sexismus sozialer Medien zu tun, die sie wie üblich rein optisch beurteilen und somit belegen, dass selbst eine Superheldin mit Superpower an gläserne Decken stößt.

Schon ihr Boulevardname „She-Hulk“, den sie zu Recht als frauenfeindlich entlarvt, erinnert wohl bewusst an misogynen Unfug wie Frauenfußball-Nationalmannschaft, als wären Vize-Europameisterinnen bloß unvollständige Männer. Und so beobachten wir die schlagkräftige Juristin dabei, wie sie sich gemeinsam mit ihrer Assistentin Nikki (Ginger Gonzaga) gegen toxische Männlichkeit außer- wie innerhalb der Gerichtssäle durchsetzt und dabei versucht, ihre Wut zu zügeln.

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Jähzorn-Yoga mit Cousin Hulk

„Ich bin ja Expertin für Selbstkontrolle“, sagt sie beim anfänglichen Jähzorn-Yoga mit Cousin Hulk und verweist auf ihre Alltagserfahrungen: „Wenn mir auf der Straße nachgepfiffen wird, wenn inkompetente Männer mir mein Fachgebiet erklären“, wenn sie als Superheldin also erdulden muss, was auch normalen Frauen ständig widerfährt. Davon abgesehen ist „She-Hulk“ eine inhaltlich gewohnt banale, technisch aufwendige, schlagfertig-heitere Antwort aufs kraftstrotzende Männer-Superhelden-Allerlei – und damit auch abseits vom mitgelieferten Feminismus ziemlich unterhaltsam.

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