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„Star Wars: The Bad Batch“: Machtergreifung und Widerstand im Weltraum

Fünf gegen das frisch ausgerufene Imperium: Doch auch in den Reihen der Spezialeinheit „Bad Batch“ gibt es schnell Streit um den richtigen Weg.

Der Fourth of May ist mit uns. Heute startet die neue „Star Wars“-Serie „The Bad Batch“. Wie immer bei seinen Premiumserien, war Disney äußerst zurückhaltend bei der Herausgabe von Episoden zur Sichtung. Zwei von 14 – das ist kaum anders zu nennen als geizig. Man kann sich mit einer derart schmalen „Ausbeute“ in der Regel kein Bild vom Ganzen machen. Immerhin – die Auftaktfolge hat mit 72 Minuten fast Spielfilmlänge. Und die Story lässt sich wie immer so umfassen: Republikanische Kräfte des Guten befinden sich im Widerstand gegen das Imperium, gegen die Unterdrückung des freien Willens, gegen die Mächte unter dem neuen Diktator Palpatine.

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Es ist die Zeit der Klonkriege. Eine versprengte Schar der Rebellen (samt Jedi-Generalin) ist in der Eröffnungssequenz von einer Übermacht von B1-Kampfdroiden umstellt. Die Nachricht ihres Padawans, der Hilfe holen sollte, bringt zunächst keine Erleichterung. Nur fünf Klone rücken zur Verstärkung an, das ist so gut wie nichts. Was die Jedi nicht weiß: Es ist die Kloneinheit 99, ein Quintett aus mutierten, spezialbegabten Superklonen, die für die unmöglichen Missionen zuständig sind und deren Schlagkraft der „Star Wars“-Afficionado schon aus der letzten Staffel der Serie „Star Wars: Clone Wars“ kennt.

Hunter, Wrecker, Tech, Echo und Crosshair räumen auch gleich mit der ganzen Droidenkompanie auf. Die schnatternden Droiden mit ihren Donald-Duck-goes-Blech-Gesichtern können die unverhofft und im Angesicht des Sieges eingetretene Katastrophe kaum fassen.

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Dann aber kommt der Moment, in dem der Schalter umgelegt, eine Programmierung in ihr Gegenteil verkehrt wird. Die Klonkrieger, bislang treu an der Seite der Republikverfechter, werden von ihren Schöpfern zu Dienern des Imperiums gemacht. Und die Jedi-Generalin, gerade so eben mit dem Leben davongekommen, wird von einem Klon in ihren eigenen Reihen ermordet.

Denn die Liquidierung aller Jedi, der intellektuellen und spirituellen Führungsgruppe einer zu erwartenden Widerstandsbewegung, hat für Palpatine oberste Priorität. Allein der Padawan entkommt dem Zugriff. Und die Clone Force 99, die aufgrund ihrer speziellen Befähigungen immun gegen die Neuprogrammierung ist und somit nicht dem digitalen Seitenwechsel unterzogen wurde, versteht die Welt nicht mehr.

Und muss sich trotzdem in ihr zurechtfinden. Während der Anführer Hunter versucht, einen klaren Kopf zu bewahren und nach soldatisch-moralischen Prinzipien durch die vermeintliche Krise zu kommen, der gutmütige Haudrauf Wrecker von Loyalität zur Gruppe geleitet wird und das Köpfchenduo Echo und Tech die neue Situation einer rationalen Betrachtung unterzieht, zweifelt der Scharfschütze Crosshair die Führungsqualitäten des Chefs umgehend an: Er folgt dem militärischen Prinzip „Befehl und Gehorsam“ und sieht immer mehr Verrat in Hunters Weigerung, bedingungslos zum Imperium zu stehen. Wes Brot du isst, des Lied du singst. So war es immer schon.

Es ist ein spannender Moment, in dem Dave Filoni, zuvor Supervisor der „Star Wars“-Animationsserien „Clone Wars“ und „Rebels“ seine neue Geschichte ansiedelt. Erzählt wird von der Zeitschnittstelle, in der der Frieden beginnt und sich in ihm eine Gewaltherrschaft etabliert. „Der Krieg ist vorbei. Mit dem Frieden kommt Wohlstand für alle“, sagt eine sanftmütige Holografie den Bewohnern des Planeten Saleucami.

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Zugleich aber werden alle Raumschiffe kassiert, und reisen kann nur noch, wer den schon in seinem Namen die Gefangenschaft tragenden „chain code“ besitzt. Die Gewehrkolben der Imperiumklone regeln den Rest. Wer gegen die absolute Staatskontrolle protestiert, wird in den Staub gedrückt.

Hunters harte Truppe erobert die Zuschauer

Man ist schnell aufseiten von Hunters Truppe. Das mag daran liegen, dass Filoni schon über die Optik einiger seiner Helden Bezugspunkte für den Zuschauer herstellt. Hunter erinnert an den Schauspieler Hugh Jackman, Tech an Jude Law, Wrecker ist ein kumpelhafter Dwayne-Johnson-Typ. Schon während der Ansprache Palpatines an seine neuen Klonheere stehen sie mit ihren individuellen Rüstungen außerhalb von Reih und Glied.

Und dann stehen sie auch noch für ein Kind ein. Die wehrhafte Omega, im Gefolge des Premierministers von Kamino, der seine Klone auch ans Imperium verkaufen will, wird von ihnen gerettet. Natürlich ist sie ein besonderes Kind. Da grüßt irgendwie von fern der Mandalorian mit seinem Yoda-Baby.

Anders als die letzten, zitatschweren „Star Wars“-Filme der J.-J.-Abrams-Phase vermag „The Bad Batch“ wie schon die Real-Life-Serie „The Mandalorian“ rundum zu überzeugen, schafft es, den Fan in die schlichte Geschichte und durchaus komplexe (und nicht für ein kindliches Publikum geeignete) Welt zu ziehen.

Das holzschnittartige Figurendesign stört nicht mehr

Mit bekannten Charakteren wie dem Rebellen Saw Gerrera und dem Klondeserteur Cut Lawquane werden Verbindungen zum Früher der Saga aktiviert, auf der dunklen Seite der Macht stehen ikonische Figuren wie Palpatine oder Großmoff Wilhuff Tarkin. Und die holzschnittartige Figurenästhetik, die in den frühen Episoden der Vorgängerserie „Clone Wars“ an ein nicht allzu fein designtes Computerspiel erinnerte und ein Hindernis war, ist inzwischen unverkennbares und anerkanntes Merkmal der „Star Wars“-Animationswelt. Die Hintergründe sind plastisch, die Raumschiffe wirken echt, die Figuren sind plausibel – was will man mehr?

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Vom Sternenmärchen „Star Wars“ wird man zudem daran erinnert, was auf dem Spiel steht, wenn man bei Leuten wie Trump mit den Schultern zuckt und sich bei Vorgängen wie dem Sturm aufs Kapitol mit dem trügerischen Gedanken beruhigt, dass sich alle Stürme legen. Wenn man populistische Politiker in unseren Landen mit ihren bewussten „Hoppla, ’tschuldigung, wusste ich nicht“-Übergriffen in die Nazi-Sprache für Maulhelden hält und das rechte Auge zudrückt.

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„Star Wars“ ist ein Märchen über die sich immer wiederholende Wirklichkeit der Machtergreifungen. Und die Regeln des Widerstands sind dabei ganz einfach: Verstand einschalten, dem Herzen folgen, sich von der Menschlichkeit tragen lassen. „Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis“ lautete das Intro aller „Star Wars“-Filme, seit Luke Skywalker damals auf Obi Wan Kenobi stieß. Gemeint war aber immer auch unsere Galaxis, hier und heute. May the force be with us! Schönen 4. Mai!

„Star Wars: The Bad Batch“, 14 Episoden, bei Disney+, von Dave Filoni, Animationsserie (ab 4. Mai).

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