Bandenkriege um Drogen: Macron sagt Sozialproblemen in Marseille den Kampf an

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, spricht während eines Besuchs der Bouge-Grundschule im Bezirk Malpasse mit Journalisten.

Marseille. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will der Hafenstadt Marseille angesichts blutiger Bandenkriege und sozialer Probleme mit einer enormen Finanzspritze auf die Beine helfen. Der „Marseille-Plan“, den Macron am Donnerstag während eines dreitägigen Besuchs in Frankreichs zweitgrößter Stadt vorstellte, umfasst Investitionszusagen von Hunderten Millionen Euro in Schulen, Städtebau und Sicherheit. In den verarmten Hochhausvierteln haben Abrechnungen im Drogenmilieu dieses Jahr bereits 15 Menschen das Leben gekostet. Eine Welle der Empörung von Politikern und Bewohnern, die in Trauermärschen für die teils noch jugendlichen Toten durch die Straßen zogen, ging Macrons Vorstoß voran.

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Brutale Kämpfe um Drogengeschäfte sowie desolate Lebensbedingungen in den heruntergekommenen Vierteln machen der Mittelmeermetropole bereits seit Jahren zu schaffen. Ebenso lange bemühen sich Politik und Polizei ohne nachhaltigen Erfolg, der Gewalt Herr zu werden und die Lage der Menschen in den sogenannten Cités zu verbessern.

Macron setzt sich auch mit Bewohnern und Bewohnerinnen zusammen

Bei seiner Ankunft am Mittwochnachmittag war Macron in einem der betroffenen Viertel von einer Menschenmenge empfangen worden. Später setzte er sich auch mit Bewohnerinnen und Bewohnern zusammen, darunter Mütter, die Söhne in den Drogenkonflikten verloren haben. Nach der Verstärkung der Polizei um 100 Kräfte im laufenden Jahr sollen im kommenden Jahr 200 weitere Beamte dazukommen, sicherte der Präsident beim Zwischenstopp an einer Polizeiwache zu.

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Nach dem Besuch einer Schule zum Unterrichtsstart nach den Ferien sagte Macron am Donnerstag verstärkte Investitionen in Bildung zu, dort wo sich Armut, familiäre Probleme und eine schlechte Wohnsituation konzentrierten. Marseille sei eine Stadt, in der sich diese Probleme festgesetzt hätten.

Große Aufräum- und Reinigungsaktion vor Macrons Besuch

Dass extra vor seinem Besuch eine große Aufräum- und Reinigungsaktion im Bereich mancher Wohnblöcke stattgefunden hat, sei zwar eine höfliche Geste, regele aber nicht die eigentlichen Probleme der Menschen, räumte Macron ein. Seine Initiative sei „kein in Paris gemachter Milliardenplan“, es werde auch das Scheitern vorangegangener Bemühungen analysiert.

Für Wirbel sorgten unmittelbar vor dem Macron-Besuch Fernsehbilder, auf denen Dealer zu sehen waren, die mit einem selbst errichteten Schlagbaum die Zufahrt zu ihrem Viertel kontrollieren. Das sei doch nichts Ungewöhnliches, fast alle Cités in Marseille hätten solche Kontrollpunkte, kommentierte ein Vertreter der Polizeigewerkschaft dies, Rechtspopulistin Marine Le Pen schimpfte über „rechtsfreie Zonen“. Innenminister Gérald Darmanin ordnete prompt eine Razzia in dem Viertel an, es gab vier Festnahmen, Drogen und Bargeld wurden beschlagnahmt, postete er auf Twitter.

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„Der Staat lässt uns fallen“ steht an einer Mauer

Eindruck auf die Bewohner wird das kaum gemacht haben, auf eine Mauer in einem der Viertel hatte jemand seine Sicht der Lage gesprüht: „Der Staat lässt uns fallen“, war dort zu lesen - und in kleinerer Schrift daneben „Fick den Staat“.

Gut sieben Monate vor den Präsidentenwahlen in Frankreich wurde Macrons groß inszenierter Marseille-Besuch nicht nur von der Opposition als Wahlkampfauftakt nach der großen Sommerpause einsortiert. „In Marseille, Macron auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, titelte die Zeitung „Le Figaro“ unter Verweis auf ungelöste Sozialprobleme und Spaltungen der Gesellschaft in ganz Frankreich, ähnliche Dinge gebe es auch in Straßburg, Nantes oder Paris. Am Ende stehe auch, so die Analyse, der Verlust staatlicher Autorität.

RND/dpa

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