Katholische Kirche in Deutschland

Kardinal Woelki bietet Papst seinen Rücktritt an - Laien wollen ihn nicht mehr

Rainer Maria Woelki, Kardinal der römisch-katholischen Kirche, Erzbischof von Köln, hat dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten.

Berlin. Kardinal Rainer Maria Woelki hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten. Der Papst werde zu gegebener Zeit darüber entscheiden, teilte das Erzbistum Köln am Mittwoch mit. Zunächst solle Woelki seinen Dienst als Erzbischof von Köln wie geplant am Mittwoch wieder aufzunehmen. Woelki kehrt damit aus einer fünfmonatigen Auszeit wegen Erschöpfung auf seinen Posten zurück.

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Der Kardinal rechnet offenbar damit, dass ihn der Papst - wie im letzten Jahr im Fall des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx geschehen - nicht aus dem Amt entlässt. Denn er wirbt in einem Brief an die Gläubigen des Erzbistums um eine zweite Chance.

Der 65-jährige Theologe schreibt von Offenheit und Neuanfang in Köln. „Dafür möchte ich in den kommenden Wochen und Monaten die Begegnung mit möglichst vielen von Ihnen suchen.“ Zur Situation in Köln äußert Woelki Bedauern. „Es tut mir leid, dass diese Zeit für viele Menschen in unserer Kirche eine so belastete Zeit ist.“

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Laien sehen keine Basis für Neuanfang

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßte als größte katholische Laienorganisation das Rücktrittsgesuch Woelkis. „Es ist nachvollziehbar, dass Kardinal Woelki seinen Rücktritt anbietet“, sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Mittwoch.

Irme Stetter-Karp ist seit letztem Jahr Präsidentin des Zentralkomitees deutscher Katholiken.

Irme Stetter-Karp ist seit letztem Jahr Präsidentin des Zentralkomitees deutscher Katholiken.

„Den Rückhalt der Gläubigen im Erzbistum Köln hat er in weiten Teilen verloren, wie eine Forsa-Umfrage im Februar gezeigt hat. Ich sehe keine Basis für einen Neuanfang und würde mir wünschen, dass Papst Franziskus den Ernst der Lage erkennt und so schnell als möglich auf die Bereitschaft des Kardinals zum Rücktritt reagiert.“ Stetter-Karp: „Damit bestünde die Chance, dass in der Erzdiözese der Versuch gemacht werden kann, endlich wieder Vertrauen aufzubauen.“

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht Woelki als „Erzbischof auf Probe beziehungsweise auf Abruf“. Er warnt vor einer langen Hängepartie Roms. Schüller sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Schwebezustand sei „Zumutung für Woelki, denn er muss etwas liefern, was er nicht leisten kann: Dialogfähigkeit, Gabe der Versöhnung und die Bitte um Vergebung, die ihm die Gläubigen abnehmen können“.

Gläubigen wird viel zugemutet

Aber auch den Gläubigen werde wieder viel zugemutet. „Wie viel Zeit wird sich der immer zögerliche und zaudernde Papst Franziskus eigentlich noch nehmen wollen, um endlich zu erkennen, dass die Scheidung auf Katholisch im Erzbistum Köln zwischen Kardinal und Gläubigen unausweichlich ist?“

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Der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken sieht das Erzbistum Köln in einem Dilemma. „Einerseits fällt es aus christlicher Perspektive schwer, dem Kardinal die erbetene Chance auszuschlagen“, sagte Picken der dpa. „Andererseits ist jedem klar, dass die Aussichten für eine gute Entwicklung nicht günstig erscheinen, weil die Fronten sehr verhärtet sind.“

Woelki hatte sich Auszeit genommen

Der Kardinal sollte am Mittwoch planmäßig aus einer fünfmonatigen Auszeit zurückkehren. Erstmals nennt Woelki in seinem Brief auch die Gründe für seinen befristeten Ausstieg seit Oktober. Er spricht von einer Art Burn-out.

Papst Franziskus (r.) bei seiner Generalaudienz im Vatikan am Mittwoch.

Papst Franziskus (r.) bei seiner Generalaudienz im Vatikan am Mittwoch.

„Tatsächlich war für mich im Oktober letzten Jahres ein Maß an körperlicher und mentaler Erschöpfung erreicht, das eine Auszeit notwendig machte“, so Woelki. „Es wird nicht wenige unter Ihnen geben, die um die Notwendigkeit einer solchen Zeit wissen, weil Sie selbst oder Ihnen nahestehende Menschen schon einmal die Erfahrung einer solch langfristigen Überbeanspruchung gemacht haben.“

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Woelki berichtet, er habe nach einigen Wochen der Exerzitien einen „Sozialeinsatz“ geleistet. Die Menschen, denen er dabei gegenüber getreten sei, hätten ihn nicht sofort in eine Schublade gesteckt. „Dabei ist in mir manches in Bewegung gekommen, was sich in der immer angespannteren kirchlichen Situation und zunehmenden, oft sehr persönlichen Anfeindungen meiner Person in unguter Weise in mir verhärtet hatte.“

Papst warf Woelki große Fehler vor

Unmittelbar vor Woelkis Auszeit hatte ihm Papst Franziskus „große Fehler“ vor allem in seiner Kommunikation attestiert. Das Erzbistum Köln befindet sich seit 2020 quasi in einer Dauerkrise. Der Kardinal hatte sich damals entschieden, ein Gutachten über den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch aus rechtlichen erst einmal nicht zu veröffentlichen.

Als Woelki ein neues Gutachten in Auftrag gab, rückten nicht allein immer mehr Gläubige von ihm ab und traten aus der Kirche aus. Es distanzierten sich auch immer mehr Kleriker in den erzbischöflichen Gremien sowie in der Deutschen Bischofskonferenz vom Kölner Kardinal.

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Erzbistum Köln ist das mitgliederstärkste

Kardinal Rainer Maria Woelki ist seit 2014 für das Erzbistum Köln verantwortlich. Es ist eines der ältesten und mit knapp 1,9 Millionen Katholiken das mitgliederstärkste Bistum im deutschsprachigen Raum. Es erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 6181 Quadratkilometern, das entspricht einem Fünftel von Nordrhein-Westfalen.

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