Tod von fünfköpfiger Familie bei Königs Wusterhausen: Täter glaubte an jüdische Weltverschwörung

In diesem Haus in Senzig wurden die Leichen von drei Kindern und deren Eltern gefunden.

Potsdam. Antisemitismus war nach Angaben der Brandenburger Polizei einer der Gründe für den gewaltsamen Tod einer ganzen Familie im vergangenen Dezember in Senzig bei Königs Wusterhausen. Nach ausgewerteten Chatverläufen der sichergestellten Handys des Familienvaters, der seine Frau, seine drei Kindern und dann sich selbst tötete, ergebe sich auch dieses Motiv, sagte Torsten Herbst, Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums, am Freitag auf Anfrage. Zuvor hatten die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ und die „Märkische Allgemeine Zeitung“ berichtet.

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Anfang Dezember waren in einem Einfamilienhaus im Ortsteil Senzig fünf Leichen entdeckt worden: drei Kinder im Alter von vier, acht und zehn Jahren, ein 40-jähriger Mann und seine gleichaltrige Frau. Der Familienvater soll erst die Kinder und seine Frau und anschließend sich selbst mit einer Schusswaffe getötet haben. In einem Abschiedsbrief soll der Vater seine Sorge vor einer Verhaftung mitgeteilt haben, weil er das Impfzertifikat seiner Frau habe fälschen lassen.

Täter glaubte an jüdische Weltverschwörung

Das Bundesinnenministerium hatte in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Petra Pau zu antisemitischen Straftaten im vierten Quartal 2021 geschrieben, dass auch die Tat von Senzig dazu zähle. Nach derzeitigem Kenntnisstand sei der Mann überzeugt gewesen, dass der Staat mit der Impfkampagne einen „bösen“ Plan verfolge und die Weltbevölkerung um die Hälfte reduzieren sowie eine neue Weltordnung unter jüdischer Führung gründen wolle.

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Die Einordnung der Tat als „antisemitisch“ ergebe sich aus der Ansicht des Mannes, dass es eine jüdische Weltverschwörung gebe, hieß es. Nach Angaben von Polizeisprecher Herbst sind weitere Motive des Mannes Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Ablehnung des Staates und Ablehnung des Gesundheitswesens und der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie.

Opferperspektive Brandenburg zeigt sich erschüttert

Die Opferperspektive Brandenburg - Beratungsstelle für Betroffene von rechter Gewalt - äußerte sich erschüttert. Diese Tat zeige, welche enorme Gefahr von antisemitischen Verschwörungserzählungen innerhalb der Coronaleugner-Bewegung ausgehe, sagt Judith Porath, Geschäftsführerin der Opferperspektive.

Dass sie durch die Ermittlungsbehörden offiziell als antisemitisch motiviert gewertet werde, sei ein wichtiger Schritt. Da es jedoch kein Gerichtsverfahren geben könne, werde eine öffentliche und lückenlose Aufklärung gefordert, wie es zu der Tat kommen konnte. Es müsse auch untersucht werden, inwiefern coronaleugnende sowie rechte Netzwerke an der Radikalisierung des Täters beteiligt waren.

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Haben Sie Suizidgedanken? Dann wenden Sie sich bitte an folgende Rufnummern:

Telefonhotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste:

(0800) 111 0 111 (ev.)

(0800) 111 0 222 (rk.)

(0800) 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche)

E-Mail unter www.telefonseelsorge.de

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RND/dpa

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