Organisation sucht Freiwillige

Traumjob? Als Postbote in die Antarktis

Die Basis wurde in ein Museum umgebaut.

Die Basis wurde in ein Museum umgebaut.

Sydney. Weiß, wohin das Auge blickt: Die Antarktis – den Kontinent aus Eis – zu besuchen, das steht bei vielen Menschen auf der „Bucket List“, also der Liste der Dinge, die man gerne vor seinem Tod erleben möchte. Eine britische Wohltätigkeitsorganisation bietet nun eine einmalige Chance auch für diejenigen, die sich die teils horrend teuren Kreuzfahrten nicht leisten können: So hat der UK Antarctic Heritage Trust eine auf fünf Monate ausgelegte Position ausgeschrieben. Die Organisation sucht Postboten für das südlichste Postamt der Welt – in Port Lockroy auf der antarktischen Halbinsel.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bisher wurden die Positionen jährlich ausgeschrieben, doch durch die Pandemie wurde das Programm in den vergangenen zwei Jahren ausgesetzt. Nun soll das Postamt aber wieder besetzt werden. Von November bis März – den Sommermonaten in der Antarktis – soll ein Team die Basisstation in Port Lockroy unterhalten. Neben der Führung des Postamts und einigen Hausmeistertätigkeiten müssen die Angestellten vor allem auch die anwesenden Pinguine zählen.

Beliebtes Ziel für Antarktistouristen

Port Lockroy war die erste permanente britische Basis, die auf der Antarktischen Halbinsel errichtet wurde und ursprünglich von 1944 bis 1962 genutzt wurde. Seit 2006 dient sie jedoch als Postamt. Nebenbei beherbergt das Gebäude auch ein Museum und einen Geschenkeladen und ist damit zu einem der beliebtesten Ziele für Antarktistouristen geworden. Kreuzfahrtschiffe planen dort gerne einen Stopp ein. Vor der Pandemie kamen jeden Sommer bis zu 18.000 Besucher vorbei.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Antarktis ist in den vergangenen Jahren ein zunehmend beliebtes Ziel geworden: Über den Sommer 2019/20 besuchten 74.000 Menschen den Kontinent aus Eis. Die überwiegende Mehrheit reiste dabei per Schiff an. Neben den Touristen bevölkern auch mehrere Tausend Wissenschaftler die Antarktis. Insgesamt befinden sich mehr als 70 Forschungsstationen auf dem Kontinent.

Jeder Urlauber „schmilzt“ 83 Tonnen Schnee

Doch das menschliche Interesse hat auch seine Nachteile, wie Forscher der britischen Keele Universität in einer Studie zeigten, die sie im Februar in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlichten. Für ihre Forschungsarbeiten sammelten die Wissenschaftler Proben an 28 Orten auf einer 2000 Kilometer langen Strecke von der Antarktischen Halbinsel bis ins Innere der Westantarktis. Bei ihren Analysen stellten sie fest, dass sämtliche Proben aus nahe gelegenen menschlichen Siedlungen einen Rußgehalt aufwiesen. Dieser lag weit über den typischen antarktischen Werten und war damit ein klares Zeichen menschlicher Emissionen.

Erhöhte Rußwerte beeinflussen beispielsweise, wie Schnee Licht absorbiert, eine Eigenschaft, die als „Albedo“ bekannt ist. Schnee mit einer niedrigeren „Albedo“ schmilzt schneller. Insofern konnten die Forscher schlussfolgern, dass die Schneeschmelzrate wohl aufgrund menschlicher Aktivitäten gestiegen ist. „Die Ergebnisse sind ernüchternd“, schrieb Matthew Harris, einer der Klimawissenschaftler der britischen Universität, in einem Artikel im akademischen Magazin „The Conversation“. Laut Harris ist der Oberflächenschnee an den betroffenen Orten jeden Sommer um bis zu 23 Millimeter geschmolzen. Umgerechnet auf den einzelnen Besucher habe jeder Urlauber damit zwischen 2016 und 2020 effektiv etwa 83 Tonnen Schnee geschmolzen. Die schlimmsten „Übeltäter“ seien dabei die Emissionen von Kreuzfahrtschiffen, doch auch wissenschaftliche Aktivitäten seien nicht ausgenommen, erklärte Harris.

Kein fließend Wasser und abgepacktes Essen

Über Letzteres sollten sich auch Bewerber für das Port-Lockroy-Postamt bewusst sein. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass der vermeintliche Traumjob mit ein paar Abstrichen daherkommt: So verfügt die Station nicht über fließendes Wasser, das Duschen ist dadurch mit gewissen Herausforderungen verbunden. Es gibt auch keine Toilette mit Spülung, die Campingtoilette vor Ort muss täglich geleert werden. Warme Kleidung – die zur Verfügung gestellt wird – ist ein Muss, denn selbst in den Sommermonaten schwanken die Temperaturen zwischen minus fünf und plus zehn Grad Celsius, und ein Großteil der Arbeit findet im Freien oder in Räumen ohne Isolierung und Heizung statt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das Port-Lockroy-Team teilt sich einen Schlafraum mit Zugang zu einem Wohnbereich, einem separaten Schuhraum und einem Waschraum. In der Hauptküche und im Wohnbereich gibt es einen Herd und eine Heizung, die beide mit Propangas betrieben werden. Das Essen wird aus Großbritannien verschickt und besteht aus getrockneten und konservierten Produkten, die gelegentlich durch frische Lebensmittel ergänzt werden, die von den Schiffen spendiert werden, die zu Besuch kommen.

Grundwissen über minimalistischen Lebensstil erwünscht

Im Anforderungsprofil für Bewerber heißt es deswegen auch, dass die Kandidaten über ein gutes Maß an körperlicher Fitness und Umweltbewusstsein verfügen müssen. Außerdem müssen sie ein Grundwissen über einen minimalistischen Lebensstil verfügen.

Bewerbungen können noch bis zum 25. April eingereicht werden. Eine Entscheidung soll nach einem Interviewprozess im Mai fallen.

Insgesamt werden drei oder vier Antarktisjobs vergeben. Die Kandidaten müssen vollständig gegen Covid-19 geimpft sein und unter Umständen zwei Wochen vor Antritt eine Quarantänezeit absitzen. Bereits im Oktober soll ein siebentägiges Training die Kandidaten dann auf ihre Zeit in der Antarktis vorbereiten. Auch ausländische Bewerber werden für die Aufgaben in Betracht gezogen, allerdings müssen sie eine Arbeitserlaubnis für Großbritannien vorweisen können.

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen