Griechisch-türkischer Inselstreit

Baerbock in Athen: „Lesbos, Chios und andere sind griechisches Territorium“

Außenministerin Annalena Baerbock während einer Pressekonferenz mit ihrem griechischen Amtskollegen, Nikos Dendias, in Athen.

Außenministerin Annalena Baerbock während einer Pressekonferenz mit ihrem griechischen Amtskollegen, Nikos Dendias, in Athen.

Athen. Wie schwierig alles ist, zeigt sich schon in der Eingangshalle des griechischen Außenministeriums. Auf der rechten Seite hängt ein düsteres Gemälde in einem breiten goldenen Rahmen: Kriegsschiffe in einem aufgepeitschten dunklen Meer, am Himmel ballen sich graue Wolken. Die Schiffe tragen türkische und griechische Flaggen. Es ist eine Szene aus der Seeschlacht von Elli aus dem Jahr 1912 – Griechenland siegte über das Osmanische Reich. Die Inseln Lesbos, Chios, Samos und Lemnos gehörten in der Folge zu Griechenland.

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Ein blauer Läufer führt Außenministerin Annalena Baerbock ins obere Stockwerk. Dort über ihrem Amtskollegen, Nikos Dendias, zeigt ein weiteres Gemälde die Akropolis. Eine friedlichere Aussicht, immerhin.

Merkel wurde in Griechenland einst von wütenden Demonstranten empfangen

Und Dendias ist in durchaus freundlicher Stimmung, zumindest bei der Pressekonferenz im Anschluss. Die frühere Kanzlerin Angela Merkel ist hier vor zehn Jahren von wütenden Demonstranten empfangen worden. Auch vor drei Jahren gab es noch heftige Proteste. Merkel galt als Verantwortliche für den Sparkurs, den die EU Griechenland in deren Schuldenkrise auferlegt hatte und der viele Griechinnen und Griechen in existenzielle Probleme stürzte. Die deutsch-griechischen Beziehungen galten über Jahre als angespannt.

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Dendias strahlt seine Kollegin an, erwähnt begeistert den Bayern Otto I., den ersten griechischen König. Und den Otto mit Nachnamen Rehhagel, mit dem Griechenland Fußballeuropameister wurde. „Das ist ein Grund, warum wir ihn immer noch sehr innig lieben“, sagt Dendias und wünscht dem deutschen Frauenfußballteam viel Glück für ihr EM-Endspiel.

Baerbock erteilt NS-Reparationsforderungen eine Absage

Und er ist noch nicht fertig: Ausdrücklich würdigt der griechische Minister Baerbocks Besuch am Holocaustmahnmal und in einem ehemaligen NS-Foltergefängnis in Athen. „Du übernimmst historische Verantwortung“, sagt er. Gut wäre jetzt noch, wenn Deutschland endlich die griechischen Reparationsforderungen akzeptiere. Baerbock wird das später freundlich, aber bestimmt zurückweisen. Deutschland sehe die rechtlichen Fragen als abgeschlossen an, sagt sie. Aber man wolle Überlebende der Besatzung bei der Gesundheitsversorgung unterstützen und zusammen Geschichtsprojekte aufnehmen.

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An einem anderen Punkt ist sie ganz auf griechischer Linie – bei den Inseln. Die Türkei hat Griechenland bei den UN Völkerrechtsbruch vorgeworfen, weil auf den Inseln Militär stationiert ist und unter vielen Verträgen auch solche sind, die das ausschließen. „Lesbos, Chios und andere sind griechisches Territorium“, sagt sie. „Niemand hat das Recht, das infrage zu stellen.“ Und sie zieht eine Linie zum Krieg gegen die Ukraine: Die nationale Souveränität und die territoriale Integrität jedes Landes müsse geachtet werden.

Später fliegt Baerbock weiter in die Türkei

Auch ihrem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu werde sie das am Nachmittag so mitteilen. Am Nachmittag noch reist sie weiter ins Nachbarland. „Das wird auch meine Botschaft in Istanbul sein“, sagt Baerbock. Und dann wird sie kurz flapsig: Sie könne ja schlecht in verschiedenen Hauptstädten unterschiedliche Botschaften verkünden. „Das wäre ja schön blöd.“ Dendias hat beim Thema Türkei zuvor seine Freundlichkeit verloren: Revisionismus und illegale Aktionen hat er dem Nachbarland vorgeworfen. Nun lächelt er. So klar habe er das bisher nicht gehört in der EU, stellt er fest.

Und fast nebenbei und erst auf Nachfrage kommt die Botschaft, dass es demnächst etwas werden könne mit Panzerlieferungen aus Griechenland an die Ukraine – im Tausch für deutsche Panzer an Griechenland. Ein Ringtausch, der nun also vielleicht funktioniert. „Wir sind gerade beim Abschluss dieses Verfahrens“, sagt Dendias.

Irgendwann während der Pressekonferenz geht kurz das Licht aus. „Sehr gut, sie sparen Energie“, sagt Baerbock lachend.

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Aber bevor sie sich aufmacht in die Türkei zu Cavusoglu, bei dem sie auch Menschenrechte anmahnen und die türkischen Angriffe auf Kurden in Nordsyrien thematisieren will, hat sie für die auch noch ein Lob: Die Türkei habe Drohnen an die Ukraine geliefert. Ein „wichtiger Beitrag“ sei das in einer schwierigen Zeit.

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