Krieg in der Ukraine

„Auf den Sieg“: Wie das Z zu Russlands Kriegssymbol wurde

Das Z tauchte erstmals Ende Februar auf Militärfahrzeugen der russischen Armee auf.

Es war in einer Zeit, in der russische Turnerinnen und Turner noch bei internationalen Turnieren starten durften, um genau zu sein, vor wenigen Tagen erst. Beim Weltcup von Katar in Doha traten ukrainische und russische Sportler gegeneinander an. Auf dem Podest begegneten sich zwei, deren Länder sich gerade im Krieg befinden. Illia Kovtun zeigte am Barren die beste Leistung, der Ukrainer stand ganz oben auf dem Treppchen. Doch nicht etwa er war es, der im Fokus stand. Es war Ivan Kuliak, der Drittplatzierte.

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Der Russe hatte dort, wo normalerweise das Wappen Russlands auf seinem Leibchen zu sehen ist, was im Zuge des Angriffskrieges vom Turnverband verboten wurde, ein weißes Z aufgeklebt.

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Es begann auf Panzern und hat mittlerweile Autos, T-Shirts und Facebook-Profile erreicht: Ein etwas in die Breite gezogenes weißes Z ist in den vergangenen Tagen zum Symbol Russlands im Krieg gegen die Ukraine geworden. Ein Z wie jenes, das Ivan Kuliak bei der Siegerehrung in Doha auf sein Leibchen geklebt hatte und zum Ausschluss aller russischen und belarussischen Turnerinnen und Turner vom Weltverband führte.

Z als Zeichen für die Unterstützung der Armee, Putins und des Angriffskrieges

Ende Februar wurde das weiße Z erstmals auf russischen Militärfahrzeugen, die gen Ukraine unterwegs waren, gesichtet – nur Tage vor der Invasion. Inzwischen ist es omnipräsent: Mit dem Aufruf „Unterstützen Sie unsere Armee und den Präsidenten!“ malte die Duma-Abgeordnete Maria Butina ein weißes Z auf ihren dunkelblauen Blazer und stellte ein Video davon auf Facebook. Auch ihr Profilbild in dem sozialen Netzwerk zeigt sie in einem T-Shirt mit einem großen weißen Z.

In Moskau sind zunehmend Autos zu sehen, auf deren Heck oder Motorhaube ein weißes Z aufgeklebt oder aufgemalt ist. In sozialen Medien zeigen sich Menschen, die ein Z auf ihrer Kleidung tragen. Auf Bushaltestellen, Werbebanner und Hausfassaden wurde das Z in Russland gemalt.

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Der Moskauer Historiker Kamil Galeev vom Forschungsinstitut Wilson Center teilte auf Twitter mehrere Aufnahmen aus der russischen Hauptstadt. Dazu schrieb er, dass das Symbol vor wenigen Tagen erfunden und zum „Symbol einer neuen russischen Ideologie und nationalen Identität“ geworden sei. Der „Focus“ berichtet hingegen, schon bei den Angriffen auf Syrien seien russische Militärfahrzeuge mit dem Z-Symbol zu sehen gewesen, von anderen Stellen wurde das allerdings noch nicht bestätigt.

Z – von der Militärkennzeichnung zur Solidaritätsbekundung mit Putin

Die genaue Bedeutung des Z, das bereits einen Wikipedia-Eintrag hat, ist unklar. Handelt es sich um den Buchstaben Z? Den gibt es im Kyrillischen gar nicht. Das Z als Buchstabe wäre dann auch als Botschaft an den Westen zu deuten. Oder handelt es sich vielmehr um ein Zeichen, ein Symbol, das dem Buchstaben nur ähnlich sieht? Das würde erklären, warum es häufig deutlich breiter ist als der Buchstabe normalerweise geschrieben wird.

Das russische Verteidigungsministerium schreibt in einem Post auf Instagram, das Z stehe für den Ausruf „Za Pobedu“, der mit „Auf zum Sieg“ übersetzt werden kann. Das Zeichen V, das ebenfalls vermehrt auftaucht, bedeute demnach „Sila v pravde“, übersetzt: „Die Stärke liegt in der Wahrheit“, einer von Wladimir Putins Lieblingssprüchen.

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Z als Kennzeichnung der eigenen Militärfahrzeuge

Doch ließ die russische Armee tatsächlich schon die Siegeskunde auf Militärfahrzeuge malen, ehe Putins Krieg begann? Für den Militärexperten Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations ist das denkbar. „Die Russen waren sehr von einem Sieg überzeugt, das kann also durchaus sein“, sagt er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Galeev, Gressel und weitere Beobachter bringen aber auch eine zweite Bedeutung ins Spiel, eine militärische. Demnach könnte das Z ursprünglich für „Zapad“ – Westen – gestanden haben. Damit könnte zum einen der geografische Westen, gegen den sich Russlands Aggression richtet, gemeint sein, aber auch Militärfahrzeuge der Einheit des westlichen Militärbezirks („Zapadnyj voennyj okru“) – auf denen das Z erstmals gesichtet worden war, oder die Fahrtrichtung, in die sich ein Fahrzeug bewegt – von Russland aus kommend gen Westen, von Belarus aus kommend gen Süden. Das V würde in diesem Kontext als „Vostok“ gelesen werden, was Osten bedeutet.

Die Ukraine geht nach offiziellen Angaben davon aus, dass es sich bei Z um russische Streitkräfte vom östlichen Militärdistrikt handelt (die also gen Westen reisen), bei einem Z mit einem Rahmen um russische Streitkräfte der Krim, bei O um Streitkräfte aus Belarus, bei X um Streitkräfte aus Tschetschenien, bei V um Marineeinheiten sowie bei A um Spezialeinheiten. Eine eindeutige Zuordnung ist aber nicht möglich, da auch tschetschenische Kämpfer bereits mit Z-Symbol gesehen wurden.

Eine Bemalung von Kriegsfahrzeugen ist nicht ungewöhnlich – in Putins Krieg sogar potenziell lebensnotwendig, da die ukrainische Armee ähnliche und gleiche Fahrzeugmodelle nutzt, eben aus Zeiten der Sowjetunion. „Dass Erkennungsmerkmale aus militärischer Sicht gebraucht werden, ist klar“, sagt Gressel, „darüber wird definiert, auf wen man schießen darf und auf wen nicht.“ Die ukrainische Seite markiere ihre Vehikel mit einem gelben Strich. „Das Erkennungszeichen muss sehr einfach sein und darf nicht etwa durch Dreck unsichtbar oder unleserlich werden.“

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Russische Regierung propagiert mit Z die Einigkeit des Landes pro Putin

Vorstellbar ist, dass es sich beim Z, sowohl mit als auch ohne Rahmen, sowie beim V zunächst um eine militärische Markierung handelte, die notwendig war, ehe es wegen der einfachen Darstellungsweise zum Symbol einer ideologischen Bewegung wurde, das die Solidarität mit den russischen Soldatinnen und Soldaten sowie dem Kurs Wladimir Putins ausdrückt. Auch um diese Unterstützung in Zeiten von Demonstrationen zu zeigen, forciert Russland das Z als Symbol der Einigkeit. So prangert das weiße Z an Fassaden von Behördengebäuden sowie in Werbebeiträgen des Verteidigungsministerium, in denen das Z in den englischen Begriffen für Demilitarisierung und Denazifizierung weiß hervorgestellt ist.

Für Gressel ist das Schaffen eines gemeinsamen Symbols ein übliches Vorgehen in totalitären Systemen. „Totalitäre Systeme brauchen einfache Symbole, die einfach gemalt und geschmiert werden können“, sagt er. Das Symbol müsse einfach, klar und leicht identifizierbar sein, damit Massen damit bewegt werden können – wie in den 1930er-Jahren das Hakenkreuz, fügt er an. „Damit wird die Zustimmung zu Putins Krieg und seiner Ukraine-Politik ausgedrückt.“

Kinder formen Z auf dem Schulhof

Die Gesellschaft, zumindest jene, die Putin zugewandt ist, greift die Symbolik auf. So gibt es inzwischen Aufnahmen von Kindern, die ein Z auf dem Schulhof formen und Werbevideos von Putin-Unterstützenden wie „Team Putin“. In sozialen Medien wurden zudem Fotos geteilt, die zeigen, wie russische Streitkräfte aus den blau-gelben Uniformaufnähern gefallener ukrainischer Soldatinnen und Soldaten ein Z formen.

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Kamil Galeev schreibt auf Twitter, dass Russland dabei sei, komplett faschistisch zu werden. Die Z-Bewegung sei eine propagandistische Kampagne der Regierung, um Unterstützung für die Invasion in der Ukraine zu bekommen. Gressel sagt, die Regierung habe das Zeichen installiert und unters Volk gebracht, über prominente Träger wie den eingangs erwähnten Turner Ivan Kuliak wurde es gesellschaftsfähig.

„Damit lässt sich Druck ausüben in einer Gesellschaft, denn es ist sofort zu erkennen, wer das Regime unterstützt und wer nicht“, sagt Gressel.

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Eine erste Reaktion auf die Z-Bewegung gibt es bereits – aus Kasachstan. Dort wurden die Symbole Z und V verboten.

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