Australiens Regierungschef: Scott Morrison könnte von der Djokovic-Saga profitieren

Der serbische Tennisspieler Novak Djokovic ist in die Mühlen der australischen Bürokratie geraten.

In wenigen Monaten gehen die Australier an die Wahlurnen und die letzten Umfragen sahen düster aus für Australiens Regierungschef Scott Morrison. Zu viele Wähler scheinen mit seiner Performance während der Corona-Krise unzufrieden zu sein. Die Saga um den serbischen Tennisspieler Novak Djokovic kommt für den australischen Politiker deswegen zur richtigen Zeit. Denn sie erlaubt ihm, auf eine Strategie zurückzugreifen, die seinem Vorgänger John Howard 2001 bereits den Wahlsieg einspielte.

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Nachdem eine Gruppe von Asylbewerbern in einem gestrandeten indonesischen Fischerboot vom Kapitän der MV Tampa, einem norwegischen Containerschiff, im Indischen Ozean gerettet wurde, nutzte Howard die Eskalation für seine eigenen Zwecke. Inmitten der Angst nach dem 11. September inszenierte der frühere australische Premierminister den Vorfall als Frage der nationalen Sicherheit. Seine Worte – „wir entscheiden, wer in dieses Land kommt und die Umstände, unter denen sie kommen“ – resonierte beim australischen Volk.

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„Regeln sind Regeln“

Morrisons derzeitige Position erinnert an genau diesen Vorfall vor über 20 Jahren. So schrieb der australische Premierminister, als er am Donnerstag über Twitter bekannt gab, dass das Visum des Tennis-Stars annulliert worden sei: „Regeln sind Regeln, besonders, wenn es um unsere Grenzen geht.“ Niemand würde über diesen Regeln stehen. „Unsere strenge Grenzpolitik war entscheidend dafür, dass Australien eine der niedrigsten Sterblich­keitsraten der Welt durch Covid hat und wir bleiben weiterhin wachsam.“

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Die Ausnahmegenehmigung für den bekannten Impfgegner Djokovic hatte tags zuvor im Land für Verärgerung gesorgt, nachdem die Australier in den vergangenen zwei Jahren große Opfer – geschlossene Grenzen und monatelange Lockdowns – hin­genommen haben, um die Zahl der Todesopfer gering zu halten. „Nach allem, was die Viktorianer durchgemacht haben, ist eine Impfbefreiung für Novak Djokovic nichts als ein Schlag ins Gesicht“, schrieb die Australierin Kate Miller beispielsweise auf Twitter. „All diese Lockdowns, all das Leiden. Ernsthaft?“

Morrison punktet mit „starken“ Positionen

Auch in der Vergangenheit hatte Morrison immer dann sein Volk hinter sich, wenn er eine starke Position eingenommen hat. Bereits als Einwanderungs­minister stoppte er die Schmuggler, die Flüchtlinge per Boot nach Australien brachten, mit harschen Maßnahmen. Später legte er sich als Schatzmeister mit Amazon an, indem er eine zehnprozentige Mehrwertsteuer auf Auslands­lieferungen einführte. Als Premierminister ging Morrison dann auf Konfrontations­kurs mit den Mächtigen: Als Google sich gegen ein neues Mediengesetz in Australien wehrte und drohte, seine Suchmaschine in Australien abzuschalten, verhandelte der Politiker kurzerhand mit Microsofts Bing. Google zwang er mit dieser Methode schnell zurück an den Verhandlungs­tisch. Auch ein mehrtägiger Medien­blackout in Australien, mit dem Facebook seinem Ärger über das Gesetz Luft machte, verpuffte, nachdem Morrison sich um Unterstützung in Indien, Großbritannien, Frankreich und Kanada bemühte.

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Auch China bietet er seit Längerem die Stirn: So hat sich Australien nicht mit Kritik an Menschen­rechts­verletzungen in der Provinz Xinjiang oder in Hong­kong zurück­gehalten. Morrison hat den chinesischen Telekommunikations­anbieter Huawei vom Aufbau des australischen 5G-Netzwerks ausgeschlossen und forsch eine unabhängige Untersuchung des Pandemie­urspungs gefordert. Umfragen zeigten im Nachgang, dass dieses Verhalten beim australischen Volk gut ankam.

Sein derzeitiges Hardliner-Vorgehen im Fall Djokovic sollte ihm nun erneut Bonuspunkte beim australischen Volk verschaffen. Denn es spielt auch in die Psyche der Australier, wo viele Menschen der Meinung sind, dass reiche Leute „nicht durch die Welt marschieren“ und dabei glauben könnten, „dass sie über den Gesetzen stehen“, wie Australiens stellvertretender Premierminister Barnaby Joyce es vergangene Woche gegenüber der BBC formulierte, als er über die Djokovic-Saga sprach.

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