Wirtschaftsprognose der Institute

Es kommt schlimm – oder schlimmer: Fachleute warnen vor hoher Inflation

Für Kraftstoffe musste im März 45,8 Prozent mehr bezahlt werden als im März 2021.

Wirtschaftsforschende warnen vor steigenden Preisen.

Berlin. Kommt es schlimm? Oder kommt es noch schlimmer? Das ist die unerfreuliche Frage, mit der sich führende Wirtschaftsforschende in ihrer Gemeinschaftsdiagnose befassen.

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„Die deutsche Wirtschaft steuert durch schwieriges Fahrwasser“, schreiben sie in ihrem Frühjahrsgutachten. „Die Auftriebskräfte durch den Wegfall der Pandemiebeschränkungen, die Nachwehen der Corona-Krise und die Schockwellen durch den Krieg in der Ukraine sorgen für gegenläufige konjunkturelle Strömungen“, erklären sie. „Allen Einflüssen gemeinsam ist ihre preistreibende Wirkung.“

Prognose nach unten geschraubt

Das ist die Diagnose der Wirtschaftsforschenden – und deshalb schrauben sie ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr erheblich nach unten. Statt wie ursprünglich angenommen um 4,8 Prozent werde die deutsche Wirtschaft nur noch um 2,7 Prozent wachsen, so ihre Vorhersage. Für das Jahr 2023 gehen sie von 3,1 Prozent Wachstum aus. Klar ist damit: Die erhoffte wirtschaftliche Erholung nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie wird sich spürbar verzögern.

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Bei Gasembargo: Wirtschaftsinstitute erwarten scharfe Rezession und hohe Inflation

Führende Wirtschaftsinstitute warnen vor Rezession und der höchsten Inflation seit Bestehen der Bundesrepublik im Falle eines Stopps russischer Gaslieferungen.

Ein wichtiges Thema ist die Inflation. Die Wirtschaftswissenschaftler verweisen darauf, die Preise für die Verbraucherinnen und Verbraucher seien schon vor dem Angriff des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf die Ukraine angestiegen. Ein Grund dafür sei, dass die staatlichen Hilfspakete während der Pandemie preistreibend gewirkt hätten. Zeitweise saß – als Einschränkungen in der Corona-Politik aufgehoben wurden – auch das Geld bei vielen Verbraucherinnen und Verbraucher etwas lockerer.

Seit Kriegsbeginn treiben die hohen Energiepreise die Inflation an. Die Institute rechnen in diesem Jahr mit einer Inflationsrate knapp oberhalb von 6 Prozent.

Das düstere Szenario

Und das ist nur das sogenannte Basisszenario. Es geht zwar von erheblichen Problemen für die deutsche Wirtschaft durch die ökonomischen Folgen des russischen Kriegs in der Ukraine aus, aber eben nicht von einem Stopp der Lieferungen von Erdöl und Erdgas aus Russland.

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Für diesen Fall haben die Forschenden – die unter anderem vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel und dem Ifo-Institut in München stammen – noch ein alternatives Szenario entwickelt. Es zeigt auf, wie groß die wirtschaftlichen Risiken für Deutschland durch die weltpolitische Lage sind.

Die Folge eines sofortigen Embargos von Erdöl und Erdgas für die Lieferungen aus Russland – von welcher Seite auch immer sie entschieden würden – wäre laut Gutachten ein Verlust von 220 Milliarden Euro an gesamtwirtschaftlicher Produktion in den Jahren 2022 und 2023. Das Wachstum im Jahr 2022 dürfte dann geringer ausfallen, im Jahr 2023 würde ein Minus von fast 2 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt drohen.

Die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Fall im kommenden Jahr in eine scharfe Rezession geraten.

Stefan Kooths,

Ökonom

„Die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Fall im kommenden Jahr in eine scharfe Rezession geraten“, so fasst Stefan Kooths, Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, das Szenario im Fall eines Energieembargos zusammen. Auch der Anstieg der Verbraucherpreise würde dann weiter befeuert.

Auch jenseits dieses aus wirtschaftlicher Sicht schwierigsten Verlaufs ist die Lage bereits jetzt schwierig. Die Bundesregierung hat angesichts der Preiserhöhungen Entlastungs- und Hilfspakete für Bürgerinnen und Bürger auf den Weg gebracht. Die Ökonomen warnen allerdings, dies könne auch zu zusätzlichen Problemen führen. Wenn Hilfen nicht sehr gezielt erfolgten, könnten sie die Inflation weiter antreiben, fürchten sie. Darunter würden dann insbesondere die Menschen mit geringen Einkommen leiden.

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„Die Institute unterstützen selbstverständlich alle Bestrebungen, die Energieversorgung zu diversifizieren“, sagt Wirtschaftsforscher Kooths. „Sie rufen aber auch dazu auf, die Energiepreissignale wirken zu lassen“, fügt er hinzu.

In der Marktwirtschaft sei der sprunghafte Preisanstieg eines bestimmten Guts nicht nur Symptom des Problems, sondern immer auch schon Teil der Lösung. Denn er motiviere dazu, mit den fraglichen Ressourcen sparsamer umzugehen und nach neuen Quellen zu suchen. Aus Sicht der Ökonomen dürfen auch Wirtschaftshilfen nicht dazu führen, Geschäftsmodelle am Leben zu halten, die sich grundsätzlich nicht mehr rechnen.

Einen Faktor, der die Konjunkturaussichten weiter eintrübt, kann die deutsche Politik übrigens ohnehin nicht ausschalten. Schon allein die erhöhte Unsicherheit sei „Gift für die Konjunktur“, sagt Kooths.

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