Ukraine und Kreml beschuldigen sich gegenseitig

Evakuierung aus Mariupol erneut gescheitert: Beschuss geht laut Kreml und Ukraine weiter

Rauch steigt auf nach dem Beschuss durch russische Streitkräfte in Mariupol.

Die Evakuierung von Zivilisten aus der südukrainischen Hafenstadt Mariupol ist nach Angaben des Kreml und des Roten Kreuzes auch am zweiten Tag gescheitert. Russlands Präsident Wladimir Putin machte dafür bei einem Gespräch mit dem französischen Staatschef Emmanuel Macron die Ukraine verantwortlich, die sich nicht an die vereinbarte Feuerpause halte, wie der Kreml am Sonntag in Moskau mitteilte. Die Ukraine machte dagegen russischen Beschuss für das Scheitern der Evakuierung verantwortlich. Die geplanten Evakuierungen entlang vorgesehener humanitärer Korridore seien gestoppt worden, teilte ein Berater des ukrainischen Innenministeriums, Anton Geraschtschenko, mit.

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Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) bezeichnete den zweiten Versuch der Evakuierung Mariupols ebenfalls als erfolglos. „Der heutige Versuch, die Verlegung von geschätzt 200 000 Menschen zu beginnen, ist gescheitert“, hieß es in einem Tweet des IKRK.

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Evakuierungen hatten am Sonntag um 12.00 Uhr Ortszeit beginnen sollen, wie die Ukraine mitteilte. Eine örtliche Waffenruhe sollte demnach von 10.00 Uhr bis 21.00 Uhr gelten. Eine ähnliche Waffenruhe in Mariupol und in der nahe gelegenen Stadt Wolnowacha war am Samstag gescheitert. Dadurch steckten Frauen, Kinder und ältere Menschen angesichts weiteren Beschusses durch russische Truppen fest.

Die Bekanntgabe der neuen Waffenruhe kam, nachdem der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett nach Moskau gereist war, wo er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sprach. Die Bemühungen Israels um eine Vermittlung seien eine moralische Pflicht, sagte Bennett am Sonntag bei einer Kabinettssitzung nach seiner Rückkehr. Nach dem Besuch in Russland war Bennett zu einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz nach Deutschland gereist.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj drang erneut auf eine Flugverbotszone über der Ukraine. „Die Welt ist stark genug“, um den ukrainischen Luftraum abzuriegeln, sagte Selenskyj am Sonntag in einer Videorede.

Wenn eine Flugverbotszone eingerichtet würde, dürften keine nicht genehmigten Flugzeuge in den ukrainischen Luftraum fliegen. Der Konflikt könnte eskalieren, wenn Militär aus dem Ausland direkt involviert wäre. Die Nato-Länder haben es ausgeschlossen, eine Flugverbotszone zu überwachen. Der russische Präsident Wladimir Putin sagte am Samstag, er würde es als „Teilnahme am bewaffneten Konflikt“ betrachten, wenn ein Drittland eine Flugverbotszone verhängen würde.

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Russland war am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert. Am (morgigen) Montag soll eine dritte Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine stattfinden, wie ein Mitglied der ukrainischen Delegation, David Arachamia, sagte. Wo sie sein soll, sagte er nicht.

Papst Franziskus teilte mit, dass er zwei Kardinäle in die Ukraine entsendet habe. Der Vatikan sei bereit, für den Frieden alles zu tun, sagte der Papst. In die Ukraine geschickt wurden der päpstliche Almosenbeauftragte, Kardinal Konrad Krajewski, und der Chef des päpstlichen Büros für Migration, Kardinal Michael Czerny. Wohin die Kardinäle in der Ukraine gegangen seien, teilte der Papst nicht mit. Sie repräsentierten ihn und alle anderen Christen, sagte er.

Der Papst rief dazu auf, die Gewalt einzustellen, humanitäre Korridore einzurichten und wieder zu verhandeln. „In der Ukraine fließen Flüsse des Bluts und der Tränen“, sagte der Papst. „Das ist nicht nur eine Militäroperation, sondern ein Krieg, der Tod, Zerstörung und Elend sät“, sagte der Papst bei seinem traditionellen Segen am Sonntag.

US-Außenminister Antony Blinken war am Sonntag in der früheren Sowjetrepublik Moldau. Seit dem Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine sind von dort mehr als 230 000 Flüchtlinge nach Moldau gekommen. Die moldauische Regierung hat um internationale Hilfe beim Umgang mit den Flüchtlingszahlen gebeten. Die Gastfreundschaft in Moldau für Menschen aus der Ukraine sei bewundernswert, sagte Blinken.

Seit dem Beginn des Kriegs sind nach Angaben des Chefs des UN-Flüchtlingshilfswerks, Filippo Grandi, mehr als 1,5 Millionen Menschen aus der Ukraine geflüchtet. Seit dem Zweiten Weltkrieg sei keine andere Flüchtlingskrise in Europa so schnell gewachsen wie diese, schrieb Grandi am Sonntag bei Twitter.

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Die Weltgesundheitsorganisation WHO teilte am Sonntag mit, sie habe mindestens sechs Angriffe auf Mitarbeitende des Gesundheitswesens in der Ukraine bestätigt. Dabei seien sechs Menschen getötet und elf verletzt worden. Die WHO verurteilte die Angriffe.

Das britische Verteidigungsministerium hat die russische Strategie in der Ukraine mit russischen Taktiken in Tschetschenien und Syrien verglichen. Dort wurden Städte bombardiert und schwer beschädigt, nachdem es Russland mit unerwartetem Widerstand zu tun bekommen hatte. Um mit dem Widerstand der Ukrainer umzugehen, hätten die russischen Soldaten besiedelte Gegenden angegriffen, teilte das Verteidigungsministerium am Sonntag mit. Dazu gehörten die Städte Charkiw, Tschernihiw und Mariupol.

RND/AP/dpa/scs

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