Erbitterte Kämpfe im Donbass: Jetzt geht es um die beiden letzten Großstädte von Luhansk

Ein zerstörtes Wohnhaus in der Region Luhansk.

Prorussische Separatisten haben nach eigenen Angaben die Stadt Lyman im Osten der Ukraine eingenommen. Man habe die volle Kontrolle über 220 Siedlungen erreicht, darunter Lyman, erklärte das Militär der selbst ernannten Volksrepublik Donezk am Freitag via Telegram. Die Stadt ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Olexij Arestowytsch, gestand den Verlust Lymans ein. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte jedoch am Freitag, ukrainische Soldaten seien russischen Versuchen entgegengetreten, die ukrainischen Kräfte gänzlich aus der Stadt zu vertreiben.

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Lyman hatte vor dem Krieg mehr als 20.000 Einwohner. Die Stadt liegt westlich der zwei strategisch wichtigen Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk im Donbass, dem industriellen Kernland der Ukraine. Auf die beiden Großstädte konzentrierten sich die Kämpfe am Freitag, als russische Streitkräfte versuchten, ihre Offensive weiter voranzutreiben. Sie sind die letzten Gebiete unter ukrainischer Kontrolle in der Region Luhansk, die zusammen mit der Region Donezk, in der Lyman liegt, den Donbass bildet.

Selenskyj: „Völkermord im Donbass“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj befürchtet angesichts der massiven russischen Angriffe im Osten einen weitgehend entvölkerten Donbass.

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Der Bürgermeister von Sjewjerodonezk, Olexandr Strjuk, berichtete der Nachrichtenagentur AP von Kämpfen am Stadtrand und andauerndem, schwerem Artilleriebeschuss, der niemals aussetze. „Die Stadt wird systematisch zerstört“, sagte er: „90 Prozent der Gebäude in der Stadt sind beschädigt.“ Im Nordosten dauerte nach Strjuks Angaben am Freitag ein russischer Angriff an, um das Hotel Mir und dessen Umgebung einzunehmen.

Zuvor hatte der Bürgermeister erklärt, in seiner Stadt seien seit Beginn des Krieges mindestens 1500 Menschen getötet worden. Etwa 12.000 bis 13.000 Menschen seien in der Stadt verblieben - vor dem Krieg hatte Sjewjerodonezk eine Bevölkerung von etwa 100.000. Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, erklärte bei Telegram, in der Stadt seien binnen 24 Stunden zuletzt vier Menschen bei russischem Beschuss getötet worden.

Vor dem Hintergrund russischer Erfolge bei der Offensive erneuerte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba seine Forderung nach weiteren und ausgefeilteren Waffen aus dem Westen. Die militärische Lage in der Ostukraine sei noch schlimmer als allgemein gesagt werde, erklärte er in einem am Donnerstagabend über Twitter verbreiteten Video. „Wir brauchen schwere Waffen“, sagte er. „Wenn Ihnen an der Ukraine wirklich etwas liegt - Waffen, Waffen und nochmals Waffen.“

Kuleba sagte, schwere Waffen seien die einzige Position, auf der die russische Invasionsarmee besser ausgerüstet sei als die Ukraine. „Ohne Geschütze, ohne Mehrfachraketenwerfersysteme werden wir nicht in der Lage sein, sie zurückzudrängen“, sagte er.

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Rückendeckung erhielt er von der britischen Außenministerin Liz Truss. Die betonte in der tschechischen Hauptstadt Prag am Freitag, die Ukraine müsse mehr schwere Waffen erhalten und schrittweise mit „Nato-Standardausrüstung“ ausgestattet werden. Ein Sieg der Ukraine und ein Rückzug Russlands müsse sichergestellt werden. Gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin dürfe es keine Beschwichtigung geben.

Nahe der Stadt Dnipro im Zentrum der Ukraine wurden nach Angaben des ukrainischen Militärs in der Region bei russischen Raketenangriffen auf einen Stützpunkt der Nationalgarde zehn Menschen getötet und etwa 35 verletzt.

Selenskyj hatte in seiner nächtlichen Videoansprache an die Nation die EU kritisiert, der es bislang nicht gelungen ist, eine sechste Runde von Sanktionen gegen Russland inklusive eines Embargos gegen russisches Öl zu erlassen. Der Präsident erklärte, die russische Offensive im Donbass könne die Gemeinden dort in Asche und unbewohnbar zurücklassen. Russland verfolge mit Massendeportationen und Tötungen von Zivilisten eine „offensichtliche Politik des Genozids“.

RND/AP

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