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Vor der Landtagswahl

Das TV-Duell Wüst gegen Kutschaty in NRW: Wenn Boxer mit Wattebäuschen kämpfen sollen

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und SPD-Herausforderer Thomas Kutschaty (links) sprechen beim TV-Duell der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in NRW in der WDR-Wahlarena in der Alten Schlossfabrik.

Es ist ein neckisches Spiel, das der WDR sich hier ausgedacht hat – aber keines, das dem TV-Duell guttut.

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Das Spiel heißt: „Wo steht’s geschrieben?“ Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und sein Herausforderer Thomas Kutschaty (SPD) sollen beim TV-Duell über vorgelesene Textstellen sagen, ob sie sich im eigenen Programm oder in dem des Konkurrenten befinden.

Ein Quiz ohne Gewinner

Aus welchem Wahlprogramm stammt also der Satz: „Alle Lehrkräfte müssen den gleichen Lohn beim Eingangsgehalt verdienen“? Sowohl Wüst als auch Kutschaty nehmen den Satz für sich und das Programm der eigenen Partei in Anspruch. Die Lösung: Die Formulierung stammt wortwörtlich aus dem Programm der SPD – die CDU verspricht aber das Gleiche. So in etwa verläuft das bei den Quizfragen zum Wahlprogramm immer wieder.

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Im bevölkerungsreichsten Bundesland, in dem 18 Millionen Menschen leben, gibt es nicht nur ein enges Rennen zwischen CDU und SPD. Der Wahlkampf wird bereits seit Monaten hart geführt. Für beide Seiten geht es um viel.

Wüst, der als Nachfolger des früheren CDU-Chefs Armin Laschet erst seit rund sechs Monaten Ministerpräsident ist, will auf keinen Fall als Ministerpräsident mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen eingehen. Kutschaty will für die Sozialdemokraten die einstige Bastion NRW unbedingt zurückgewinnen. Für die Bundesparteien ist die Wahl ein überaus wichtiger Stimmungstest.

Umso erstaunlicher ist das Konzept der Sendung, bei dem Wüst und Kutschaty im Verlauf des Duells immer wieder mit ähnlichen Stellen aus ihren Wahlprogrammen konfrontiert werden. Das ist ein bisschen, als würde man Boxer dazu auffordern, doch mal mit Wattebäuschen gegeneinander zu kämpfen.

Wüst gegen Kutschaty: CDU laut Umfrage knapp vor SPD

Kurz vor der Landtagswahl am Sonntag in Nordrhein-Westfalen liegt die CDU dem ZDF-„Politbarometer“ zufolge weiterhin mit einem knappen Vorsprung vor der SPD.

Das alles kostet Zeit, die dafür fehlt, sich mehr, härter und vertiefter über die politischen Unterschiede zwischen den Bewerbern auseinanderzusetzen. Das ist die Falle, in die die Moderatorinnen dieses TV-Duell von Anfang an manövriert haben.

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Die Mühe der Kandidaten

Klar, so ganz wollen die Kandidaten bei dem Spiel, es gebe zwischen ihnen ach so viele Gemeinsamkeiten, natürlich nicht mitmachen. Wüst und Kutschaty gehen zwar höflich miteinander um, sind aber dennoch redlich bemüht, die jeweils gegnerische Partei als diejenige dazustellen, die schlechter geeignet ist, das Land zu führen. Einen entscheidenden Vorteil kann sich dabei weder Wüst noch Kutschaty erarbeiten.

Am Thema Bildung lässt sich das gut illustrieren. So hält Kutschaty Wüst im Wahlprogramm-Ratespiel natürlich sogleich vor, die CDU hätte in den vergangenen Jahren doch mehrfach für den höheren Lohn für Grundschullehrkräfte stimmen können – nämlich immer, wenn die SPD dies in die Haushaltsberatungen eingebracht habe. Wüst wiederum betont, die Priorität habe zunächst darauf gelegen, mehr Lehrerstellen zu schaffen. Jetzt werde der höhere Lohn für Lehrkräfte in den Grundschulen aber eines der ersten Projekte in der neuen Legislaturperiode sein.

Ein bestimmtes Muster

Ob Bildung, der Kampf gegen Kriminalität oder Gesundheitspolitik – die Debatte läuft immer nach demselben, erwartbaren Muster: Der Sozialdemokrat Kutschaty kritisiert, die Regierung aus CDU und FDP habe zu wenig zustande gebracht. Ministerpräsident Wüst entgegnet, die Bilanz von Rot-Grün sei viel schlechter gewesen, als dieses Bündnis regiert habe. Neue Erkenntnisse? Weitgehend Fehlanzeige. Unentschiedenen Wählerinnen und Wählern dürfte das TV-Duell nur mäßig geholfen haben.

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Unverrückbare Punkte

Welches ist der eine unverrückbare Punkt für die Kandidaten? Das werden Wüst und Kutschaty am Ende noch gefragt. „Dass wir uns kräftig anstrengen, dass Arbeitsplätze sicher bleiben“, antwortet Wüst. „Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt aller zukünftigen politischen Entscheidungen stellen“, antwortet Kutschaty.

Vermutlich könnten sie sich gegenseitig zustimmen. Aber da ist, zum Glück, die Sendezeit vorbei.

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