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Seine Bilder gingen um die Welt

Fotograf aus dem Mariupoler Stahlwerk verabschiedet sich auf Twitter in die Kriegsgefangenschaft

Mariupol: Viele Bilder von Dimitriy Kozatskiy aus dem Azovstal-Stahlwerk, etwa dieses von einem im Gesicht verwundeten ukrainischen Soldaten, gingen um die Welt.

Mariupol. Irgendwo im Inneren des weitläufigen Asow-Stahlwerks in Mariupol, in dem er sich mit seinen Kameraden verschanzt hat, löst ein ukrainischer Soldat ein Kreuzworträtsel. Mit einer Lesebrille auf der Nase und voller Konzentration in das Rätsel vertieft, wirkt er friedlich - in dieser vom Krieg verwüsteten Stadt und inmitten einer gewaltsamen Belagerung, die alles andere als friedlich war.

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Gegen eine Betonwand gelehnt, in schweren Kampfstiefeln und Tarnuniform, liegt er sicher nicht bequem. Aber er ist so in das Kreuzworträtsel versunken, dass ihm das egal zu sein scheint. Und auch den Fotografen zu seiner Rechten bemerkt er offenbar nicht, der diesen Moment in der letzten Bastion ukrainischen Widerstands im Azovstal-Werk mit seiner Kamera festhält.

Dieser Soldat schenkte Dimitriy Kozatskiy trotz schwerer Verwundung noch ein Lächeln - mit einem eindeutigen Zeichen für den Wunsch nach Frieden.

Dieser Soldat schenkte Dimitriy Kozatskiy trotz schwerer Verwundung noch ein Lächeln - mit einem eindeutigen Zeichen für den Wunsch nach Frieden.

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Fast drei Monate lang harrten die Soldaten dort aus, in den Tunneln und Bunkern unter den Ruinen der weitverzweigten Anlage. Wegen ihres hartnäckigen Widerstands konnten die russischen Truppen, die den Rest von Mariupol längst eingenommen hatten, noch nicht den Sieg ausrufen. Und die Russen konnten nicht alle abgezogen werden, um an anderen Fronten gegen ukrainische Verteidiger zu kämpfen. Beide Seiten saßen fest, in einem bleibenden Bild des seit Monaten andauernden Kriegs.

Fotograf in der letzten Bastion von Mariupol

Der Fotograf und Soldat Dimitriy Kozatskiy war unter ihnen, auf ukrainischer Seite. Jetzt ist er ein Kriegsgefangener. Seine Fotos sind sein Vermächtnis.

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Kozatskiy postete eine Auswahl der Bilder auf Twitter, bevor er sich seinen Kameraden anschloss, die in dieser Woche nach und nach die Waffen niederlegten. Zu Hunderten verließen sie das Stahlwerk, trugen ihre Verwundeten. Sie folgten damit einem Befehl des ukrainischen Oberkommandos, ihr Leben zu retten, nachdem sie ihre bisherige Mission erfüllt hatten, den russischen Vormarsch zu behindern.

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Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ergaben sich seit Montag 2439 ukrainische Soldaten in dem Stahlwerk. Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärte die Fabrik am Freitag für „vollständig befreit“. Damit habe Russland die volle Kontrolle über die Hafenstadt am Asowschen Meer im Süden der Ukraine, sagte Schoigus Sprecher Igor Konaschenkow. Eine Bestätigung von ukrainischer Seite lag zunächst nicht vor.

Russland meldet „vollständige Befreiung“ des Stahlwerks in Mariupol

Nach russischen Angaben haben sich alle ukrainischen Soldaten im Asow-Stahlwerk ergeben. Damit habe Russland die volle Kontrolle über Mariupol.

Ein letzte Botschaft aus dem Stahlwerk

Doch Kozatskiy Fotos erzählen Geschichten der Verteidiger, die nicht so leicht ausgelöscht werden können. Eines zeigt einen Soldaten, der eine Zigarette bis zum Stummel zu Ende raucht. Sollte es seine letzte sein? Auf einem anderen ist ein Kämpfer zu sehen, der einem Kameraden mit einem kleinen Elektrogerät die grauen Haare kürzt. Sogar dort unten, in den Tiefen des Stahlwerks, muss das Leben weitergehen, scheint die Botschaft zu sein.

Ein anderes zeigt zwei Mitglieder der Truppe, die gedankenverloren in ein Feuer aus Brennholz schauen und dabei - möglicherweise - an frühere, glücklichere Zeiten zurückdenken. Hoffnung spendet vor allem seine Aufnahme von einem Soldaten, der mit ausgebreiteten Armen in einen Lichtstrahl von einfallenden Sonnenstrahlen steht.

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Kosazkys letzte Botschaften auf Twitter wurden am Freitagmorgen gepostet. „Nun, das ist alles. Danke aus der Zuflucht von Azovstal - dem Ort meines Todes und meines Lebens“, schrieb er. Er postete einen Link zu seinen Fotos, zum Download „während ich in Gefangenschaft bin“. „Schickt sie an alle journalistischen Preisverleihungen und Fotowettbewerbe“, erklärte er. „Wenn ich etwas gewinne, wird das nach der Freilassung sehr schön sein.“

RND/AP/jst

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