Der unmoralische Boom von Rüstungsaktien

Das Gegenteil von woke: Kohle machen mit Rüstungsaktien

Ein „Infanterist der Zukunft“ steht neben einem Kampfpanzer Panther KF51 des Rüstungskonzerns Rheinmetall im Rheinmetall-Werk Unterlüß.

Ein „Infanterist der Zukunft“ steht neben einem Kampfpanzer Panther KF51 des Rüstungskonzerns Rheinmetall im Rheinmetall-Werk Unterlüß.

Auch an der Börse gibt es Aktien und Fonds, die gelten als woke: CO₂-freie Geldanlagen, Investitionen in den Klima- und Umweltschutz, aber auch ökonomische und soziale Projekte. Und es gibt das Gegenteil: Rüstungsbetriebe, deren Aktien vor allem in den ersten Tagen des Ukraine-Krieges sprunghaft angestiegen sind – natürlich gegen den allgemeinen Trend, der bis heute anhält. Einer Untersuchung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) zufolge machten Rüstungsaktien im „Friedensjahr“ 2021 mit 9000 Kauf- oder Verkaufsorders gerade einmal 0,06 Prozent aller ausgegebenen Orders aus.

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Das hat sich im ersten Quartal des „Kriegsjahres“ 2022 komplett gedreht. Russlands Aufmarsch an der ukrainischen Grenze und der Beginn des Angriffskrieges am 24. Februar 2022 führten zu einem sprunghaften Nachfrageanstieg. Der Run auf Rüstungsaktien wie etwa Northrop Grumman aus den USA, Rheinmetall aus Deutschland oder die schweizerische Ruag habe sich demnach im ersten Quartal 2022 auf 68.000 Orders mehr als versiebenfacht.

Zuwachs von 837 Prozent

Bei deutschen Kunden war der Anstieg mit einem Zuwachs von 837 Prozent sogar deutlich höher als im sonstigen Europa. 62 Prozent dieser Orders waren Kaufaufträge, ein Anteil der damit 3 Prozentpunkte über dem Anteil in der Gesamtgruppe lag. Im zweiten Quartal ließ das Interesse an Rüstungsaktien laut der „FAZ“ dann nach, von April bis Juli gab es nur noch 40.000 Orders, ein Minus von 41 Prozent. In Deutschland fiel der Rückgang mit 37 Prozent etwas geringer aus, auch waren nur noch 54 Prozent der Orders Kaufaufträge. Nichtsdestoweniger war damit auch noch im zweiten Quartal das Volumen der Aufträge für Rüstungsaktien rund viereinhalb Mal so hoch wie im Schlussquartal des Jahres 2021.

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Rüstungsaktien haben also, Putin sei Dank, bei vielen Menschen ihr „Igitt-Image“ ein Stück weit verloren: So finden es nur noch rund 53 Prozent der Menschen in Deutschland moralisch verwerflich, Geld in Rüstungsunternehmen zu investieren, geht aus einer Erhebung des Vergleichsportals Verivox mit 1040 Befragten hervor. Und selbst von denen, die Rüstungsaktien ablehnen, findet es es fast 21 Prozent für vertretbar, privates Geld in solchen Anteilen zu investieren. Und weitere 19,3 Prozent zweifeln an ihrer einst ablehnenden Position.

Bleibt die Frage, ob sich tatsächlich „Kohle mit Kanonen“ verdienen ließ, in einem Jahr, in dem uns täglich Meldungen über Gefechte und Waffenlieferungen aus der Ukraine erreichen.

Der gleich nach Kriegsbeginn von der Schweizer Bank UBS ins Leben gerufene europäische EU Defense Index ist seitdem um rund 15 Prozent gestiegen, während der Stoxx Europe 50 stark nachgab. Allerdings endeten die Kursgewinne schon Mitte April. Und es lief nicht jede Rüstungsaktie gut.

Rüstungskonzern Rheinmetall: Erste Marder-Panzer für die Ukraine bald lieferbar

Der Rüstungskonzern Rheinmetall will die ersten instandgesetzten Schützenpanzer vom Typ Marder in drei Wochen liefern können.

Rheinmetall ist zwar im M-Dax seit Ende Februar mit einem Plus von 67 Prozent der beste Wert. Im Juni hatte die Aktie ein neues Allzeithoch mit fast 225 Euro erreicht. Vorher lag der Kurs bis Anfang März bei um die 80 Euro. Seit Juli sind Schwankungen zu erkennen, allerdings mit einem Abwärtstrend. So liegt der Kurs aktuell bei 150 Euro, hat aber noch nicht seinen alten Kurs von zwischen 60 bis 80 Euro angenommen.

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Deutscher Stahlhersteller Thyssenkrupp

Thyssenkrupp ist ein deutscher Stahlhersteller, welcher mit seiner Geschäftseinheit Marine Systems rund 5 Prozent seines Gesamtumsatzes mit Rüstungsgütern wie U-Booten und Minenkampfschiffe erwirtschaftet. Anfang März konnten auch sie ein Plus von ungefähr 15 Prozent einfahren, nachdem sie Anfang Februar ursprünglich diskutiert hatten, aufgrund des schlechten Images der Rüstungssparte Marine Systems zu verkaufen.

Offenbar haben der Krieg und der Boom der Rüstungsaktien dieses Vorhaben gestoppt. Zur Zeit befindet sich die Thyssenkrupp-Aktie auf einem Abwärtstrend. Sie hat nach dem Hoch Anfang März bei 9 Euro ungefähr 42 Prozent in den letzten sechs Monaten verloren und liegt aktuell bei etwas über 5 Euro.

Lockheed Martin F-22 Raptor wird während eines Medientages mit Mitgliedern der polnischen und US-amerikanischen Luftwaffen auf dem 32. taktischen Luftwaffenstützpunkt in Lask präsentiert.

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Der Kurs des weltweit größten Rüstungskonzerns Lockheed Martin konnte seit Februar um ungefähr 25 Prozent steigen. Anders als die deutschen Konzerne geht der Aufwärtstrend bei Lockheed Martin weiter und die Aktie konnte Mitte August ein neues Allzeithoch mit fast 440 Euro erreichen. Auch wenn es zwischendurch Schwankungen gab, ist der aktuelle Kurs bei 427 Euro immer noch auf hohem Niveau.

Zum Vergleich: Der deutsche Aktienindex Dax hat seit 24. Februar etwa 13 Prozent verloren.

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