Spahn fordert 2G plus für öffentliche Veranstaltungen – Tests ab Samstag wieder kostenfrei

Jens Spahn (CDU), geschäftsführender Bundesgesundheitsminister, und Lothar H. Wieler (rechts), Präsident des Robert Koch Institut (RKI) (Archivbild).

Jens Spahn (CDU), geschäftsführender Bundesgesundheitsminister, und Lothar H. Wieler (rechts), Präsident des Robert Koch Institut (RKI) (Archivbild).

Berlin. Die Corona-Infektionszahlen sind so hoch wie niemals zuvor. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, haben sich am heutigen Freitag in einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland geäußert. Spahn forderte die Einführung einer 2G-plus-Regelung.

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„Die Situation ist ernst und ich empfehle allen, sie auch ernst zu nehmen“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn. Wenn das nicht passiere, würden sich die Inzidenzen in Zukunft stetig verdoppeln. In einigen Regionen Deutschlands bestehe bereits jetzt aufgrund der Corona-Situation das Risiko, als Notfallpatient nicht auf einer Intensivstation versorgt werden zu können. Spahn warnte, dass nun etwas getan werden müsse: „Sonst wird es für alle ein bitterer Dezember.“

Spahn fordert 2G plus

Der Gesundheitsminister forderte ein entschlosseneres Handeln in der Corona-Pandemie. „Impfen und Testen reicht nicht mehr“, sagte Spahn. Aus seiner Sicht sei es jetzt nur konsequent, öffentliche Veranstaltungen unter der Maßgabe „2G plus“ stattfinden zu lassen. Dann wäre eine Teilnahme für Geimpfte und Genese nur mit aktuellem Test möglich.

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Einmal mehr verwies der Gesundheitsminister auf die Notwendigkeit einer Impfung. „Impfen macht den entscheidenden Unterschied“, sagte Spahn. Per Verordnung sollen die Impfzentren bis April mindestens zur Hälfte finanziert werden. Die kostenfreien Bürgertests werden zudem wieder eingeführt – eine entsprechende Verordnung solle ab Samstag gelten. Trotz allem hielt der Gesundheitsminister weitere Lockdowns – zumindest auf regionaler Ebene – nicht für ausgeschlossen.

Spahn räumt möglicherweise falsche Botschaft ein

Weiter kritisierte Spahn die Pläne von SPD, Grünen und FDP im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus als unzureichend. „Es braucht mehr, als aktuell möglich gemacht werden soll.“ Bei den von den Ampelpartnern vorgelegten Plänen zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes sind etwa keine pauschalen Schließungen von Einrichtungen mehr als Möglichkeit für die Länder vorgesehen. Die vom Bundestag festgestellte epidemische Lage als Rechtsbasis für umfassende Maßnahmen soll den Plänen der werdenden Ampelkoalition zufolge am 25. November auslaufen und durch einen schmaleren Instrumentenkatalog ersetzt werden.

Spahn räumte zugleich ein, dass er selbst möglicherweise eine falsche Botschaft gegeben habe, als er Mitte Oktober gesagt hatte, die epidemische Lage könne auslaufen. Er habe damals vielleicht nicht ausreichend klar gemacht: „Die Pandemie ist noch nicht vorbei.“ Allerdings hätten er, das Robert Koch-Institut und andere bereits im Sommer immer wieder auf Prognosen hingewiesen, nach denen die Corona-Zahlen wieder stark steigen könnten. „Es passiert jetzt gerade nichts, was nicht schon vorher in Prognosen oder Aussagen von uns allen gewesen ist“, betonte Spahn.

RKI-Chef Lothar Wieler forderte die Menschen auf, die Kontakte wieder einzuschränken und sich an die AHA-Regeln zu halten. Zudem empfahl Wieler verstärkt auf Corona-Tests zu setzen. „Bitte lassen Sie uns gemeinsam jetzt handeln“, plädierte der RKI-Chef einmal mehr für eine Impfung. Auffrischungsimpfungen alleine reichen aber nach Ansicht des RKI-Präsidenten nicht aus, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen.

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Das Boostern erhöhe den Immunschutz stark und verringere die Viruslast, sollte sich ein Geimpfter später anstecken. Damit das Infektionsgeschehen kontrollierbar werde, müssten aber mindestens 90 Prozent der Menschen eine Immunität aufbauen – durch Impfung oder Infektion. Das heiße nicht, dass das Virus dann verschwinde. „Dann wird das eine Krankheit sein wie viele andere, die nach wie vor noch auch zu Todesfällen führt, aber sie wird eben nicht mehr dazu führen, dass sie in irgendeiner Weise unser System überlastet.“

RKI fordert massive Einschränkungen

Je mehr Menschen eine Immunität haben, umso geringer werde die Krankheitslast, führte Wieler weiter aus. Er warb dabei erneut eindringlich darum, das Impfangebot wahrzunehmen. „Und jeder wirklich vernünftige, verantwortungsvolle Menschen möchte lieber diese Immunität bekommen durch eine Impfung als durch eine Infektion. „Es ist einfach der bessere Weg, die Impfstoffe sind sicher und wirksam.“ Zudem warnte er vor Großveranstaltungen. Diese seien „Superspreaderevents“, die aus Wielers Sicht abgesagt werden müssten.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte bereits am Donnerstag angesichts der Wucht der vierten Corona-Welle die Rückkehr zu massiven Einschränkungen in Deutschland gefordert. Man rate „dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren“, heißt es im neuen Wochenbericht der Behörde. Die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten wollen am kommenden Donnerstag über den weiteren Kurs in der Corona-Pandemie beraten.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist am Freitag derweil erneut angestiegen und hat den fünften Tag in Folge einen Höchstwert erreicht. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Freitagmorgen mit 263,7 an.

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RND/dpa/ag

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