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Sympathie für Autokraten

Trumps bizarre Bombendrohung: Wo stünde die Welt, wenn er noch US-Präsident wäre?

Starke Männer unter sich: Wladimir Putin und Donald Trump bei einem Treffen 2018.

Washington. Natürlich ist es hinterher nur ein Scherz gewesen – wie schon zu Beginn seiner Präsidentschaft die Drohung mit der Vernichtung Nordkoreas und unzählige weitere Ungeheuerlichkeiten während seiner Amtszeit. Bei einer Spendergala in New Orleans schwadronierte Donald Trump am Samstag, die USA könnten im Krieg gegen die Ukraine eigene F-22-Flugzeuge mit chinesischen Fahnen tarnen und dann „den Russen die Scheiße aus dem Leib bomben“.

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+++ Alle aktuellen Entwicklungen im Liveblog +++

Anschließend solle Washington jede Verantwortung leugnen und entspannt zuschauen, wie sich Russland und China gegenseitig zerlegen.

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Ein Witz, wie Trumps Apologeten nun flugs behaupten werden? Nichts an diesem Szenario ist lustig. Nicht nur, weil sich solche Zynismen angesichts der apokalyptischen Bilder aus Mariupol und anderen ukrainischen Städten verbieten. Vor allem verrät die Bemerkung jenseits des kranken Humors mehr über den einstmals mächtigsten Mann der Welt, als diesem lieb sein kann: Trump ist ein selbstmitleidiger Narzisst mit perversen Gewaltfantasien. Er hat von der politischen Wirklichkeit keine Ahnung. Und er bewundert totalitäre Herrscher.

Vor zwei Wochen pries Trump die russischen „Friedenstruppen“

Noch vor knapp zwei Wochen, buchstäblich am Vorabend des Überfalls auf die Ukraine, hatte Trump den russischen Machthaber Wladimir Putin ein „Genie“ genannt und die angebliche Entsendung russischer Soldaten in zwei ostukrainische Provinzen „wunderbar“ genannt: „Das sind die stärksten Friedenstruppen, die wir je gesehen haben.“ Nun ergeht er sich in blutrünstigen Kraftmeiereien gegenüber Moskau und greift seinen Nachfolger Joe Biden als Schwächling an.

Das provoziert die Frage: Wo stünde die Welt, wenn dem eiskalten Massenmörder Putin auf der anderen Seite des Atlantiks ein Präsident Donald Trump gegenübersäße? „Mit Trump wäre es nie so weit gekommen“, ist das Credo der rechten US-Republikaner. Vielen anderen Amerikanern läuft ein kalter Schauer den Rücken herunter.

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„Er wusste kaum, wo die Ukraine liegt“, hat Trumps einstiger Sicherheitsberater John Bolton gerade bei einer Veranstaltung der „Washington Post“ berichtet und daran erinnert, wie sich der Ex-Präsident einst bei seinem Stabschef John Kelly erkundigte, ob Finnland wohl ein Teil von Russland sei. Dass Trump die Ukraine besonders am Herzen gelegen habe, kann man wirklich nicht sagen.

Im Gegenteil: Er vermutete Kiew stets hinter den Versuchen, seine Russland-Beziehungen offenzulegen. „Die Ukraine ist ein furchtbares Land. Die sind alle korrupt. Das sind schreckliche Menschen“, hat er nach Angaben des ehemaligen amerikanischen Ukraine-Beauftragten Kurt Volker im Mai 2019 im Oval Office gepöbelt.

Die Erpressung von Wolodymyr Selenskyj

Vor allem hielt er damals die vom Kongress bereits genehmigten Militärhilfen für das Land zurück und versuchte, in einem Telefongespräch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu erpressen: Nur, wenn dieser sich an einer Schmutzkampagne gegen Biden beteilige, sollte das Geld fließen. Auf eine besondere Sensibilität für die Bedrohungslage durch Russland deutet das kaum hin.

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Auf der anderen Seite zeigte Trump offene Bewunderung für Putin. Als er bei einem Gipfeltreffen im Juli 2018 von einem Journalisten direkt gefragt wurde, ob er dem Ex-KGB-Mann oder seinen US-Geheimdiensten glaube, die eine massive russische Einmischung in die amerikanischen Wahlen offengelegt hatten, antwortete er: „Präsident Putin sagt, dass es Russland nicht war. Ich sehe keinen Grund, warum er dafür verantwortlich sein sollte.“

Man mag sich nicht vorstellen, was Trump im Vorfeld der Ukraine-Invasion auf eine ähnliche Frage geantwortet hätte. Seine jetzige Behauptung, niemand sei härter als er zu Putin gewesen, klingt jedenfalls absurd.

Trump hat den Kremlherrscher stets bewundert. Er hält ihn für „schlau“. Und er beneidet offen Autokraten, die so hart sein können, wie er selber es gerne wäre. Er hat nach sowjetischem Vorbild die freie Presse als „Volksfeind“ diffamiert. Im Beisein Putins verunglimpfte er im Juni 2019 beim G20-Gipfel in Osaka die amerikanischen Reporter: „Fake News.“ Und dann zu Putin: „Sie haben das Problem in Russland nicht!“ Der Russe widersprach: „Doch, doch. Wir haben das auch. Dasselbe.“

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Mit einem Zensurgesetz, das Journalisten mit 15 Jahren Gefängnis bedroht, wenn sie die Wahrheit über den russischen Angriffskrieg schreiben, hat Putin das „Problem“ nun gelöst. Selbst wenn er es wollte, wäre Trump der Letzte, der sich glaubhaft für Meinungsfreiheit und Menschenrechte einsetzen könnte.

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Wäre Trump aus der Nato ausgetreten?

Und die Kämpfe in der Ukraine? „Ich kenne Putin sehr gut. Er würde das nie gemacht haben“, behauptete Trump bei dem Abendessen mit seinen Geldgebern. Das stimmt für Trumps erste Amtszeit – aber wahrscheinlich aus ganz anderen Gründen, als der manische Egozentriker glaubt. Putin sei damals schlicht noch nicht so weit gewesen, glauben Russland-Experten. Etwas anderes dürfte dazugekommen sein: „In seiner zweiten Amtszeit wäre Trump wohl aus der Nato ausgetreten“, berichtet John Bolton. „Ich glaube, dass Putin darauf gewartet hat.“

Jedenfalls hätte Trump, der die Nato für einen nicht profitablen Golfclub mit säumigen Zahlern hielt, eine rücksichtslos nationalistische America-first-Politik betrieb und Deutschland regelmäßig als Punchingball benutzte, niemals eine derart geschlossene Reaktion des Westens auf Putins Aggression zusammengebracht wie sein Nachfolger Joe Biden. Und dass er Putin mit seinen halbstarken Twitter-Tiraden beeindruckt hätte, darf bezweifelt werden.

„Die Menschen sind froh, dass Präsident Biden sich nicht aus dem Drehbuch seines Vorgängers bedient, wenn es um ein weltweites Engagement und Führungsverantwortung geht“, kommentierte Bidens Sprecherin Jen Psaki die jüngsten Trump-Äußerungen. Die Umfragen geben ihr recht: Trotz ansonsten schlechter Werte unterstützt die Mehrheit der Amerikaner den Ukraine-Kurs ihres Präsidenten.

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