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Stiko empfiehlt Impfung ab 70 Jahre

Übergeht er wieder die Stiko? Kritik an Lauterbachs Vorpreschen bei vierter Impfung ab 60

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, will die vierte Impfung ab 60 Jahre.

Nachdem Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine europäische Empfehlung für die vierte Corona-Impfung ab 60 Jahren gefordert hat, prüft nun die EU-Kommission diesen Vorschlag. Lauterbachs Vorgehen sorgt für Kritik, er würde die Ständige Impfkommission (Stiko) übergehen. „Minister Lauterbach treibt in Brüssel die Viertimpfung voran, während er in Berlin noch auf die neue Stiko-Empfehlung wartet“, sagte der CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Noch vor Wochen habe Lauterbach die Daten zur Viertimpfung als nicht überzeugend kritisiert, so Sorge, und auch die Stiko habe über die begrenzte Datenlage geklagt. „Jetzt aber ist Lauterbach plötzlich schneller als die Experten der Stiko“, so Sorge, der Verwirrung und Unruhe in der „ohnehin stagnierenden Impfkampagne“ fürchtet.

Der Oppositionspolitiker bekräftigte, dass die Stiko unabhängig entscheiden müsse. Zustimmung erhält er in diesem Punkt von der FDP. Auch wenn Studien aus Israel für eine vierte Impfung ab 60 Jahren sprechen würden, dürfe auf die Entscheidung der Stiko „kein Druck von außen“ ausgeübt werden, mahnte die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus an. Grünen-Gesundheitsexperte und Oberarzt Janosch Dahmen stellt sich hinter Lauterbach. „Ein zweiter Booster ab 60 Jahren ist aus medizinischer Sicht äußert sinnvoll“, begrüßte er die Forderung des Gesundheitsministers. „Bei älteren Menschen lässt der Schutz der Impfung grundsätzlich schneller nach als bei jüngeren.“

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Derzeit empfiehlt die Stiko die vierte Impfung erst ab 70 Jahren. Diese Empfehlung ist zwar nicht bindend, aber die meisten Ärztinnen und Ärzte orientieren sich daran. Doch nur wenige der über 70-Jährigen haben sich in den vergangenen Wochen für die Viertimpfung entschieden. Das räumt auch Dahmen ein. „Bislang fehlt eine zielgruppenspezifische Aufklärungskampagne für den zweiten Booster“, sagte er und forderte, dass Länder und Kommunen dort systematisch werben sollten, wo ältere Menschen erreicht werden können. „Wenn durch Aufklärung keine ausreichende Impfquote erreicht werden kann, wird an der Impfpflicht kein Weg vorbeiführen“, so Dahmen, denn die Impflücke sei bei Älteren insgesamt zu hoch.

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wirbt EU-weit für eine vierte Corona-Impfung für alle ab 60 Jahren.

Damit sich mehr ältere Menschen für die vierte Impfung entscheiden, sei laut FDP und SPD eine bessere Kommunikation nötig. „Wir müssen die Wirksamkeit und den Schutz einer Impfung immer wieder hervorheben“, so FDP-Politikerin Aschenberg-Dugnus, die mit einer „direkten Ansprache“ den Menschen „Ängste und Sorgen“ nehmen will. Für die SPD-Gesundheitspolitikerin Baehrens haben auch die vielen Falschinformationen über Impfungen Schuld. „Hätten wir heute eine Impfquote von 90 Prozent, steckten wir nicht in dieser gravierenden Infektionswelle fest.“

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