US-Experten: 70 Prozent der für Invasion nötigen russischen Truppen stehen an Grenze zur Ukraine

Dieses Satellitenbild zeigt Truppen und logistische Unterstützungseinheiten in der Nähe von Jelsk, Belarus. Russland hat Truppen aus Sibirien und dem Fernen Osten für umfassende gemeinsame Übungen nach Belarus verlegt.

Washington. Russland hat US-Experten zufolge entlang der ukrainischen Grenze mindestens 70 Prozent der Feuerkraft stationiert, die es vermutlich für eine Invasion des Nachbarlandes benötigt. Das geht aus internen Analysen amerikanischer Militärfachleute hervor, über die in Washington informierte Personen unter Bedingung der Anonymität sprachen. Falls der russische Präsident Wladimir Putin einen Angriff auf die Ukraine wolle, wäre das in den kommenden Wochen möglich. Größe und Ausmaß seien aber unklar und betont wurde auch, dass eine diplomatische Lösung des Konflikts noch möglich sei.

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Zu den Anzeichen für eine bevorstehende Invasion zählen die Militärkreise: Eine Übung der strategischen Atomstreitkräfte, die normalerweise im Herbst stattfindet, wurde auf Mitte Februar bis März angesetzt. Dieser Zeitraum ist der nach Einschätzung Washingtons wahrscheinlichste für eine russische Invasion in der Ukraine. Ob dabei Atomwaffen eingesetzt werden sollen, ging aus der internen Analyse nicht hervor. Das Manöver könnte aber als Botschaft an den Westen dienen, nicht in einen militärischen Konflikt in der Ukraine zu intervenieren.

US-Regierungskreise gehen davon aus, dass ein russischer Angriff die ukrainischen Streitkräfte relativ schnell überwältigen könnte. Moskau könnte nach einem militärischen Erfolg aber mit einem Aufstand und Untergrundkrieg konfrontiert werden.

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Biden will keine US-Truppen in die Ukraine schicken

Die US-Regierung hat Geheimdienstinformationen veröffentlicht, dass Russland mit einem Angriff „unter falscher Flagge“ einen Anlass für eine Invasion vorbereite. Sie ist dafür kritisiert worden, keinerlei Belege für diese These präsentiert zu haben.

US-Präsident Joe Biden hat erklärt, dass keine US-Truppen in die Ukraine geschickt würden, um in einem Krieg zu kämpfen. Er hat aber zusätzliche Einheiten nach Polen und Rumänien entsandt, um zu signalisieren, dass Washington entschlossen sei, bei einem russischen Angriff auf Nato-Gebiet die Verbündeten zu unterstützen.

Der Kommandeur der 82. Luftlandedivision, Generalmajor Christopher Donahue, traf am Samstag nach US-Militärangaben in Polen ein. 1700 Soldaten der Division sollen von Fort Bragg in North Carolina nach Polen verlegt werden, 300 von Bragg nach Deutschland. Von Deutschland aus sollen 1000 Soldaten nach Rumänien entsendet werden.

Russische Truppenstärke an Grenze zur Ukraine könnte bald 150.000 Mann erreichen

Die Fachleute bekräftigen in ihrer Analyse, was Biden und seine Regierung seit Wochen sagen: Dass Putin vermutlich noch keine Entscheidung getroffen habe, ob er den Befehl zur Invasion gibt oder nicht. Es sei möglich, dass er bis zum letzten Moment wartet. Insgesamt seien 83 taktische Bataillonsgruppen entlang der ukrainischen Grenze seit Freitag in Stellung, 23 mehr als vor zwei Wochen. Jede taktische Bataillonsgruppe kann aus 750 bis 1000 Soldaten bestehen.

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14 weitere dieser Einheiten seien auf dem Weg an die Grenze. Zwei Gewährsleute sagten, für eine Invasion mit voller Wucht wolle die russische Militärführung vermutlich 110 bis 130 dieser Einheiten zur Verfügung haben. Insgesamt dürfte das auf eine Truppenstärke von 150.000 Mann hinauslaufen. In den kommenden Wochen könnte das erreicht werden.

Ein Großangriff auf die Ukraine mit einem direkten Vorstoß auf Kiew von der belarussischen Grenze aus ist den Experten zufolge eine Option Putins. Kiew liegt nur 75 Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt. Denkbar seien auch Angriffe im Osten und Süden, um die ukrainischen Streitkräfte auseinander zu ziehen und mit der überlegenen Feuerkraft aufzureiben. Putin könnte sich aber auch für weniger aufwendige Optionen entscheiden wie Sabotage, Cyberangriffe und andere destabilisierende Aktionen mit dem Ziel, die ukrainische Regierung zu stürzen.

Russland bestreitet Pläne für eine Invasion in der Ukraine, fordert aber Sicherheitsgarantien, darunter den Verzicht der Nato auf die Aufnahme der Ukraine und anderer ehemaliger Sowjetrepubliken in die Allianz. Die USA und die Nato haben die Forderungen zurückgewiesen.

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RND/AP

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