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Will der Westen gar keinen Gegenschlag?

Militärexperte warnt: Waffenlieferungen an Ukraine reichen nicht für Gegenoffensive

Ein ukrainischer Soldat steht mit der Flagge seines Landes im Hintergrund auf einem Panzer, außerhalb von Kiew.

Der Militärexperte Gustav Gressel sieht die ukrainische Armee trotz Waffenlieferungen aus dem Westen schlecht ausgestattet. „Die bisher zugesagten Waffenlieferungen gleichen nur zum Teil die Verluste aus“, sagt der Experte vom Thinktank European Council on Foreign Relations im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die schweren Waffen aus Polen und Tschechien können allenfalls Gefechtsverluste ausgleichen. Das treffe etwa auf Panzer zu. „Bei gepanzerten Fahrzeugen können durch die bisher angekündigten Lieferungen aber nicht einmal die Verluste ausgeglichen werden.“

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Mit den Waffenlieferungen aus dem Westen könne die Ukraine auch keine Reserven für den weiteren Kampf aufbauen. „Und für eine Rückeroberung benötigt die Ukraine noch einmal deutlich mehr Waffen aus dem Westen.“ Er ist daher alles andere als optimistisch, dass die ukrainischen Truppen schnell große Gebiete zurückgewinnen werden. Derzeit verfüge die Ukraine noch über viele Handfeuerwaffen und Maschinengewehre. „Aber die Artillerie ist schon jetzt knapp, es mangelt an schwerer Munition, an Raketenwerfern und gepanzerten Fahrzeugen“, so Gressel.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angekündigt, alle Gebiete zurückerobern zu wollen – einschließlich der 2014 von Russland völkerrechtswidrig annektierten Halbinsel Krim. „Die Ukraine wird kein Territorium abgeben“, sagte Selenskyj. Doch will der Westen solange Waffen liefern, bis sich alle russischen Soldaten hinter die Grenze zurückgezogen haben? Beobachtende wie der Russland-Experte Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck stellen fest, dass sich der Westen in dieser Frage uneinig ist.

„Die USA, Großbritannien, Polen und die baltischen Staaten sind der Auffassung, dass sich Russland vollständig aus dem ukrainischen Territorium zurückziehen muss“, sagt der Professor für Internationale Beziehungen im Gespräch mit dem RND. „Auf der anderen Seite stehen Deutschland, Frankreich und Italien, die eine schnelle Waffenruhe als Kriegsziel ansehen und anschließend Verhandlungen führen wollen.“ Diese drei Großmächte der Europäischen Union würden nicht wollen, dass der Krieg für Russland in einer totalen Niederlage ende. „Sie fürchten um die Stabilität der russischen Führung, weil sie wissen, dass Putin diesen Krieg nicht verlieren darf, wenn er an der Macht bleiben will“, analysiert Mangott. Er fügt hinzu: „Und sie fürchten, dass Putin dann Nuklearwaffen einsetzen könnte, wenn ihm in der Ukraine eine totale Niederlage droht.“

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Dabei ist unter Fachleuten unumstritten, dass eine Waffenruhe Russland Vorteile bringt. Die russischen Truppen würden dann Zeit gewinnen, um sich in die eroberten Gebiete einzugraben und Verteidigungsstellungen zu errichten. Besonders im schwierigen Gelände des Donbass würde das eine Rückeroberung sehr erschweren, erklärt Gressel. Laut der ukrainischen Vize-Verteidigungsministerin Hanna Malyar hätten die Kämpfe im Donbass nun ihre „maximale Intensität“ erreicht. Die russischen Streitkräfte haben inzwischen die Kontrolle über mehr als 95 Prozent der Region Luhansk übernommen.

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