Zum Jahresende: RWE schaltet mehrere Atom- und Kohlekraftwerke ab

Dampf steigt aus den Kühltürmen des Atomkraftwerks Grohnde auf. Nach rund 36 Jahren geht das Kernkraftwerk im Weserbergland bei Hameln am 31. Dezember 2021 endgültig vom Netz. Der Betreiber Preussenelektra rechnet damit, dass der anschließende nukleare Rückbau 10 bis 15 Jahre dauern wird.

Essen / Berlin / Brokdorf. Der Energiekonzern RWE schaltet zum Jahresende Atom- und Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 2200 Megawatt (MW) ab.

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Am bayerischen Standort Gundremmingen werde als letzte Anlage des Atomkraftwerks der Siedewasserreaktor Block C mit rund 1300 MW stillgelegt, teilte RWE am Donnerstag in Essen mit. Im rheinischen Braunkohlerevier werden die 300-MW-Blöcke Neurath B, Niederaußem C und Weisweiler E abgeschaltet.

Die Stilllegungen erfolgten im Rahmen des gesetzlich festgelegten Stilllegungsfahrplans und seien der Bundesnetzagentur angezeigt worden, erklärte das Unternehmen.

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Abbau von rund 3000 Stellen im kommenden Jahr

Die nächsten Außerbetriebnahmen folgen nach Unternehmensangaben im kommenden Jahr. Zum 1. April werde in Neurath ein weiterer 300-MW-Block vom Netz gehen, hieß es. Zum Jahresende 2022 lege RWE Power am selben Standort die beiden 600-MW-Blöcke sowie die Brikettierung in der Fabrik Frechen still.

Insgesamt gehen demnach im kommenden Jahr weitere rund 1600 MW in der Braunkohle außer Betrieb. Zudem wird das Unternehmen das Kernkraftwerk Emsland in Lingen mit einer Leistung von 1400 MW stilllegen. Für die Belegschaft der Kraftwerke im Rheinland bedeutet dies einen Stellenabbau in allen Bereichen von rund 3000 Stellen bis Ende 2023. In Bayern gehe die Belegschaft des Atomkraftwerks Grundremmingen von rund 600 Mitarbeitern Anfang 2017 auf rund 440 bis Ende 2022 zurück.

Nach der Abschaltung zum bevorstehenden Jahreswechsel seien die verbleibenden Kolleginnen und Kollegen noch bis in die 2030er Jahre mit Nachbetrieb und Rückbau des Standorts beschäftigt, hieß es.

Bundesumweltministerin warnt vor Renaissance der Atomkraft

In Deutschland gehen zum Jahreswechsel mit Grundremmingen C in Bayern, Brokdorf in Schleswig-Holstein und Grohnde in Niedersachsen drei der sechs verbliebenen Atommeiler vom Netz. Zugleich bereitet die EU-Kommission eine Entscheidung vor, ob Kernkraft als grüne Technologie einzustufen ist.

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Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) warnte vor einer Renaissance der Atomkraft in Europa. „Es ist abstrus, wie viele ungedeckte Versprechungen aktuell zu möglichen neuen Reaktortypen zirkulieren“, sagte Lemke den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag).

In der Realität gebe es in Europa immer mehr überalterte Atomkraftwerke, deren Weiterbetrieb riskanter werde und die sich nur punktuell nachrüsten ließen, betonte die Ministerin. „Dieses Problem drängt und gehört ins Zentrum der Debatte, nicht Märchen und Mythen von AKW-Konzepten, die weder die Sicherheitsprobleme noch die Endlagerfrage lösen.“

BUND fordert vollständigen Ausstieg

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte den „vollständigen Atomausstieg“. Auch die Urananreicherungsanlage im münsterländischen Gronau müsse stillgelegt werden, erklärte der NRW-Landesverband des BUND.

Zudem erwarte die Umweltschutzorganisation von den Regierungen in Bund und Land verstärkte Anstrengungen, auch die grenznahen und veralteten Atomkraftwerke in Belgien, Tihange und Doel, abzuschalten.

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Das zum Jahreswechsel vollzogene Aus für die Atomkraftwerke in Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C sei „eine wichtige Zwischenetappe im deutschen Atomausstieg“, sagte der Landesvorsitzende des BUND in NRW, Holger Sticht.

Die neue Bundesregierung müsse nun „die naturverträgliche Energiewende weiter vorantreiben und gleichzeitig alle noch laufenden Atomanlagen in Deutschland abschalten“.

RND/epd

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