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Eckart von Hirschhausen: „Ich will nicht mehr nur der lustige Arzt sein“

Der Mediziner Eckart von Hirschhausen auskultiert einen Globus.

Der Mediziner Eckart von Hirschhausen will den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Erderwärmung bekannter machen: „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“, sagt er im RND-Interview.

Berlin. Herr von Hirschhausen, man kennt sie als den Autor von launigen Medizinbestsellern wie „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ und als Moderator von TV-Shows wie „Frag doch mal die Maus“. Jetzt haben Sie ein politisches Buch vorgelegt und wenden sich an die Parteien, die gerade in den Koalitionsverhandlungen stecken. Warum denn so ernst?

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Mein Erweckungsmoment war, 2019 bei der Gründung der „Scientists for Future“ mitgewirkt zu haben. Einige Politiker sagten damals, die „Fridays for Future“ sollten die Politik den Profis überlassen. Daraufhin unterschrieben binnen weniger Tage 28.000 Forscher und Wissenschaftlerinnen – darunter Nobelpreisträger und jede Menge echte Profis der Klimaforschung – ein Papier, das den Jugendlichen völlig Recht gab.

Da dachte ich: „Ich will nicht mehr nur der lustige Arzt sein, wenn die Klimakrise die größte Gesundheitsgefahr im 21. Jahrhundert ist“. Wir müssen nicht das Klima retten, sondern uns! Als bekannte Figur im Gesundheitsmetier will ich diese Botschaft unterstreichen: Klimaschutz ist Gesundheitsschutz.

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Dafür haben Sie Ihr Buch „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“ geschrieben und die Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen gegründet, die sich nun mit einer Kampagne an die nächste Regierung wendet: „Nichts tun ist teuer.“ Was ist Ihre Forderung?

Wir müssen uns von den alten Klimaerzählungen lösen: Wieviel Klimaschutz können wir uns leisten – oder der Wirtschaft zumuten? Müssen wir uns einschränken, um die Eisbären oder um Bangladesch zu retten? Damit haben wir nicht klargemacht, dass die Krise auch uns betrifft, schon jetzt. Diese Einsicht kam erst mit der Flutkatastrophe in diesem Sommer, bei der 200 Menschen starben und in einer Nacht mindestens 30 Milliarden Euro Schaden entstanden.

Aber schon im Sommer 2018 gab es 20.000 Hitzetote in Deutschland, allein baulich sind unsere Pflegeheime und Krankenhäuser weder mit Klimaanlagen, Verschattung oder Dachbegrünung gegen Hitze gewappnet. Meine Botschaft an die Ampel ist also: Das Teuerste was wir jetzt tun können ist: nichts!

Aber zeigt die Bundestagswahl nicht, dass der Wähler Angst vor Belastungen hat? Allein die hohen Benzin- und Heizgaspreise bringen die Grünen bei den Ampelverhandlungen in die Defensive.

Die aktuellen Öl- und Gaspreise können nun wirklich noch nicht die Schuld der Grünen sein. Aber tatsächlich wurde Klimaschutz zu einseitig als Frage von Kosten und Verzicht verhandelt. Dabei könnte man die Menschen – bis in die Politik – auch anders emotional erreichen.

Zu sehen, dass in unseren Wäldern 80 Prozent der Bäume geschädigt sind, geht doch auch Konservativen ans Herz. Selbst Corona fiel nicht vom Himmel, sondern hatte seinen Ursprung darin, dass wir in die Lebensräume der Tiere vordringen, illegalen Wildtierhandel zulassen und sich die Überträger von Infektionen in neue Gebiete ausbreiten. Mit dem „one health“ Ansatz werden die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt endlich gemeinsam angegangen. Die Wissenschaft ist eindeutig.

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Dazu hat Wolfgang Schäuble als Alterspräsident des Bundestags gerade gesagt: „Wissenschaftliche Erkenntnis allein ist noch keine Politik und schon gar nicht demokratische Mehrheit.“

Als Arzt habe ich gelernt: Erst muss man die Diagnose stellen, dann über die Therapie sprechen. Die letzte Regierung hat es bei Corona geschafft, den Leuten zuerst klarzumachen, dass es ein echtes Problem gibt und dass deshalb auch unangenehme Schritte wie ein Lockdown nötig sind. Beim Klimawandel hat sie darin versagt. Deshalb fehlt den Mehrheiten in diesem Land das Gefühl, dass wir wirklich in einer verdammt bedrohlichen Lage sind.

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Und dann wären sie bereit zu mehr Einschränkungen?

Handeln muss die Politik, die eine Umstellung von Wirtschaft und Gesellschaft erreichen muss, an deren Ende neue Jobs und Technologien stehen. Arbeitsplätze in der Kohleindustrie und anderen fossilen Systemen weiter mit Milliarden zu subventionieren, ist ein Verbrechen an der Gesundheit von Menschen und Planeten. Ordnungspolitik muss einen sicheren Rahmen bilden für diese Transformation. Momentan geht aber der Trend in der Mobilität in die völlig falsche Richtung.

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Durch unsere Städte fahren perverserweise immer mehr schwere, klimaschädliche Geländewagen. Wie wäre es mit einem Kompromiss: Wer meint, er braucht die PS und den Stahl eines Traktors, der sollte auch nicht schneller fahren dürfen als ein Traktor. Ein einfaches Gesetz für die neue Koalition: 25 km/h Höchstgeschwindigkeit für alle Autos über einer Tonne.

Apropos neue Regierung: Ein guter Bekannter von Ihnen ist SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Ihr Wunschgesundheitsminister?

Qualifiziert wäre er, aber Kompetenz ist ja leider nicht das einzige Kriterium. Was ich über alle Personalien hinaus spannend finde: Wie werden Ministerien kooperativ und Themen sinnvoll verknüpft. „Klima“ hängt mit Energie, Entwicklungspolitik, Landwirtschaft und Verkehr zusammen, und ganz eng mit Gesundheit – warum ist dann der Etat des Gesundheitsministeriums auch für globale Gesundheit so klein?

Das Forschungsministerium vergibt Milliarden für Spitzenforschung – aber in der Pandemie fehlte es plötzlich an einfachen Masken, bei der Flutkatastrophe an funktionierenden Warnsirenen. Auch solche Dinge muss man zusammendenken – und vielleicht ja auch in eine Hand legen. Die nächste Regierung hat eine Jahrhundertaufgabe zu lösen – in zwei Legislaturen.

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