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Großkunden protestieren

Maskenaffäre um Fynn Kliemann: WDR prüft rechtliche Schritte

Fynn Kliemann steht nach Enthüllungen des „ZDF Magazin Royale“ in der Kritik.

Hannover.In der Maskenaffäre um den Musiker und Influencer Fynn Kliemann und den Textilhersteller Global Tactics drohen immer mehr Großkunden mit Konsequenzen. Auch der WDR prüft rechtliche Schritte, wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) auf Anfrage erfuhr.

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Die WDR Mediagroup sollte demnach kurz nach Einführung der Maskenpflicht im April 2020 im Auftrag des Radiosenders 1Live 5.000 wiederverwendbare Masken mit Logodruck beschaffen. Dazu habe man von drei Anbietern entsprechende Angebote erhalten, wie ein Sprecher erklärt. Bei der WDR Mediagroup handelt es sich um die kommerzielle Tochtergesellschaft des WDR, die für die Vermarktung der Sender zuständig ist.

„Das Angebot von Global Tactics war das mit Abstand wirtschaftlichste“, erklärt der WDR-Sprecher. Daher habe man die Firma im Mai 2020 mit der Produktion von 5.000 Stoffmasken zum Nettostückpreis von 1,81 Euro beauftragt. „Alles unter der Annahme, dass die Masken fair in Europa produziert werden“, betont der Sprecher. „Denn so hatte es das Unternehmen breit kommuniziert.“

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Masken in Bangladesch statt Portugal produziert

Bei Recherchen von Jan Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“ war herausgekommen, dass Teile der verkauften Masken – anders als behauptet – nicht fair in Portugal und Serbien hergestellt wurden, sondern in Bangladesch und Vietnam. Bei Global Tactics handelt es sich um den Geschäftspartner Kliemanns – seit 2021 ist der Influencer auch zu 20 Prozent am Unternehmen beteiligt. In einem Statement hatte sich Kliemann zuletzt von der Firma distanziert, er schiebt die Maskenaffäre zum Teil auf das Unternehmen.

„Es wäre sehr bedauerlich, sollten stattdessen Masken aus zweifelhafter Produktion geliefert worden sein“, betont der WDR-Sprecher. „Die WDR Mediagroup prüft mögliche rechtliche Schritte.“

Zuletzt waren Kliemann und der WDR durchaus freundschaftlich miteinander verbunden. Im Jahr 2020 gewann der Musiker die 1Live Krone als „Bester Künstler“, zuvor beteiligte er sich an einer Aktion des Jugendsenders 1Live gegen Mobbing. In Interviews und im Format „Fragenhagel“ war Kliemann mehrfach zu Gast.

Auf eine mögliche weitere Zusammenarbeit habe der Fall keine konkreten Auswirkungen, wie der WDR-Sprecher erklärt: „Es läuft schon längere Zeit kein Titel mehr von Fynn Kliemann im WDR-Programm. (Programm-)Aktionen mit Fynn Kliemann sind nicht geplant.“

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Auch St. Pauli prüft juristische Schritte gegen Kliemann

Ganz ähnlich wie dem öffentlich-rechtlichen Sender ging es auch anderen Großabnehmern der Kliemann-Masken. Der FC St. Pauli hatte schon in der vergangenen Woche erklärt, man werde „sämtliche zur Verfügung stehenden juristischen Konsequenzen prüfen lassen“, sollten sich die Vorwürfe gegen Kliemann und das Unternehmen Global Tactics bewahrheiten.

Auf Anfrage des RedaktionsNetzwerk Deutschlands (RND) erklärte der Fußballverein am Dienstag, man habe insgesamt 10.000 Masken bei dem Unternehmen gekauft und online verkauft – der Erlös wurde gespendet. Aktuell sei man sich noch bei „der Aufarbeitung“ des Falls.

„Uns wurde nach Aufkommen der Vorwürfe seitens Global Tactics versichert, dass die von uns bestellten Masken vollständig in Europa produziert wurden“, erklärt eine Sprecherin. Weiter könne man sich derzeit nicht zur Thematik äußern.

About You widerspricht Kliemann

Das Fashionportal About You hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, man habe von der Herstellung der Masken in Bangladesh oder Vietnam nichts gewusst.

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Dessen Chef Tarek Müller erklärte auf Instagram: „Dass die Masken teilweise nicht in Europa produziert wurden, war uns bis heute nicht bekannt und wir haben den Fall unverzüglich intern geprüft, um uns ein genaues Bild zu machen. Nach den uns vorliegenden Informationen hat uns Global Tactics weder im Jahr 2020 noch danach darüber informiert, oder uns darauf hingewiesen, dass die Masken außerhalb Europas hergestellt werden.“

Der Gründer von Global Tactics, Tom Illbruck, hatte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur gesagt, wenn ein Großkunde keinen Wert darauf gelegt habe, dass die Masken explizit aus einem bestimmten Land oder explizit aus Europa kommen, „haben wir Masken angeboten, ohne explizit an jeder Stelle zu sagen, wo die Masken herkommen“. Nachgefragt zu About You sagte Illbruck: „Nach dem, was uns an Dokumenten vorliegt, gibt es keine Absprachen mit About You, dass die Masken explizit aus Portugal gekommen sind und das ist an keiner Stelle schriftlich versichert worden.“

Kreis Wesel legte keinen Wert auf Nachhaltigkeit

Illbrucks Darstellung scheint – zumindest in Teilen – zu stimmen, wie ein Statement des Kreises Wesel nahelegt. Gegenüber der „Neuen Ruhr Zeitung“ (NRZ) erklärte eine Sprecherin, man habe im Jahr 2020 insgesamt 20.000 Stoffmasken von dem Unternehmen Global Tactics gekauft. Allerdings sei hier alles mit rechten Dingen zugegangen.

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Die faire Produktion von Masken sei beim Kauf keine Voraussetzung gewesen. Normalerweise achte man darauf, doch in der Hochphase der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 sei es ausschließlich um Verfügbarkeit von Hygienematerial gegangen, so die Sprecherin gegenüber der Zeitung.

Damals sei es darum gegangen, „überhaupt Masken zu bekommen, genauso wie Handschuhe oder Desinfektionsmittel“. Darum habe man als Alternative bei dem Unternehmen 20.000 Stoffmasken zu einem Stückpreis von 93 Cent gekauft. Das Wort „fair“ sei nirgendwo in den Unterlagen aufgetaucht, weil es zu dem Zeitpunkt eben kein Kriterium gewesen sei.

Fynn Kliemann kündigt Stellungnahme an

Das Unternehmen Global Tactics hatte am Freitag gegenüber dem RND angekündigt, man wolle den Fall aufarbeiten und sich mit einer Stellungnahme melden.

Fynn Kliemann hatte am Montag ein vorerst letztes Statement auf seine Instagram-Profil veröffentlicht. Darin heißt es: „Alle Leute erwarten zu Recht Aufklärung. Diesmal nicht wieder mit einer überhitzten Aussage, nachdem ich frisch überrollt wurde. Ich verspreche euch, ich kann und will antworten. Aber ich brauche Zeit, bis ich Klarheit über die Details habe. Bis bald.“

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