William Shatners Allausflug: Captain Kirk in unendlichen Weiten

Die Raumkapsel „New Shepard" mit William Shatner an Bord kurz nach dem Start.

Die Raumkapsel „New Shepard" mit William Shatner an Bord kurz nach dem Start.

Eigentlich hätte er ja hochgebeamt werden müssen, doch die Technologie lässt noch auf sich warten. So musste William Shatner am Mittwoch aus eigener Kraft in die Kapsel krabbeln, die ihn rund 106 Kilometer über die Wüste in Westtexas beförderte. Nur zehn Minuten dauerte sein Kurztrip ins All, ehe die voll automatisierte Raumkapsel unter Abfederung durch Fallschirme wieder in der Wüste landete.

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Der 90-Jährige ist damit die älteste Person, die jemals ins All geflogen ist. Schlagzeilen schrieb er jedoch aus einem anderen Grund: Der Schauspieler stieg gleichsam in seine eigenen Fußstapfen. Als Captain Kirk hatte er als Serienheld die Enterprise schon unzählige Male in unendliche Weiten geführt. Sein blauer Raumanzug sah fast so fesch aus wie der bekannte hautenge gelbe Pullover aus der Serie.

Chris Boshuizen (von links nach rechts), William Shatner, Audrey Powers und Glen de Vries.

Chris Boshuizen (von links nach rechts), William Shatner, Audrey Powers und Glen de Vries.

Die Mimen aus TV und Kino erscheinen uns oft vertrauter als reale Menschen. Stellvertretend nehmen sie uns mit auf Reisen in die Abgründe der menschlichen Psyche oder in die entlegensten Winkel der Zivilisation. Shatner war in diesem Sinne als Captain Kirk schon in den Sechzigerjahren ein Pionier der Idee einer Weltraumfahrt, die nicht nur ausgesuchten Astronauten vorbehalten ist. Davon zeugt auch der legendäre Vorspann (im englischen Original gesprochen von Shatner): „Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die ,Enterprise‘ in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“

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William Shatner: „Ich will dieses Gefühl für immer bewahren“

In diese Tradition stellte sich Amazon-Gründer Jeff Bezos, als er Shatner als prominenten Gast für seinen zweiten Raumflug anheuerte. Bezos gilt als Fan der Serie „Raumschiff Enterprise“ (im Original: „Star Trek“). Die Vizepräsidentin seiner Firma Blue Origin und zwei zahlende Passagiere hoben gemeinsam mit Shatner ab. Blue Origin startete vor drei Monaten einen Flug mit derselben Kapsel und Rakete. Bezos war damals selbst an Bord – wie auch der mit 18 Jahren jüngste Astronaut der Welt.

Viel Pathos gab Antriebshilfe für den zweiten Flug der „New Shepard NS-18“. Shatner spricht in einem Video von einem „lebensverändernden Abenteuer“. Er beschwört den Mythos All: „Ich bin verzaubert von dem Gedanken, den Sternen näher zu sein und schwerelos.“ Er beschreibt Bezos als Visionär der bemannten Raumfahrt – mit dem Ziel, Umweltverschmutzung zu beenden. „Wir sind noch am Anfang, aber wie wunderbar dieser Anfang ist und wie außergewöhnlich, ein Teil davon zu sein.“ Während des Flugs wurde ein Tweet veröffentlicht. Darin vergleicht Shatner sein Vorflug-Ich mit einem Jungen, der am Strand spielt und sich am Anblick einer besonderen Muschel ergötzt, während der große Ozean der Wahrheit unentdeckt vor ihm liegt.

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Nach der Landung zeigte der 90-Jährige sich emotional: „Ist das der Tod? In diesem Moment fühlte ich mich so verletzlich. Ich hoffe, ich erhole mich nie von dieser Erfahrung. Ich will dieses Gefühl für immer bewahren.“

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Die gar nicht mehr so ferne Zukunft

Noch einmal nahm uns Captain Kirk mit in unendliche Weiten. Die Realität hat die Fiktion eingeholt, der Weltraumtourismus boomt. Neben Bezos schickten auch die Milliardäre Richard Branson und Elon Musk bereits Privatflüge ins All. Volker Schmid vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt prognostiziert gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) gar eine Öffnung für Otto Normalverbraucher in 50 Jahren. Auch die Reise mit dem Flugzeug in den 1920er-Jahren sei schließlich zunächst einer zahlungskräftigen Klientel vorbehalten gewesen.

Das Jahr 2265, in dem Kirk das „Enterprise“-Kommando übernimmt, erscheint uns heute nicht mehr so fern in der Zukunft wie noch bei der Erstausstrahlung der Serie. Das Jahr 2015, das im Film „Zurück in die Zukunft II“ (1989) noch weit in der Ferne lag, ist inzwischen Geschichte. Und irgendwann wird auch das Beamen noch erfunden werden.

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