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Ein Gedicht von Ferdinand W. Lafrentz: „Winachenabend" - das schönste auf Erden

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Ferdinand W. Lafrentz, plattdeutscher Dichter aus den USA, geboren auf Fehmarn. Foto: hfr

Wie Ferdinand W. Lafrentz humorvoll vor Völlerei an den Weihnachtstagen warnte

An Heiligabend und an den wird in vielen Weihnachtstagen Familien richtig aufgetischt. Gute Vorsätze kann jeder später fassen - am besten erst nach Neujahr. Diese Völlerei zu Weihnachten scheint jedoch ein altes Problem zu sein. Jedenfalls greift es der gebürtige Fehmaraner Ferdinand W. Lafrentz schon in einem Gedicht auf, das 1881 in dem plattdeutschen Buch „Nordische Klänge" in den USA erschien.

In diesem Gedicht mit dem Titel „Winachenabend" zeigt sich Lafrentz von seiner heiteren Seite. ,,Dat Schönste, dat leevste op Eer nimmt en End - So flög denn ok Winachen mal wedder hen." Es ist abends um zehn Uhr, die Eltern sind schlafen gegangen. Plötzlich kommt jemand in die Schlafstube. Min jüngst Sähn stünn dor mit en heel blaß Gesicht-Min Leevdag verget ik den Ogenblick nicht." Kotzübel ist dem Kleinen, würde man heute sagen. „Herut flögen Figen, Gebackels un Plum - Un mit jeder Minut wörr de Lütt ok mehr krumm." Einen Augenblick später erscheint auch der zweitjüngste Sohn im Zimmer „mit anschwulln Rump". Das ,,Spiel" wiederholt sich. Vater weiß Rat: ,,Herut ut den Magen mütt all düsse Kram!" Er holt einen Löffel, den er beiden Jungs in den Rachen steckt. ,,Sobald Allns herut weer, kreeg ik Beide to Bedd." Die Kinder schlafen, und am nächsten Morgen sind sie ,,wedder munter un frisch, un setten to Frohkost sik hungrig to Disch."

Ferdinand Wilhelm Lafrentz wird am 25. März 1859 in Lemkenhafen auf Fehmarn geboren. Im Herbst 1873 wandert er nach Chicago aus. 1881 veröffentlicht er den Sammelband „Nordische Klänge". Das Buch bekommt gute Kritiken in der Chicagoer Presse. Lafrentz gilt als der älteste und vor allem auch bedeutendste plattdeutsche Lyriker des niederdeutschen Amerika. Die „Nordischen Klänge" sind überhaupt das erste plattdeutsche Buch, das dort erscheint.

Seine alte Heimat, die Ostseeinsel Fehmarn, vergisst er nicht. Als Präsident der Deutschen Gesellschaft von New York trägt er viel zum Verständnis der deutsch-amerikanischen Freundschaft bei. In Burg auf Fehmarn stiftet er das DRK-Kinderheim in der Bürgermeister-Lafrentz-Straße, die spätere DRK-Sozialstation. 1954 stirbt Ferdinand W. Lafrentz - hochbetagt im Alter von 95 Jahren. bg