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Trauerratgeber

Erde zu Erde: Reerdigung - die neue ökologische Erdbestattung für Lübeck

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Bernd K. Jacob, Friedhofsbeauftragter des Kirchenkreises, stellt Pröpstin Frauke Eiben Substrat aus getrockneter Blumenwiese, Klee, Heu und Stroh vor, das bei einer Reerdigung verwendet werden kann. Foto: Bastian Modrow

Das Ende des Lebens zahlt auf den ökologischen Fußabdruck jedes Menschen mit ein. Reerdigung heißt eine neue Form der Erdbestattung. Sie ermöglicht einen nachhaltigeren Umgang mit dem Tod. Die positive CO2-Bilanz beträgt bis zu einer Tonne pro Bestattung. 

Reerdigung ist eine ökologisch wertvolle Form der Erdbestattung

In Mölln ist es seit Februar 2022 möglich, Verstorbene zu reerdigen. Der Körper wird in diesem optimierten Prozess innerhalb von 40 Tagen vollständig in fruchtbare Erde transformiert. Diese wird im Anschluss in einem Grab beigesetzt. 

„Die Reerdigung ist eine natürliche ökologische Transformation des Körpers. Sie knüpft an unsere Bestattungsformel „Erde zu Erde“ an. Wir sind die Experten für gute Rituale und begleiten deshalb dieses Pilotprojekt mit Blick auf die Vielfalt von Bestattungsformen auf unseren Friedhöfen. Reerdigung entspricht vollständig dem christlichen Verständnis des ewigen Lebens, das von einer Auferstehung nach dem Tod ausgeht. 40 Tage sind im biblisch-theologischen Kontext eine wichtige Zahl. Sie steht für Veränderung, Befreiung, Klärung“, sagt Pröpstin Frauke Eiben.

    

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Das Pilotprojekt Reerdigung ist in Mölln angelaufen: Im Vordergrund der Kokon, dahinter die Wabe für die Transformation. . Foto: Sven Krieger

Seit es Bestattungsrituale gibt, verändern sich diese mit den Menschen, die eine Gesellschaft prägen. Neue Denkweisen, veränderte Wahrnehmung, wissenschaftliche Erkenntnisse und Verantwortung für Umwelt und Natur sind Beweggründe, neue Wege auszuprobieren.

„Als Kirchengemeinde wollen wir gerade in schwierigen Zeiten nah bei den Menschen sein und suchen immer nach neuen Möglichkeiten, ihnen in ihrer individuellen Trauer entgegenzukommen“, sagt Hilke Lage, Pastorin in der Kirchengemeinde Mölln, über das Pilotprojekt. „Die Idee der Reerdigung hat uns sofort eingeleuchtet. Sie ist eine gute Alternative für alle, bei denen eine Bestattung im Sarg oder eine Feuerbestattung Unbehagen auslösen.“

Die seelsorgerliche Begleitung ist seit jeher Kernaufgabe der Kirche. „Als Pastorin sehe ich meine Aufgabe darin, die Angehörigen in ihrem Schmerz zu begleiten. Zugleich möchte ich Raum für Hoffnung schaffen: Hoffnung, dass der / die Verstorbene bei Gott geborgen ist, und dass Gott auch für die Angehörigen Wege zurück ins Leben eröffnen wird“,sagt Hilke Lage.

Die Transformation des Leichnams dauere bei einer Reerdigung 40 Tage. „Wenn die Angehörigen es wünschen, begleiten wir sie gern in diesem Zeitraum: durch Zusammensein am Kokon, vielleicht mit Erzählen über den Verstorbenen, mit Andacht oder Musik“, sagt Pastorin Lage.

Informationen: www.kirche-ll.de/kirchenkreis-verwaltung/friedhoefe/bestattungsformen