Kommentar zur Inflation

Die EZB hechelt hinterher

Christine Lagarde ist seit dem 1. November 2019 Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB).

Eigentlich ist es gut, wenn Zentralbanken überraschungsfrei arbeiten. Alles Unerwartete führt auf diesem Feld zu Verwerfungen an den Finanzmärkten mit kaum kontrollierbaren Folgen für die davon abhängigen Firmen und Menschen. Das Festhalten der EZB an ihrer einmal eingeschlagenen Linie ist allerdings längst zum Problem geworden.

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Das Dilemma ist bekannt: Auf der einen Seite schreit die hohe Inflation förmlich nach strafferer Geldpolitik bis hin zur Zinserhöhung. Auf der anderen Seite könnte genau das die Konjunktur abwürgen, die durch den Ukraine-Krieg noch wackliger geworden ist. Der Handlungsspielraum ist tatsächlich begrenzt, und manche Kritik an der EZB und ihrer Präsidentin Christine Lagarde bemüht sich weder um Fairness noch Sachkenntnis: Abrupte Zinserhöhungen oder gar Zinsen oberhalb der Inflationsrate kann sich im Moment niemand im Ernst wünschen. Sparer werden weiter realen Wert verlieren, daran kann auch eine EZB auf absehbare Zeit nichts ändern.

Aber wer im Dilemma steckt, muss sich entscheiden, und für die lautet die Priorität nun einmal Inflationskontrolle. Wird sie zu einem Ziel unter vielen, ist die Glaubwürdigkeit schnell dahin. So wird selbst an den Kapitalmärkten, die so lange von der lockeren Geldpolitik profitiert haben, inzwischen mehr Inflation erwartet als in der EZB. Die Notenbanker hecheln hinterher, und das ist gefährlich.

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Der im Dezember definierte Fahrplan für eine Normalisierung der Geldpolitik ist längst überholt. Lagarde hätte nach der jüngsten Ratssitzung mindestens klarere Worte zur Inflation finden und die Tür zu einer schnelleren Straffung der Geldpolitik öffnen müssen. Denn aktuell wächst jeden Tag die Wahrscheinlichkeit, dass das nötig sein wird. Und mit jedem Tag, den die EZB abwartet, wird die Gefahr größer, dass sie irgendwann abrupt den Kurs wechseln muss. Genau das wäre die Überraschung, die niemand braucht.

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