Musk lehnt Sitz im Verwaltungsrat ab

Elon Musk will bei Twitter mitreden – von draußen

Nach seinem überraschenden Einstieg bei Twitter zieht Techmilliardär Elon Musk doch nicht in den Verwaltungsrat des Konzerns ein.

Hannover. Elon Musk hat Milliarden investiert, um bei Twitter mitzureden, er verzichtet aber auf die direkte Möglichkeit dazu. Der neue Großaktionär wolle nun doch nicht in den Verwaltungsrat des Internetkonzerns einziehen, teilte Twitter-Chef Parag Agrawal mit. Statt in offiziellen Gremien debattiert Musk die Unternehmenszukunft weiter dort, wo er es seit jeher am liebsten tut: auf Twitter.

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Vor einer Woche war bekannt geworden, dass der Tesla-Gründer 9,2 Prozent der Twitter-Aktien gekauft hat und damit größter Aktionär des Kurznachrichtendienstes ist. Zum Zeitpunkt des Kaufs war das Paket rund 2,6 Milliarden Dollar wert, die Veröffentlichung ließ den Wert allerdings schlagartig steigen: Der Twitter-Kurs sprang innerhalb eines Tages um 25 Prozent und legte wenig später weiter zu, als der Einzug Musks in den Verwaltungsrat angekündigt wurde. Zeitweise kostete die Twitter-Aktie mehr als 53 Dollar, inzwischen steht sie bei rund 46 Dollar – immer noch etwa 20 Prozent höher als vor dem Einstieg.

Laut Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC hat Musk bereits Ende Januar begonnen, nahezu täglich Twitter-Aktien zu Preisen zwischen 32,80 Dollar und 40,30 Dollar zu kaufen – insgesamt mehr als 70 Millionen Stück. Bekannt wurde das erst am 4. April. Sein Vorgehen könnte dem Milliardär wieder einmal Ärger mit den Aufsehern einbringen, denn er hat offenbar Meldefristen für die Beteiligung und den geplanten Einzug in den Verwaltungsrat versäumt.

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Über seine Pläne mit dem Unternehmen hat Musk bisher geschwiegen. Er ist selbst mit 80 Millionen Followern eins der wichtigsten Zugpferde der Plattform. Egal ob technische Neuheiten bei E-Autohersteller Tesla, Starts seines Raumfahrtunternehmens SpaceX oder nächtliche Spontanideen – der mit einem geschätzten Vermögen von 282 Milliarden Dollar verarbeitet alles in Tweets.

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Als Parag Agrawal im vergangenen Jahr an die Unternehmensspitze rückte, twitterte Musk ein altes Foto des russischen Diktators Josef Stalin, in das er Agrawals Gesicht montierte. Der Mann daneben, ein späteres Stalin-Opfer, bekam das Gesicht von Twitter-Gründer Jack Dorsey.

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Musk hat der Plattform mehrmals vorgeworfen, die Meinungsfreiheit einzuschränken, und startete nach seinem Einstieg eine Umfrage zur Einführung eines sogenannten Editier-Buttons: Twitter-Nutzer sollen ihre Tweets nachträglich ändern können. Der neue Großaktionär kündigte an, er wolle „mit Parag und dem Verwaltungsrat in den kommenden Monaten bedeutsame Verbesserungen an Twitter“ vornehmen.

Twitter-Aktionäre bis Musks Großeinkauf enttäuscht

Darauf setzen offenbar auch viele Aktionäre. Die Twitter-Aktie hat seit dem Börsengang 2013 die Erwartungen meist enttäuscht. Anfang vergangenen Jahres ging es mit dem Kurs zwar steil bergauf, vom Herbst an zeigte der Trend aber klar abwärts. Das Wachstum blieb zuletzt unter den Erwartungen, der Gewinn ist im vierten Quartal geschrumpft.

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Agrawal hatte Musk offen empfangen. „Durch Gespräche mit Elon in den vergangenen Wochen ist uns klar geworden, dass er sich im Verwaltungsrat sehr wertvoll einbringen kann“, erklärte er nach dem Einstieg. Inzwischen hat auch Agrawal seine Meinung offenbar geändert: „Ich glaube, dass dies das Beste ist“, quittierte er die überraschende Absage seines Großaktionärs für den Verwaltungsrat, der mit einem deutschen Aufsichtsrat vergleichbar ist.

Die Berufung in den Verwaltungsrat hätte am Samstag in Kraft treten sollen, „aber Elon teilte noch am selben Morgen mit, dass er dem Verwaltungsrat nicht mehr beitreten wird“. Die Gründe dafür wurden nicht genannt. Denkbar wäre allerdings, dass Musk seinen Anteil deutlicher ausbauen will. Als Mitglied des Verwaltungsrats müsste er sich verpflichten, nicht mehr als 14,9 Prozent der Aktien zu besitzen.

Auf Twitter kümmert sich Musk jedenfalls weiter intensiv um Twitter. So warf er anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit vielen Followern Passivität vor und fragte: „Stirbt Twitter?“ Er startete auch eine Umfrage, ob die Unternehmenszentrale in San Francisco zur Obdachlosenunterkunft umgewandelt werden sollte, weil dort kaum jemand zur Arbeit erscheine. Auch einen Verzicht auf Werbeeinnahmen forderte er, weil nur so die Geschäftspolitik unabhängig bleiben könne.

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