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Zahlen für April

Inflation steigt weiter – vor allem Lebensmittel werden teurer

Gemüse liegt in einem Supermarkt (Archivbild).

Göttingen. Die Inflationsrate in Deutschland ist im April erneut gestiegen: Im Vergleich zum April vorigen Jahres haben sich Waren und Dienstleistungen um durchschnittlich 7,4 Prozent verteuert, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im März hatte die Inflationsrate noch bei 7,3 Prozent gelegen. Nun ist Energie wieder billiger geworden – während die Teuerung vor allem bei Lebensmitteln deutlich anzog.

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Fachleute hatten im Voraus damit gerechnet, dass die Inflation im April leicht zurückgehen könnte. Im Vergleich zum sehr turbulenten März seien die Energiepreise wieder etwas gefallen, schrieb etwa Sebastian Becker, Ökonom bei der Deutschen Bank, in einer am Mittwoch erschienenen Studie. Das ist laut Statistischem Bundesamt auch eingetreten: Energie war im April 35,3 Prozent teurer als im Vorjahresmonat, im März lag der Wert noch bei 39,5 Prozent.

Krieg und Inflation: Verbraucherstimmung deutlich getrübt

Laut GfK-Konsumklimastudie sind viele Verbraucherinnen und Verbraucher vom Krieg in der Ukraine verunsichert.

Die Preise für Nahrungsmittel zogen hingegen kräftig an: Bei ihnen maßen die Statistikerinnen und Statistiker ein Plus von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, im März waren es 6,2 Prozent. Unter dem Strich ist die Inflation deshalb gestiegen. „Ähnlich hoch war die Inflationsrate zuletzt im Herbst 1981, als infolge des Ersten Golfkriegs zwischen dem Irak und Iran die Mineralölpreise ebenfalls stark gestiegen waren“, erklärte das Bundesamt.

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Weitere Preissteigerungen bei Lebensmitteln

Energieträger wie Gas und Öl haben sich vor allem infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine verteuert, zuletzt gaben die Preise, zum Beispiel an Tankstellen, aber etwas nach. Sie könnten aber erneut anziehen, wie Sebastian Dullien befürchtet: „Sollte es zu einem Lieferstopp russischen Gases kommen, dürfte die Inflation noch einmal einen deutlichen Sprung nach oben machen“, sagte der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts.

Kann Deutschland auf russisches Gas verzichten?

Politikerinnen und Politiker, Ökonominnen und Ökonomen und auch Verbraucherinnen und Verbraucher diskutieren hitzig, ob Deutschland auf russisches Gas verzichten soll, um das Morden in der Ukraine zu stoppen. Aber würde das überhaupt funktionieren? Und was wären die Folgen? Die Antworten auf diese Fragen sind komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint.

Die Energiepreise verteuern auch Lebensmittel indirekt, etwa weil die Beheizung von Gewächshäusern und die Herstellung von Dünger kostspieliger werden. Mit der Ukraine ist zugleich ein wichtiger Exporteur von Getreide und Speiseölen ausgefallen. „Beides wird sich im weiteren Jahresverlauf auch stärker in den deutschen Verbraucherpreisen für Lebensmittel niederschlagen“, so Dullien.

8 Prozent Inflation in einem Jahr?

Insgesamt rechnen viele Ökonominnen und Ökonomen für 2022 mit etwas mehr als 6 Prozent Inflation. Dulliens IMK-Institut hatte zuletzt 6,2 Prozent prognostiziert. Nun liege der Wert für April etwas höher als in den Berechnungen, so Dullien. Andere Fachleute gehen von einer noch höheren Inflation aus. Deutsche-Bank-Ökonom Becker etwa hält 2022 eine Annäherung an die 8-Prozent-Marke für realistisch. 2021 lag die Inflation noch bei 3,1 Prozent.

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Bundeskabinett beschließt Energieentlastungspaket

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch ein milliardenschweres Entlastungspaket für die Bürgerinnen und Bürger auf den Weg gebracht.

Während die Bundesregierung die Folgen mit den jüngst verabschiedeten Entlastungspaketen dämpft, werden zugleich Rufe nach einem Kurswechsel bei der Europäischen Zentralbank lauter. „Die EZB muss jetzt mindestens eine neutrale Geldpolitik anstreben. Das bedeutet einen Leitzins von rund 2,5 Prozent statt der derzeitigen minus 0,25 Prozent“, so Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank. Ein solcher Schritt sei überfällig. „Die EZB macht zu wenig und handelt zu spät“, sagte Krämer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Vorsichtige Zinswende absehbar

Besonders große Sorgen macht Krämer, dass die Kerninflation deutlich zugelegt hat. Diese ist ein Indikator, den kurzfristige Ausschläge weniger stark verzerren. Nun liegt die Kerninflation Krämer zufolge bei etwa 3,8 Prozent. „Das ist sehr, sehr hoch und zeigt, dass die Preise in der Breite rasant steigen“, so der Commerzbank-Ökonom. Ähnlich sieht es auch Becker: „Die anhaltend hohe Kernrate zeigt, dass es bei der Inflationsdynamik noch keine Anzeichen von Entspannung gibt“, sagte er dem RND.

Trotzdem sitzen die Notenbanker in einer regelrechten Falle: Auf die gestiegenen Energiepreise haben sie – wenn überhaupt – nur indirekt Einfluss, während kräftige Zinserhöhungen zu einer Rezession führen könnten. Derzeit wird deshalb mit langsam steigenden Zinsen gerechnet: JP-Morgan-Analyst Greg Fuzesi sprach gegenüber dem „Handelsblatt“ zuletzt von sieben Schritten à 0,25 Prozent, beginnend im Juli. Ende 2023 läge der Einlagenzins dann bei 1,25 Prozent.

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Die Zinsentscheidungen der EZB hängen indes nicht nur von der deutschen Inflation ab, auch andere Euro-Länder müssen die Notenbanker berücksichtigen. Umfängliche Zahlen zur Inflation in der Euro-Zone werden erst in den kommenden Tagen veröffentlicht. Lediglich Spaniens Zentralbank bot schon am Donnerstag einen Einblick: Dort lag die Inflation im April bei 8,3 Prozent und war somit etwas niedriger als erwartet.

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