Mit welchen Kosten Sie rechnen müssen

Was bringt die Steuersenkung beim Gas?

Die Mehrwertsteuer auf Gas wird in Deutschland gesenkt (Symbolbild).

Die Mehrwertsteuer auf Gas wird in Deutschland gesenkt (Symbolbild).

Am eigentlich beschaulichen Gasmarkt geht es drunter und drüber. Die Preise schießen hoch, die Bundesregierung versucht zu dämpfen. Wir erklären die Maßnahmen und die Folgen im Portemonnaie.

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Was bewegt den Gaspreis?

Normalerweise sind Gaspreise und Liefermengen in langfristigen Verträgen festgelegt. Weil Russland aber nur noch einen Bruchteil der zugesagten Menge liefert, suchen Deutschland und andere europäische Staaten fieberhaft andere Lieferanten. Diese plötzliche Nachfrage hat den Preis für kurzfristig verfügbares Gas an den Energiebörsen dramatisch nach oben getrieben.

Bei den Endkundinnen und -kunden kommt das auf zwei Wegen an: Zum einen erhöhen die Versorger ihre Preise. Zum anderen hat die Bundesregierung eine allgemeine Umlage beschlossen, um die extreme Belastung einzelner Gasimporteure auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Vor allem geht es dabei um den Uniper-Konzern, der bisher besonders viel Gas aus Russland bezog – und jetzt viel und teuer nachkaufen muss.

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Damit Bürgerinnen und Bürger durch diese Umlage nicht noch mehr belastet werden als ohnehin schon, senkt die Bundesregierung vorübergehend die Mehrwertsteuer auf Erdgas. Gewerbekunden bringt es allerdings nichts, für sie ist diese Steuer nur ein durchlaufender Posten.

Wen betrifft das?

Grundsätzlich alle Gasverbraucherinnen und -verbraucher. Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer dürften die Wärmetechnik in ihrem Haus kennen, Mieterinnen und Mieter müssen sich notfalls schlau machen, ob bei ihnen mit Gas geheizt wird. Das sollte auch aus der jährlichen Heizkostenabrechnung hervorgehen. Wo mit Fernwärme auf Basis von Gas geheizt wird, ist die Rechtslage nach Angaben der Verbraucherzentralen noch nicht klar: Die Anbieter müssen die Umlage zahlen und wollen das an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben. Ob sie das dürfen, sei noch nicht geklärt, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

Was hat es genau mit den Umlagen auf sich?

Mehrere Umlagen auf den Gaspreis landen auf den Rechnungen der Endkundinnen und Endkunden. Die wichtigste ist die für den Ausgleich der gestiegenen Beschaffungspreise für Importeure. Sie beträgt 2,419 Cent pro Kilowattstunde, die Mehrwertsteuer kommt noch hinzu. Die Umlage wird vom 1. Oktober 2022 bis zum 31. März 2024 erhoben. Außerdem gibt es eine Umlage für Regelenergie und eine Gasspeicherumlage, die allerdings nur Bruchteile eines Cent pro Kilowattstunde ausmachen.

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17.08.2022, Berlin: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nimmt an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt teil. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die vielen Krisen des Olaf Scholz

In Neuruppin ausgepfiffen, in der internationalen Presse wegen des Abbas-Besuchs heftig gescholten, daheim Chef einer Koalition im Dauerstreit – und an diesem Freitag erreicht ihn auch der Cum-ex-Skandal schon wieder: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) muss sich derzeit durch schwierige Wochen kämpfen. Ein Überblick.

Wie wirkt die Steuersenkung?

Die Mehrwertsteuer ist im Endkundenpreis enthalten, eine Senkung wirkt sich also unmittelbar aus. Wer jetzt einen neuen Liefervertrag abschließt, bekommt eine Kilowattstunde Gas ab 31 Cent aufwärts. Darin enthalten sind bisher 19 Prozent Mehrwertsteuer. Wären es nur 7 Prozent, würde der Preis auf 27,9 Cent fallen. Hinzu kommt ab 1. Oktober die Umlage, bei der sich die Mehrwertsteuer ebenfalls auswirkt: Mit dem bisherigen Steuersatz wären es knapp 2,9 Cent pro Kilowattstunde, beim reduzierten Satz sind es knapp 2,6 Cent. Die Bundesregierung erwartet von den Versorgern, dass sie die Steuersenkung eins zu eins an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben. Der niedrigere Satz gilt parallel zur Umlage von Oktober 2022 bis März 2024.

Scholz: Mehrwertsteuer auf Gas künftig 7 statt 19 Prozent

Angesichts der rapide gestiegenen Gaspreise will die Bundesregierung die Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Mehrwertsteuer entlasten.

Was bedeutet das unter dem Strich?

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat bei seiner Ankündigung gesagt, dass die Entlastung durch die Steuersenkung deutlich größer sei als die Belastung durch die neue Umlage. Aber ganz so einfach ist es nicht, die Rechnung hängt vom jeweils gültigen Gaspreis ab. Grob gesagt: Je teurer Gas ist, desto mehr hat Scholz recht.

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Beim Beispiel des Neukunden mit 31 Cent pro Kilowattstunde gleichen sich die Effekte praktisch aus: Schlägt man die Umlage drauf und zieht die Steuersenkung ab, kommen rund 30,5 Cent heraus.

Bestandskunden zahlen allerdings bisher noch niedrigere Preise, und dann genügt der Steuerabzug nicht, um die Umlage auszugleichen. Das Vergleichsportal Verivox hat mehrere Beispiele auf der Basis von 20 Cent pro Kilowattstunde durchgerechnet und kommt auf jährliche Mehrbelastungen von 25 Euro im Singlehaushalt bis 199 Euro für die Familie mit mindestens drei Kindern im großen Eigenheim.

Die Verivox-Beispielrechnung für eine Familie im Reihenhaus mit zwei Kindern: Bei 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zu jeweils rund 20 Cent summiert sich die Jahresrechnung bisher auf 4088 Euro. Mit reduzierter Mehrwertsteuer schrumpft sie auf 3676 Euro. Dann kommt aber die Gasumlage (inklusive 7 Prozent Mehrwertsteuer) von 518 Euro hinzu, und so steigt die Gesamtrechnung auf 4193 Euro – 105 Euro mehr als bisher.

Wie teuer wird der Winter?

Mit der Mehrwertsteuersenkung gleicht die Bundesregierung erst einmal nur eine Belastung aus, die sie selbst mit der Umlage für alle geschaffen hat. Wie sich der eigentliche Gaspreis entwickelt, ist eine völlig andere Frage. Die meisten Unternehmen haben ihren Kundinnen und Kunden bereits Preiserhöhungen angekündigt, und der Anstieg dürfte weitergehen. Nach wie vor gilt die Schätzung von Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, der dem RND im Juli sagte, dass er bei den aktuellen Heizkostenabrechnungen eine Verdopplung der Abschläge erwarte und 2023 einen weiteren Anstieg.

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Wer bisher 1500 Euro im Jahr zahle, müsse sich auf das Dreifache einstellen, sagte Müller. Die Mehrwertsteuersenkung würde den Anstieg nun zumindest dämpfen. Bei unveränderter Mehrwertsteuer würde eine Verdreifachung zu 4500 Euro führen, bei reduziertem Satz entspricht das 4045 Euro. Es ist also unabhängig von den staatlichen Maßnahmen mit einem drastischen Anstieg zu rechnen.

Wann kommt die Preiswelle bei mir an?

Die Abrechnungen in den nächsten Monaten und wohl Jahren werden kompliziert. Die Gasumlage und die Mehrwertsteuersenkung wirken sich unmittelbar mit Inkrafttreten am 1. Oktober in allen Verträgen aus. Über allgemeine Preiserhöhungen entscheidet aber jedes Versorgungsunternehmen selbst – und die meisten dürften mehrere Schritte machen.

Wie die genau aussehen, hängt allerdings davon ab, welche Bezugsquellen das jeweilige Unternehmen hat und wie lang seine Lieferverträge laufen. Die größte Kunst ist im Moment die Prognose: Sichert man sich jetzt schon Mengen zu hohen Preisen oder hofft man auf günstigere Gelegenheiten? Wer sich verkalkuliert, zahlt später womöglich noch mehr – und gibt es dann wieder an die Kundinnen und Kunden weiter.

Linken-Fraktionschef hält die Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas für nicht ausreichend

Die Linken halten die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Gas für nicht ausreichend und fordern zusätzlich Direktzahlungen an die Bürgerinnen und Bürger.

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Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer haben in der Regel einen direkten Liefervertrag mit ihrem Energieversorger. Läuft dieser Vertrag im Grundversorgungstarif oder hat eine bestimmte Laufzeit ohne Preisgarantie, sind Preiserhöhungen mit einer Frist von sechs Wochen möglich. In Sondertarifen mit Preisgarantie, die meist auf maximal zwei Jahre befristet sind, sind Anpassungen nicht so einfach. Zumindest die neue Umlage soll auch hier weitergegeben werden können, nach Angaben der Verbraucherzentrale ist das aber noch nicht endgültig geregelt.

Für Mietwohnungen kauft die Vermieterin der der Vermieter die Energie zentral ein. Jede Änderung kommt also zunächst bei ihr oder ihm an und wird dann über die Jahresabrechnung auf die Wohnungen verteilt. Der Deutsche Mieterbund rät deshalb, möglichst jetzt schon Geld für die absehbare Nachzahlung beiseitezulegen. Mieterinnen und Mieter könnten aber auch schon in diesem Jahr freiwillig eine höhere Vorauszahlung vereinbaren, um einer hohen Nachzahlung vorzubeugen.

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