250 Milliarden Euro Schaden in einem Jahr: Der Klimawandel bekommt ein Preisschild

Im vergangenen Jahr haben Naturkatastrophen weltweit hohe Schäden verursacht. Der Klimawandel wirkt sich nun auch stärker auf die Welt der Versicherungen aus.

München. Es sind vor allem die Folgen des Klimawandels, die sich in der Bilanz der Naturkatastrophen 2021 niederschlagen. So waren die beiden kostspieligsten Ereignisse dieser Art im Vorjahr mit dem US-Hurrikan Ida und den Sturzfluten vor allem auch hierzulande wetterbedingt, sagt der Rückversicherer Munich Re. „Die Klimaforschung belegt immer deutlicher, dass extreme Unwetter wahrscheinlicher geworden sind“, erklärt Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek.

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Sein Kollege Ernst Rauch unterstreicht das. „Etliche der extremen Umweltereignisse gehören zu jenen, die durch den Klimawandel häufiger oder schwerer werden“, betont der Chefklimatologe des Konzerns. Allein die beiden größten Naturkatastrophen des Jahres stehen für gut 40 Prozent aller knapp 250 Milliarden Euro an Werten, welche die aus dem Ruder gelaufene Natur 2021 zerstört hat.

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Teuerste Naturkatastrophe der deutschen Geschichte

Werte im Umfang von gut 57 Milliarden Euro hat der US-Hurrikan vernichtet. Danach folgen als zweitteuerste Naturkatastrophe des Jahres die Sturzfluten in Westeuropa mit 46 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Schäden. Mit 33 Milliarden Euro entfiel der Löwenanteil davon auf Deutschland. Für Europa wie die Bundesrepublik war das die bislang teuerste Naturkatastrophe, was dem Klimawandel ein heftiges Preisschild verleiht.

Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden von weltweit rund einer viertel Billion Euro ist einer der höchsten aller Zeiten. „Das war die vierthöchste Schadenssumme seit 1980″, weiß Rauch. In der Negativhitliste versicherter Schäden rangiere 2021 mit 106 Milliarden Euro sogar an zweiter Stelle. Zugleich heißt das, dass im globalen Maßstab nicht einmal die Hälfte aller durch Naturkatastrophen vernichteten Werte versichert war. Das liegt zum einen daran, dass sich in armen Ländern viele Menschen schlicht keine Policen gegen Hagel, Sturm oder Unwetter leisten können.

Aufräumen in Dernau an der Ahr: Die Naturkatastrophen wie im vergangenen Sommer in Deutschland könnten in Zukunft häufiger vorkommen.

Aufräumen in Dernau an der Ahr: Die Naturkatastrophen wie im vergangenen Sommer in Deutschland könnten in Zukunft häufiger vorkommen.

Große Unterschiede zwischen einzelnen Regionen

„Aber auch in Industrieländern ist die Versicherungslücke teils noch hoch“, betont Rauch. Deutschland ist keine Ausnahme. Während hierzulande neun von zehn Häusern und deren Besitzer eine Police gegen Hagel und Sturm haben, sieht es bei immer wichtigeren Elementarschadenspolicen für Überschwemmungen anders aus. Dagegen war bei den Sturzfluten an der Ahr oder andernorts in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mit 46 Prozent nicht einmal jedes zweite Haus versichert. Die regionalen Unterschiede sind groß.

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So ist in Baden-Württemberg, wo es bis 1994 eine Pflichtpolice gegen Elementarschäden gegeben hat, immer noch fast jedes Gebäude entsprechend abgesichert. In Rheinland-Pfalz sind es aber nur 37 Prozent. Schlusslichter unter den Bundesländern sind nach Daten des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft mit je einem Viertel Niedersachen und Bremen. Zwar steigt die Versicherungsquote von Hausbesitzern seit einigen Jahren, das aber nur langsam.

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Kaum gegen Elementarschäden abgesichert seien zudem Infrastrukturen wie Brücken, Straßen oder Bahntrassen, stellt Rauch fest. Von insgesamt 33 Milliarden Euro Hochwasserschäden in Deutschland war nur ein Drittel versichert. Der Staat musste zig Milliarden Euro in Wiederaufbaufonds stecken, was die Staatshaushalte parallel zu den Pandemiekosten zusätzlich belastet.

Klimarisikopolicen im Koalitionsvertrag

Auch der Staat könne Infrastruktur gegen Naturkatastrophen versichern und damit mehr Planbarkeit und Budgetsicherheit in die eigenen Finanzen bringen, wirbt Rauch aus Sicht eines Versicherers nicht uneigennützig. Zudem plädiert er für öffentlich-private Versicherungspartnerschaften gegen Klimarisiken, wie es sie etwa in den USA in Form von Policen gegen Ernteausfälle längst gibt. In Deutschland wird darüber seit Jahren ohne erkennbare Fortschritte nur geredet.

Was Rauch neuerdings Hoffnung macht, ist der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung, der das Thema Klimarisikopolicen beinhaltet, wenn auch noch nicht näher spezifiziert.

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„Gesellschaften müssen sich dringend an steigende Wetterrisiken anpassen“, rät auch Jeworrek. Das könne per Prävention in Form von Deichbau oder auf Ebene des Einzelnen durch den Einbau wasserdichter Kellerfenster, hagelfester Fassaden oder sturmfester Dächer geschehen oder auch durch Versicherungen.

Düsterer Blick in die Zukunft

Klar ist auch, dass Letztere schadenbedingt immer teurer werden. Die können sich dann immer weniger Menschen leisten. Betroffen wären auch Mieter, wenn deren Wohnungen gegen Klimaschäden resistenter gemacht werden, dann aber die Miete spürbar steigt. Das Dilemma sieht auch Rauch.

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„Aber wir kommen an Bestandsbauten nicht vorbei“, sagt er mit Blick auf flächendeckende Gebäudemodernisierung zum Schutz gegen den Klimawandel. Speziell Sturzfluten wie jüngst an der Ahr könnten künftig jede Region Deutschlands treffen.

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Ohne aktives Gegensteuern werde sich die Lage jedenfalls nicht entspannen, sagt Rauch voraus. „Wir gehen davon aus, dass sich das Klima 2022 weiter erwärmt mit allen daraus resultierenden Folgen“, fürchtet der Chef-Klimatologe der Munich Re.

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