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Lübeck

Ansturm auf Brennholz im Norden

Der Holzhandel brummt: Denys Vorotyntsev, Geschäftsführer bei Hanseforest, muss extra Schichten einlegen, um dem Andrang gerecht zu werden. „Die Nachfrage ist stärker geworden.“

Der Holzhandel brummt: Denys Vorotyntsev, Geschäftsführer bei Hanseforest, muss extra Schichten einlegen, um dem Andrang gerecht zu werden. „Die Nachfrage ist stärker geworden.“

Lübeck. Die Zähne aus Metall fressen sich immer weiter in den Birkenstamm. Durch den Wald hallt das Heulen der Motorsäge. Arthur Janzen steht mit orangefarbener Gummihose und Helm zwischen den nassen Bäumen und sägt. Seine leuchtende Arbeitskleidung hebt sich von dem diesigen Forst in Bliestorf ab. Nach einigen Sekunden knickt der Baum ein, die Birke landet krachend im Gestrüpp. Janzen kann sie jetzt zu Brennholz verarbeiten, das idealerweise nach bis zu zwei Jahren Trocknungszeit im Ofen landet.

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Der Forstamtsmitarbeiter hat diesen Herbst viel zu tun. Im Norden wird massenhaft Kaminholz gekauft. Die Nachfrage steigt jedes Jahr um fünf bis zehn Prozent, sagt Förster Reinhard Schulte. „Seit die Tage wieder kürzer werden, steht das Telefon bei uns nicht mehr still.“ Viele seien bereits zu spät dran. Die Försterei hat eine lange Warteliste und muss einige Kaminofenbesitzer auf das nächste Jahr vertrösten. „Am besten jetzt schon für das Brennholz im nächsten Jahr anmelden“, rät Schulte. Denn einfach mehr Holz schlagen, das dürfe die Försterei nicht. Die Waldbesitzer seien verpflichtet, nachhaltig zu wirtschaften. Es sei gesetzlich festgelegt, dass maximal nur so viel Holz geschlagen werden darf, wie in zehn Jahren wieder nachwachsen kann. Aus dem 365 Hektar großen Forst werden etwa 300 Kubikmeter als Brennholz verkauft. Die Preise seien nicht gestiegen.

„Wir sind in zwei Wochen ausverkauft“, sagt Kai Neumann vom Wesloer Holzhof in Lübeck. Etwa 1000 Kunden hätten bereits gekauft. Die schleswig-holsteinischen Landesforsten bemerken ebenfalls eine „lebhafte Nachfrage“. Von den 230000 Festmetern Holz, die pro Jahr geschlagen werden, stehen zehn Prozent als Brennholz zur Verfügung. Das meiste Holz im Land käme aus dem Sachsenwald und den Forsten in Ostholstein, erklärt der Verantwortliche für den Holzverkauf, Harald Nasse. „Das beliebteste Brennholz ist die Buche.“

Auch im Lagerraum des Lübecker Holzverkaufs Hanseforest stapeln sich die Paletten mit Buchenholz. Auszubildener Bojan Bilac hackt mit einem gekonnten Schlag einen Holzscheit klein. Die zerkleinerten Bäume werden in Boxen sortiert und zum Kunden gebracht. „Normalerweise ist um diese Jahreszeit nicht mehr viel los. In diesem Jahr ist das anders“, erzählt Bilac. Sein Chef habe gestern bis 23 Uhr gearbeitet. Aber das Schuften lohnt sich für Geschäftsführer Denys Vorotyntsev. Der Umsatz habe sich im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent gesteigert. Statt nur sonnabends liefert er jetzt auch freitags und sonntags aus. Sonst seien die Aufträge nicht zu bewältigen.

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„Der Trend mit den Kaminöfen fing mit den steigenden Ölpreisen an“, sagt der Besitzer des Forst Bliestorf, Christian Holm. In viele Neubauten sei ein Kamin eingebaut worden. Die Bürger empfänden das Feuer als entspannend und wollen sparen, erklärt er. Dementsprechend läuft es für das Kaminhaus Lübeck gut. Im Gegensatz zum bundesweiten Trend lassen sich im Norden viele einen Kamin einbauen, sagt Inhaber Alexander Duge. Zudem würden sich immer mehr Menschen das Holz selbst aus dem Wald holen, so Forstbesitzer Holm. Die Zahl der Selbstwerber steige an. Holm: „Die Leute lieben es, mit eigenen Händen für Wärme in ihrem Haus zu sorgen.“

Alessandra Röder

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