Lübeck

Vom Feld an die Haustür: Der kurze Weg der Grünen Kiste

Seit drei Jahren bringt Hans-Jürgen Dettmann (73) Obst und Gemüse vom Bauernhof bis an die Tür von Doris Kotyrba (44).

Seit drei Jahren bringt Hans-Jürgen Dettmann (73) Obst und Gemüse vom Bauernhof bis an die Tür von Doris Kotyrba (44).

Lübeck. Hans-Jürgen Dettmann greift sich eine der Kisten und dreht sich vom Lieferwagen weg. „Vergeet nich de Melk“, ruft Hans Burmester, nimmt eine Flasche aus der Kühlbox und legt sie in die Kiste seines Kollegen. „Jou, jou“, brummt Dettmann, ebenfalls auf Platt. Mit der Kiste in den Armen durchquert er einen Vorgarten und klingelt. Die beiden liefern für das Gut Rothenhausen Gemüsekörbe aus. Das sind schlichte Kisten, die je nach Saison mit verschiedenen Produkten vom Bauernhof befüllt werden. Kunden können verschiedene Sortimente abonnieren und sparen sich den Weg zum Einkauf. Wer nicht zu Hause ist, lässt sich die Kiste zur Arbeit liefern oder vereinbart einen Ort zum Abstellen. Wer möchte, kann den Lieferanten auch einen Haustürschlüssel geben, dann kommt die Kiste in den Hausflur.

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Doris Kotyrba öffnet die Tür. Die 44-Jährige ist gerade zu Hause und nimmt die Lieferung persönlich entgegen. Doris Kotyrba weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was sie heute bekommt: „Ich lasse mich gern überraschen“, sagt sie, „so probiert man auch mal Gemüse, das man im Supermarkt sonst eher nicht kaufen würde.“ Außerdem legt sie Wert darauf, dass es Bio-Lebensmittel sind — und ist damit nicht allein, wie eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigt. Für gut jeden vierten Konsumenten (26 Prozent) spielen demnach ethische Kriterien wie Nachhaltigkeit, fairer Handel oder artgerechte Tierhaltung beim Kauf eine gewichtige Rolle.

Dieses Mal gibt es Möhren, Porree, Pilze, Salat und Petersilie. Das meiste davon ist direkt auf dem Gut Rothenhausen gewachsen. Die Hofgemeinschaft südlich von Lübeck wird seit 1976 nach den Demeter- Richtlinien bewirtschaftet. Das bedeutet, dass die Produkte, die den Hof verlassen, nicht nur das Bio-Siegel tragen, sondern nach anthroposophischen Prinzipien hergestellt wurden. Vera Kruckelmann, die den Lieferservice organisiert, sagt: „Wir bekommen mehr und mehr Bestellungen.“ Vor allem junge Leute würden Abo-Kisten für sich entdecken. Wer den Überraschungseffekt an der Haustür nicht schätze, könne bereits im Vorfeld über die Webseite des Hofs erfahren, was unter der Woche geliefert wird. Wenn etwas dabei ist, was man nicht mag, werde es einfach durch etwas anderes ersetzt. Nicht nur Obst und Gemüse, auch Brot, Wurst und Milchprodukte liefert der Hof und kauft weitere Lebensmittel wie Bananen, Pilze und Avocados in Bio-Qualität dazu.

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Hier sieht Markus Fadl vom Öko-Verband Naturland eine große Chance für die Bauern: „Generell sind die Abo-Kisten ein sehr schönes und sicheres Mittel der Direktvermarktung“, sagt er. „Durch den Zukauf sind die Landwirte nicht so sehr von ihrer eigenen Ernte abhängig.“ Nicht zuletzt gebe das Abo-Modell auch Planungssicherheit. Umgekehrt spart der Kunde die Marge für den Zwischenhändler und weiß, wo die Sachen herkommen. „Wir möchten gerne den Kundenkontakt haben“, sagt Vera Kruckelmann. Auf dem Gut Rothenhausen könne man etwa beim Melken zusehen oder Kindergeburtstage feiern. Wer den Weg dorthin scheut, kann auch einfach Hans-Jürgen Dettmann fragen. Der ehemalige Landwirt plant seine Routen so, dass für einen kurzen Plausch immer Zeit ist.

    Kilian Haller

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