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Wann ist ein Unternehmen eigentlich deutsch?

Delivery-Hero-Zentrale in Berlin: Kein Geschäft in Deutschland.

Hannover. Es klingt so eindeutig. Deutscher Aktienindex – Dax, wir kennen ihn alle. Die 40 größten deutschen Aktienwerte, Oberhaus der Börse und so weiter. Aber mit dem „D“ ist das in Zeiten globalisierter Wirtschaft so eine Sache. Nehmen wir nur mal den wertvollsten Dax-Konzern. Nein, nicht VW, nicht Siemens: Linde. Dort stellt man seit 143 Jahren Gase her. Nicht zum Heizen, nicht für Nord S­tream 2 – es geht um Kühlung und chemische Prozesse, um Medizin und die beschleunigte Reifung von Obst.

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Über die prächtigen Zahlen für das vergangene Jahr berichtete Linde am Donnerstag in Guildford bei London, wo die operative Zen­tra­le angesiedelt ist. Der Briefkasten – Pardon: der offizielle Firmensitz – steht allerdings im steuergünstigen Dublin. Das Management ist hingegen amerikanisch geprägt, denn man fusionierte vor einigen Jahren mit Prax­air im US-Bundesstaat Connecticut. Kein Wunder, dass sich die Beschäftigten in der früheren Zentrale München bisweilen heimatlos fühlen.

So ist Linde ein etwas virtuelles Gebilde, unter dem sich selbst viele Anleger wenig vorstellen können – aber weltgrößter Hersteller von Industriegasen und mit fast 140 Milliarden Euro auch das aktuell wertvollste Unternehmen im Dax.

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Delivery Hero droht der Abstieg aus dem Dax

Beim Verlierer der Woche ist es eher andersherum. Delivery Hero hat seine Zentrale hier – aber sonst nichts. Der Lieferdienst wurde vor gut zehn Jahren in Berlin gegründet, gab den Straßenkampf in der Hauptstadt aber irgendwann auf. Das heimische Geschäft wurde verkauft, das Geld in ähnliche Plattformen in anderen Weltgegenden investiert.

Ein überraschender Comebackversuch in Deutschland endete vor einigen Monaten schnell, aber nicht spurenlos: Das Image bei den Anlegern ist ziemlich im Eimer, unterstellt wird strategische Orientierungslosigkeit. Zwischen Wachstumsehrgeiz und dem Zwang, irgendwann auch mal Geld zu verdienen, hat sich Chef und Mitgründer Niklas Östberg ein bisschen verheddert.

So hinterließen die Geschäftszahlen am Donnerstag größere Verheerungen. Die Aktie, vor einem Vierteljahr noch mehr als 120 Euro teuer, ist jetzt für weniger als ein Drittel zu haben.

Stefan Winter ist leitender Wirtschaftsredakteur des RND. Er schreibt an dieser Stelle wöchentlich über Börse, Finanzmarkt, Aufstieg und Fall der Kurse – und die Unternehmen dahinter.

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