Hightech aus Walldorf

SAP: Wie die Vorzeigefirma mit der Midlife-Krise kämpft

Christian Klein, Vorstandsvorsitzender des Softwarekonzerns SAP, spricht bei der Bilanzpressekonferenz.

Christian Klein, Vorstandsvorsitzender des Softwarekonzerns SAP, spricht bei der Bilanzpressekonferenz.

Frankfurt am Main. Einst war SAP der unangefochten wertvollste Titel im Deutschen Aktienindex (Dax). Und als bestes deutsches Unternehmen galt der Konzern sowieso. Doch ausgerechnet zum 50. Geburtstag zeigt die Softwarefirma aus Walldorf unübersehbare Alterungserscheinungen. Aber immerhin legte SAP am Freitag Geschäftszahlen vor, von denen zumindest einige über den Erwartungen der Branchenkenner lagen.

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Der Umsatz kletterte in den ersten drei Monaten um 11 Prozent auf rund 7 Milliarden Euro. Der Gewinn schrumpfte hingegen um gut 40 Prozent auf 632 Millionen Euro. Das war wohl auch ein maßgeblicher Grund dafür, dass der Aktienkurs bis Freitagmittag um rund 3 Prozent nachgab.

Damit setzt sich eine Erosion fort, die seit Jahresbeginn zu erkennen ist: Das Unternehmen hat mehr als ein Fünftel seines Werts verloren. In der Dax-Tabelle rangiert es zwar immer noch auf dem zweiten Platz. Doch die Erzrivalen aus den USA – Oracle und Salesforce – sind in puncto Marktkapitalisierung in einer anderen, nämlich höheren Liga unterwegs.

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Das gläserne Unternehmen

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit galt die einzige deutsche Softwareschmiede mit Weltgeltung als quasi unangreifbar. SAP, gegründet von fünf deutschen IBM-Fachkräften, ist seit den 1990er-Jahren in der Unternehmenswelt unentbehrlich mit Programmpaketen, die alle Prozesse in den Firmen gläsern machen.

Enterprise Resource Planning (ERP) werden die Algorithmen genannt, mit denen Betriebe gesteuert werden. Dass dabei hochkomplexe Software eingesetzt wird, die nicht unbedingt die nutzerfreundlichste ist, haben die Manager akzeptiert – zu groß waren und sind die möglichen Effizienzgewinne.

Bei 99 von 100 der größten Unternehmen der Welt sollen SAP-Programme werkeln. Und die meisten der Großkonzerne haben auch ihre Zulieferer und Partner dazu verdonnert, ebenfalls Software made in Walldorf einzusetzen, um die Ressourcenplanung zu verzahnen. So haben sich massive Lock-in-Effekte entwickelt. Die Hürde, um aus der SAP-Welt auszusteigen, ist extrem hoch. Das war ein Garant für lukrative Geschäfte.

Die Cloud verändert alles

Doch seit etwa einer Halbdekade vollzieht sich ein grundlegender Wandel: Weg von Software, die einmal gekauft und auf den Rechnern installiert wird, hin zur Cloud: Programme und digitale Informationen werden aus der Datenwolke je nach Bedarf abgerufen. Das drückt für die Nutzer die Kosten.

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SAP hat sich erst spät auf die neuen wolkigen Lösungen eingelassen – auch weil damit der Lock-in-Effekt zerbröselt. Konzernchef Christian Klein hatte aber im Herbst 2020 angekündigt, Wachstum mit der Cloud erst einmal über eine höhere Profitabilität zu stellen. Mit der Umstellung kämpfen die Manager aus dem Nordbadischen noch immer.

So wurden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung im ersten Quartal von um fast ein Viertel auf 1,42 Milliarden Euro und die Aufwendungen für Vertrieb und Marketing um ein Fünftel auf 1,99 Milliarden Euro gesteigert. Das hat heftig am Gewinn genagt.

Hinzu kam der zunächst zögerliche, aber inzwischen vollzogene Ausstieg aus dem Russland-Geschäft. Das werde den Umsatz im gesamten Jahr um 300 Millionen Euro drücken, teilte SAP mit. Noch einmal um die 100 Millionen soll die Schließung des russischen Rechenzentrums kosten.

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